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Berufsfelder unter der Lupe Karriere als Wirtschaftsprüfer

Trotz Finanzkrise und Imageeinbußen bleibt der Arbeitsmarkt für Wirtschaftsprüfer attraktiv. Die Branche ist krisensicher, die Stellenangebote zahlreich. Die Einstiegsgehälter für Absolventen können sich sehen lassen.

Wirtschaftsprüfer untersuchen nicht nur Bilanzen - ihre Tätigkeit kann vielseitig sein. Foto: Fotolia

KölnDie Geschäfte der großen Wirtschaftsprüfer (WP) laufen gut. Zwar konnte der Wachstumsschwung der 25 größten Wirtschaftsprüfer in 2012 nicht ganz an das Vorjahr anknüpfen, so das Ergebnis einer aktuellen Lünendonk-Studie. Dennoch verzeichnen gerade die großen Gesellschaften ein überdurchschnittliches Umsatzwachstum von 6,3 Prozent.

Jörg Hossenfelder, Geschäftsführender Gesellschafter des Beratungs- und Marktforschungsunternehmens Lünendonk, fasst in der Studie zusammen: „Die Services der WP-Gesellschaften wurden in 2012 verstärkt nachgefragt, vor allem die Steuerberatung und Managementberatung nahmen zu, die Abschlussprüfung und wirtschaftsprüfungsnahe Beratung zeigten sich stabil.“ Für 2013 liege die Wachstumsprognose der 25 Top-Wirtschaftsprüfer bei etwas zurückhaltenden, aber immer noch soliden 4,5 Prozent.

Wirtschaftsprüfer sind gefragt. Nach Informationen des Instituts für Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (IDW) gibt es derzeit genau 14.594 Mitarbeiter in diesem Berufsstand. Der Anteil arbeitsloser Wirtschaftsprüfer ist dabei gering. Absolventen und Berufserfahrenen bietet der deutsche Jobmarkt derzeit deutlich mehr freie Stellen (Vgl. Grafik). Dies belegt die umfangreiche Datenbasis aus den Stellenangeboten des Handelsblatt Jobturbo. So erreichte der Index für Wirtschaftsprüfer im Juli einen Topwert von 1,5.

Brigitte Rothkegel-Hoffmeister, Leiterin Aus- und Fortbildung des IDW: „Wirtschaftsprüfer ist ein Top-Job mit Zukunft. Der Beruf bietet ein breites Einsatzgebiet, das nicht nur die Prüfung von Jahresabschlüssen und Konzernabschlüssen sowie eine Vielzahl weiterer Prüfungen, sondern auch beratende, gutachterliche und treuhänderische Tätigkeiten umfasst. Außerdem sind die Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten in der Wirtschaftsprüfung für leistungsorientierte Menschen hervorragend.“

Der Arbeitsmarkt für Wirtschaftsprüfer ist übersichtlich. Dieser wird noch immer von den altbekannten „Big Four“ - PricewaterhouseCoopers, KMPM, Ernst & Young und Deloitte – dominiert, die rund 80 Prozent des Marktes beherrschen. „Viele denken beim Thema Wirtschaftsprüfer nur an große Gesellschaften“, weiß Rothkegel-Hoffmeister. „Dabei gibt es fast überall in Deutschland viele Einzelwirtschaftsprüfer sowie kleine und mittelgroße Wirtschaftsprüferkanzleien, die Beratungsaufgaben speziell für den Mittelstand wahrnehmen – und das nicht erst dann, wenn ein Unternehmen in eine Krise geraten ist oder eine Unternehmensbewertung für eine Übernahme ansteht.“


Kein Erbsenzähler-Job

Rothkegel-Hoffmeister fasst Vor- und Nachteile kleinerer Praxen und der großen Gesellschaften zusammen: „Die Tätigkeiten bei großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sind stärker spezialisiert. Die Gebiete gliedern sich in Audit (die klassische Abschlussprüfung), Advisory (Beratung) und Tax (Steuern). Bei kleinen und mittelständischen Gesellschaften wird dagegen zwischen Prüfung und Steuerberatung nicht strikt getrennt, das Aufgabenspektrum ist hier grundsätzlich breiter. Die Mandanten – meist mittelständische Unternehmen – erwarten von ihrem Wirtschaftsprüfer oder ihrer Wirtschaftsprüferin eine persönliche Beratung auf mehreren Gebieten.“

Der Job als Wirtschaftsprüfer besteht aus weit mehr als Erbsenzählerei. Die Aus- und Fortbildungsleiterin des IDW: „Wer sich für den Berufseinstieg in der Wirtschaftsprüfung entscheidet, muss ein hohes Maß an Lernbereitschaft mitbringen. Wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Karriere sind vor allem analytisches Denken und Zahlenverständnis, selbständiges Arbeiten, Mobilität und Kommunikationsfähigkeit. Bewerberinnen und Bewerber sollten darüber hinaus teamfähig sein und sich nicht davor scheuen, Verantwortung zu übernehmen. Sprachkenntnisse, am besten vertieft durch ein Auslandssemester oder ein Praktikum im Ausland, sind von Vorteil.“ Unternehmerisches Verständnis sei ebenso unabdingbar.

Kaum ein Kandidat, der sein Examen ablegt, ist jünger als 30 Jahre alt. 84 Prozent der Wirtschaftsprüfer haben zuvor ein wirtschaftswissenschaftliches Studium absolviert, auch wenn dieses nicht zwingend vorgeschrieben ist. Dabei empfehlen sich die Schwerpunkte Controlling, Steuern oder Recht. Möglich ist aber auch ein Jura-Studium, eine Volkswirtschaftslehre oder in seltenen Fällen auch ein technisches Studium. “Was viele nicht wissen: attraktive Karrieremöglichkeiten bietet die Spezialisierung auf bestimmte Branchen wie Banken oder Versicherungen. Aber auch Wirtschafts- oder Versicherungsmathematiker und Informatiker sind sehr gefragt“, erklärt Rothkegel-Hoffmeister.

Für das Wirtschaftsprüfer-Examen gehen dann noch einmal drei bis vier Jahre ins Land, je nachdem ob Bachelor- oder Masterabsolvent. In dieser Zeit arbeiten die Kandidaten als Prüfungsassistenten. Rund 85 Prozent legen in dieser Zeit zusätzlich das Steuerberaterexamen ab.

Den Abschluss bilden eine mündliche sowie sieben schriftliche Prüfungen. Monatelanges Lernen sowie ein teures Repetitorium sind Usus. Nach Angaben des IDW bestehen jedoch mittlerweile unter Berücksichtigung der Ergänzungsprüfung rund 70 Prozent der Kandidaten das Examen. 


Masterstudium führt schneller zum Berufsziel

Um die Hürden auf dem Weg zum Wirtschaftsprüfer zu minimieren und den Nachwuchs schneller ins Berufsleben zu ziehen, bieten sieben Hochschulen mittlerweile gezielte Masterstudiengänge nach § 8a WPO an. Diese führen zu deutlich höheren Erfolgschancen im Examen. Leistungen aus dem Studium können so für das Examen angerechnet werden, was deutlich Zeit einspart. Ein weiterer Vorteil: Gerade die privaten Hochschulen sind oft eng mit den großen Prüfgesellschaften verzahnt, die wiederum großes Interesse an den Absolventen der Hochschulen haben.

All die Mühe bei der langen Ausbildung macht sich am Ende durch das Gehalt bezahlt. Traditionell zu den Besserverdienern gehörend liegt die Vergütung von Absolventen bei über 40.000 Euro, so eine Studie der Kienbaum Personalberatung. Je nach Unternehmensgröße, Verantwortungsbereich und Berufserfahrung wird das Einkommen lukrativer und kann auf 60.000 bis 100.000 Euro steigen.

Wirtschaftsprüfer sind Generalisten in einer krisensicheren Branche, denn ihre Arbeit ist in großem Umfang vom Gesetzgeber vorgeschrieben. Dennoch müssen Wirtschaftsprüfer nicht ihr Leben lang Jahresabschlüsse testieren: „Wirtschaftsprüfer können auch Spitzenpositionen in der Industrie, in Banken oder Versicherungen bekleiden, z.B. als Leiter des Finanz- und Rechnungswesens, des Beteiligungscontrollings oder in der internen Revision. Den Titel „Wirtschaftsprüfer“ dürfen sie dann allerdings nicht mehr führen, da eine weisungsgebundene Tätigkeit in einem Unternehmen mit der im Berufsbild angelegten Unabhängigkeit nicht vereinbar ist“, so Rothkegel-Hoffmeister.

Die Branche, traditionell eine Männerdomäne, habe mittlerweile die Vorteile und die Notwendigkeit eines größeren Frauenanteils erkannt, berichtet Rothkegel Hoffmeister vom IDW. Allerdings liegt der Anteil der Wirtschaftsprüferinnen momentan bei nur 15 Prozent. Da gerade im Bereich der Führungskräfte kräftig weibliches Personal rekrutiert wird, haben Frauen derzeit also beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

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