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Betriebliches Gesundheitsmanagement Manager sollten Krisen ihrer Mitarbeiter ernst nehmen

Psychische Erkrankungen sind einer der Hauptgründe, warum Arbeitnehmer längere Zeit ausfallen. Deren Zahl steigt, was oft an persönlichen Krisen liegt und nicht am Job. Und auch bei deren Bewältigung können Chefs helfen.

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Scheidung, Krankheit, Tod: viele psychische Erkrankungen haben ihren Ursprung in persönlichen Krisen und nicht im Job. Quelle: dpa

Der aktuelle Fehlzeiten-Report der AOK-Versicherung zeigt: psychische Erkrankungen sind einer der Hauptgründe für Arbeitsausfälle. Und die Zahl der psychischen Erkrankungen, die für längere Ausfälle sorgen, ist den vergangenen zehn Jahren mit 79,3 Prozent überproportional stark gestiegen.

Das liegt allerdings nicht nur an gestiegener Arbeitsbelastung, hohen Erwartungen oder anderweitigen Jobstressoren. Vielfach haben die psychischen Erkrankungen ihren Ursprung im Privatleben, wie das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) in einer repräsentativen Befragung von 2000 Beschäftigten herausgefunden hat.

Scheidung, Krankheit der Eltern, Tod eines Angehörigen oder Freundes: "Etwa die Hälfte der Erwerbstätigen war in den letzten fünf Jahren von einem kritischen Lebensereignis betroffen", so Helmut Schröder, Stellvertretender Geschäftsführer des WIdO. Derartige Ereignisse sind selbstverständlich nicht nach ein paar Tagen Sonderurlaub verarbeitet, die Arbeitnehmern in derartigen Krisenfällen zustehen. "Die Folgen sind für Beschäftigte und Arbeitgeber gravierend", bestätigt Schröder.

Hochzeit, Geburt, Tod: Wofür es Sonderurlaub gibt - und wie lange

Gemäß der Befragung des WIdO sind die häufigsten Ursachen für psychische Belastungen bei Arbeitnehmern:

  • kritische Lebensereignisse (37,6 Prozent, bei den 50- bis 65-Jährigen sind es sogar 64,7 Prozent)
  • Konflikte im privaten Umfeld (16 Prozent)
  • eine schwere Erkrankung von Angehörigen (zwölf Prozent)
  • finanzielle Probleme (elf Prozent)

Die Befragungsergebnisse zeigen aber auch, dass Führungskräfte bei akuten Krisen der Mitarbeiter eine wichtige Rolle spielen. "Kritische Lebensereignisse bei Beschäftigten können ein 'Stresstest' für die Stabilität der beiderseitigen Beziehung zwischen Unternehmen und Mitarbeiter sein", sagt Schröder.

Viele Unternehmen in Deutschland wissen um die hohe Relevanz betrieblicher Angebote bei Krisenereignissen. Die Deutsche Bahn beispielsweise bietet ihren Mitarbeitern professionelle, anonyme Unterstützung in Krisensituationen. Das gilt sowohl für Lokführer, die in Personenunfälle verwickelt sind, als auch für alle anderen Mitarbeiter, die ein einschneidendes Erlebnis verarbeiten müssen.

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Das ist nicht bloß eine nette, menschliche Geste. Es rechnet sich auch langfristig für den Arbeitgeber. "Dank unserer umfassenden Betreuungsangebote gelingt den Mitarbeitern auch nach traumatischen Erlebnissen fast immer die berufliche Wiedereingliederung", bestätigt Christian Gravert, Leiter des Gesundheitsmanagements bei der Deutschen Bahn AG.

Und auch Schröder sagt: "Wenn Krisen sowohl aus Sicht des Betriebs als auch des betroffenen Beschäftigten gut gemeistert werden, können beide Seiten gestärkt aus ihr hervorgehen."

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