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Berühmte letzte Worte

Frauen, bleibt weiblich!

Frauen sollen wie Männer agieren? Was für eine schreckliche Vorstellung! Findet zumindest unser Kolumnist. Ihn reißen nachts fünf Schreckensbilder aus dem Schlaf.

Männer sind anders, Frauen auch - das zeigt sich nicht zuletzt im Berufsalltag. Quelle: dpa Picture-Alliance

Das fehlt noch. Frauen als Manager - wo soll das denn hinführen? Ich will gar nicht darüber nachdenken. Sofort entstehen schreckliche Bilder in meinem Kopf.

Wie können sich Männer wie Hans-Joachim Reck wünschen, dass Frauen wie Männer agieren sollen!? Um Männer zweiter Klasse aus ihnen zu machen? Das haben die Damen nun wirklich nicht verdient. Trotzdem wollen die Stimmen nicht verstummen – und lösen bei mir nachts fünf Schreckensbilder aus.

Billige Kunststoffsohlen und Oberlederimitat

Abgelaufene Absätze, weißgekochte Socken, leicht fettranziger Hemdkragen. Die Hosenknie ausgebeult, dazu kurze Ärmel am Hemd, das sich einmal die Woche selber bügelt. Im Anzug, erratisch elektrisierend, schlufft man über den falschen Teppich. Die Hose zu lang. Im Schritt der zerknitterte Beweis, dass man sie seit Wochen trägt. Das Sakko zu groß, mit schütterem Schuppenbefall.

Aktenkoffer im Aufzug

Natürlich mit abgewetzten Kanten. Ein glückbringendes Relikt eines ansonsten glücklosen BWL-Studiums. Weder zu den Schuhen noch dem Gürtel noch dem Uhrband passend. Oder der schwarze Rucksack, vermeintlich verjüngend. Oder gar die überquellende Laptop-Tasche von Dell.

Mailschecken im Meeting

Hinter ihrem Tisch versinkend. Breitbeinig. Ahnungslos. Heimlich Hoden sortierend. Nervös schwarzes Gummi auf dem Kunststoffboden hinterlassend. Kaffee verschüttend, Milch verspritzend, Zucker verstreuend. Sich dann ungelenk und dümmlich lächelnd verlegen entschuldigend. Kekse zerbröselnd. Sonst möglichst unauffällig dem Meetingende entgegenfiebernd. Die Kleinen mit der goldenen Amex-Card spielend, die Großen mit der Platin-Card.

Diese Fehler verbauen Frauen die Karriere
1.  Frauen lassen sich von Stellenanzeigen einschüchternKeine Frage, Bewerber sollten Stellenanzeigen sorgfältig durchlesen. Aber zu viel Sorgfalt schadet eher. Ein Problem, das vor allem Frauen betrifft. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Online-Stellenbörse Jobware. 151 Männer und 79 Frauen lasen darin 150 Stellenanzeigen. Währenddessen wurden ihre Augenbewegungen aufgezeichnet, hinterher bewerteten die Studienleiter ihre Aussagen. Das Ergebnis: Frauen klickten im Schnitt nicht nur auf mehr Jobprofile, die sie auch länger durchlasen. Mehr noch: Sie ließen sich wesentlich stärker von vermeintlich männlichen Stellentiteln und Qualifikationen beeindrucken – und wollten sich gar nicht erst bewerben. Ein Indiz dafür, dass sich Frauen von manchen Anforderungen immer noch zu stark beeindrucken lassen. Ein Problem, das schon früh beginnt... Quelle: Fotolia
2. Schon Mädchen scheuen WettbewerbMatthias Sutter und Daniela Rützler von der Universität Innsbruck untersuchten in einer Studie das Verhalten von mehr als 1000 Kindern im Alter zwischen 3 und 18 Jahren. Sie sollten verschiedene Tests lösen, etwa Wettläufe oder Matheaufgaben. Als Belohnung erhielten sie kleine Geldbeträge. Im Verlauf des Spiels konnten die Kinder dann gegen Gleichaltrige antreten und dabei mehr verdienen. Bei den Jungen entschieden sich 40 Prozent für den Wettkampf unter Gleichaltrigen. Von den Mädchen wollten das nur 19 Prozent wagen. Quelle: Fotolia
3. Frauen unterschätzen ihre LeistungErnesto Reuben von der Columbia Business School gewann für sein Experiment ( .pdf) 134 Studenten. Alle hatten zwei Jahre zuvor verschiedene Aufgaben absolviert, jetzt sollten sie ihre damalige Leistung bewerten. Das Ergebnis: Die Männer überschätzen ihre tatsächliche Leistung um rund 30 Prozent überschätzt, die Frauen hingegen um weniger als 15 Prozent. Im zweiten Schritt teilte Reuben die Teilnehmer in Gruppen. Sie sollten einen Vertreter wählen, der für die Gruppe Geld gewinnen konnte. Das Ergebnis: Weil sie zu ehrlich waren, schafften es weibliche Teilnehmer drei Mal seltener als Männer, die Rolle des Anführers zu übernehmen. Quelle: Fotolia
4. Frauen lassen sich von Klischees beeinflussenMarina Pavlova vom Universitätsklinikum Tübingen reichte für ihre Studie im Jahr 2010 83 Medizinstudenten den Abschnitt eines Intelligenztests. Dabei sollten sie eine Reihe von Bildern in die richtige Reihenfolge zu bringen. Doch vorab gaukelte Pavlova der einen Hälfte der Teilnehmer vor, dass Frauen bei dieser Aufgabe generell besser abschneiden. Die andere Hälfte erfuhr, dass Männer darin bessere Ergebnisse erzielen. Ergebnis: Die Frauen ließen sich von negativen Aussagen viel stärker beeinflussen als Männer. Deren Leistung litt kaum unter der Vorab-Information. Quelle: Fotolia
5. Frauen sind schneller zufriedenDer Soziologe Stefan Liebig von der Universität Bielefeld analysierte für seine Studie ( .pdf) Daten des Sozio-oekonomischen Panels. In dieser Langzeitstudie machen 10.000 Deutsche regelmäßig Angaben zu Ihrem Beruf und Privatleben. Liebig wollte wissen, ob sie ihr aktuelles Einkommen als gerecht empfanden - und falls nein, welches Nettogehalt angemessen wäre. Wenig überraschend: Etwa jeder dritte Befragte fand sein Einkommen ungerecht. Doch das Einkommen, das Frauen als gerecht empfanden, lag noch unter dem tatsächlichen Gehalt von Männern. Egal ob Akademikerin oder Reinigungskräfte: Frauen hatten finanzielle geringere Ansprüche. Quelle: Fotolia
6. Frauen scheuen Jobs mit WettbewerbAndreas Leibbrandt und John List schalten für ihre Untersuchung Stellenanzeigen in neun US-Städten – in zwei verschiedenen Versionen. Die eine Ausschreibung suggerierte, dass das Gehalt nicht verhandelbar sei. Die andere behauptete, dass das Gehalt Verhandlungssache sei. Fazit: Bei letzterer Stelle bewarben sich wesentlich mehr Männer. Offenbar meiden viele Frauen Jobs mit starkem Konkurrenzdenken. Quelle: Fotolia
Ein Mann hält einen Zettel mit der Aufschrift "Job gefällig?" in der Hand Quelle: dpa

Rasen auf der Autobahn

In der Rechten das Handy, in der Linken brennt die Zigarette zwischen Zeige- und Mittelfinger. Oder geistesabwesend einen Finger in der Nase, das Hirn auf schwere, innere Verletzungen abtastend. Unterwegs im schwarzen Fünfer-Audi/BMW ohne Navi, weil die Felgen so teuer waren, dass sie das Budget sprengten.

Intrigen in der Zigarettenpause

Hämisch grinsend, wenn wieder jemand stolpert, wieder wer mit einer eigentlich genialen Idee vorzüglich scheitert. Geschieht ihm recht, dem Streber, der uns den Akkord versaut. Hinter vorgehaltener Hand.

Welch furchtbare Bilder! Nein, bitte, keine Frauen als männliche Managertypen. Erst umgekehrt wird ein Schuh daraus. Es gibt soviel voneinander zu lernen!

Liebe weibliche und männliche Frauenratgeber mit den besten Tipps für die weibliche Karriere: Haltet still! Schwächt nicht die Frauen, indem Ihr ihnen empfehlt, sich wie Männer zu verhalten. Stellt die Frauen nicht vor die Entscheidung, ob sie Männer erster oder zweiter Klasse sein wollen. Als ob es keine sinnigere Alternative gäbe.

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