Besprechungen Deutsche jammern, Amerikaner lachen

Kulturelle Unterschiede zeigen sich auch in Meetings. Deutsche verhalten sich in Besprechungen deutlich anders als Amerikaner, wie eine Untersuchung zeigt. Internationale Teams sollten sich darüber klar sein.

Wie Sie mit peinlichen Büro-Situationen umgehen
Regel Nummer 1: Egal, was Sie gemacht oder gesagt haben - sagen Sie erst einmal nichts. Matthias Nöllke, Autor des Buches "Peinliche Situationen meistern" rät: Erst einmal durchatmen und sammeln. Im ersten Anlauf käme ohnehin nur Mist heraus. Und jede Erklärung - "ich wollte doch nur" - macht die Peinlichkeit größer. Auch Witze darüber, dass Sie Ihrem Kunden gerade Ihren Kaffee auf das teure Hemd gekippt haben, machen es nicht besser. Quelle: Fotolia
Regel Nummer 2: Spielen Sie weder den Coolen noch den Clown. Sagen Sie, dass Ihnen die Situation sehr unangenehm ist und bitten sie um Entschuldigung. Quelle: Fotolia
Regel Nummer 3: Bieten Sie eine Wiedergutmachung an. Wenn Sie dem Kollegen oder Kunden den Anzug bekleckert haben, sollte das mit einer Entschuldigung und dem Übernehmen der Reinigungskosten erledigt sein. Quelle: Fotolia
Deutlich schwieriger wird das, wenn es sich nicht um verkleckerten Wein, sondern um verletzte Gefühle handelt. Aber auch wenn Sie über jemanden gelästert haben und der das blöderweise mitgehört hat: Stellen Sie sofort das Lästern ein, zeigen Sie sich peinlich berührt und entschuldigen Sie sich. Nöllke rät sogar in diesem Fall, unter vier Augen eine Wiedergutmachung anzubieten. Wie die aussehen kann oder soll, muss in diesem Fall der betroffene Kollege entscheiden. Quelle: Fotolia
Das muss nicht nur verbal passieren: Es ist kurz vor Feierabend und die Mail an den guten Bekannten mit der Wochenendplanung - oder noch schlimmer - die mit den Büro-Lästereien gingen versehentlich an den Kunden. Entweder Sie verändern Ihr Äußeres drastisch, geben sich einen neuen Namen oder kündigen umgehend, oder Sie schicken schnellstens eine Entschuldigungsmail hinterher. Falls Sie die Läster-E-Mail an den Firmenverteiler geschickt haben, sollten Sie sich vor allem bei dem betroffenen Kollegen entschuldigen - und zwar persönlich. Quelle: dpa
Der Klassiker: Sie haben den Namen eines Kunden oder Kollegen vergessen - und das, obwohl Sie seit Jahren zusammenarbeiten. Statt "Guten Tag, Herr/Frau...äh..." versuchen Sie es lieber mit der Wahrheit: "Es ist mir schrecklich peinlich, aber ich kann mir keine Namen merken." Fragen Sie freundlich noch einmal nach. Quelle: Fotolia
Sie erwischen den Chef mit einer Kollegin in seinem Büro, der Teeküche oder der Tiefgarage beim Stelldichein. Das ist nicht nur für Sie peinlich. Jetzt nur keinen blöden Spruch machen, sondern möglichst schnell aus dem Raum gehen. Weitere Gespräche sollten im Büro stattfinden. "Und hier wird es brenzliger", sagt Horst Beuermann, Etikette-Kolumnist des „Playboy“. Er rät dazu, mit dem Chef einen Termin auszumachen, ihn direkt auf die Situation anzusprechen und ihm seine Diskretion zuzusichern. "Bedanken Sie sich für das vertrauliche Gespräch. Fertig." Quelle: Fotolia
Einer Ihrer Kollegen hat einen internen Spitznamen, von dem er nichts weiß - zumindest so lange nicht, bis Sie ihn versehentlich mit "Hofnarr", "Rennschnecke" oder wie auch immer ansprechen. Ihr Gegenüber ist irritiert und Sie schämen sich in Grund und Boden? Auch hier hilft nur: entschuldigen, entschuldigen, entschuldigen. Verzichten Sie auf Erklärungen wie "Ja, weißt du, wir nennen dich hinter deinem Rücken so, weil..." Quelle: Fotolia
Sie helfen dem Kollegen, der mit seinem Computer oder einem Programm nicht zurande kommt und löschen dabei irgendwelche wichtige Dateien? Jetzt gilt es, den angerichteten Schaden so gut wie möglich wieder gutzumachen. Und zwar nicht durch weiteres herumdoktern, sondern durch Rufen eines Profis. Quelle: Fotolia
Im Büro herrschen 35 Grad und Ihr Deo versagt. Warten Sie nicht, bis die Kollegen herumdrucksen und von Ihnen abrücken, sondern seien Sie ehrlich. Sagen Sie, dass es Ihnen sehr unangenehm ist, Ihr Deo aber den sommerlichen Temperaturen nicht gewachsen scheint. Fragen Sie höflich nach, ob einer Ihrer Kollegen Deo dabei hat, das er Ihnen leihen könnte. Quelle: Fotolia

Deutsche Kollegen sprechen häufig über Probleme und die Umsetzung von Maßnahmen, jammern dabei auch. US-amerikanische Teams reden häufiger über Lösungen und lachen in Besprechungen häufiger. Das ist das Ergebnis einer Studie einer Forschergruppe um Nale Lehmann-Willenbrock von der Freien Universität Amsterdam, über die die Zeitschrift "Wirtschaftspsychologie Aktuell" berichtet.

Die Sozialforscher ließen insgesamt 73 US-amerikanische Studenten und 52 deutsche Studenten in jeweils 15 Kleingruppen darüber diskutierten, ob ein bestimmter Student an einer Elite-Uni promovieren sollte oder nicht. Sie mussten dabei zu einer einmütigen Empfehlung kommen. Die Gespräche wurden aufgenommen und danach in Sinneinheiten zerlegt, die wiederum bestimmten Kategorien zugeordnet wurden. Dann analysierten die Forscher, welche Gruppen wie oft problemfixiert, jammernd, gefühlsbetont oder lösungsorientiert waren.

Deutsche: problemfixiert, jammernd, umsetzungsbezogen

Durchschnittlich 13-mal sprachen deutsche Teammitglieder Probleme an: was genau das Problem war oder wodurch es verursacht wurde. Die Amerikaner sprachen im Durschschnitt nur sechs mal konkrete Probleme an. Die Deutschen jammerten auch häufiger: Doppelt so oft wie die Amerikaner. Das heißt, sie wollten keine Veränderungen, äußerten sich negativ oder gar mit unpassenden Bemerkungen oder Vorwürfen, wiesen Verantwortung von sich. Die Deutschen sprachen aber auch häufiger über die Umsetzung von Maßnahmen. Fast doppelt so oft wie die Amerikaner diskutierten sie Ziele, Abläufe, Aufgabenverteilung oder Kosten-Nutzen-Verhältnisse. Und fassten am Ende alles Gesagte diszipliniert zusammen.

Amerikaner: lösungsorientiert, gefühlsbetont

Die untersuchten Amerikaner sprachen häufiger über Lösungen. Pro Diskussionsrunde äußerten sie sich im Schnitt 42 mal dazu, wie konkrete neue Lösungen aussehen könnten, welche Ziele und Vorteile diese Lösungen haben könnten. Die Deutschen taten das nur rund 30 mal. Die Amerikaner zeigten mehr "positive" Gefühle: Ermunterungen zur Mitarbeit, Signale der Unterstützung oder Dankbarkeit, Humor. Solche Äußerungen zeigten die amerikanischen Studenten im Schnitt 70 mal, deutsche aber nur 50 mal in den Gruppengesprächen.

In Arbeit
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Lehmann-Willenbrock und ihre Ko-Autoren raten Unternehmen und Organisationen mit kulturell gemischten Teams, sich über die kulturellen Unterschiede bewusst zu werden und entsprechend weiterzubilden. Wichtig sei dabei, dass das Team einen Eindruck seines eigenen Kommunikationsverhaltens bekomme. Am besten eignen sich dazu Videoaufzeichnungen, mit deren Hilfe Teammitglieder ihr Verhalten spiegeln können.

fk

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