Bonus-Zahlungen Gewinnbeteiligungen erhöhen den Leistungsdruck

Boni sind immer wieder ein Aufregerthema: Sie bescheren Bankern und Top-Managern Mondgehälter und schüren Neid. Den normalen Angestellten können sie sogar krank machen.

Ein Arbeitnehmer in einem Büro in Hamburg sieht sich mit zahlreichen Anforderungen konfrontiert Quelle: dpa

Wer viel arbeitet, soll auch viel verdienen und wer seinem Unternehmen satte Gewinne beschert, darf dafür ruhig belohnt werden. Das ist der Gedanke hinter Gewinnbeteiligungen und Boni. Trotzdem sind die kleinen Extras vom Chef ein heikles Thema in Deutschland: Wer sie in Aussicht gestellt bekommt, handelt unvorsichtiger, betrügt und lügt: Hauptsache es kommt zum Vertragsabschluss beziehungsweise Umsatzwachstum, was sich im eigenen Geldbeutel bemerkbar macht. Soweit das gängige Klischee.

Forscher aus Dresden, Genf und Köln haben sich mit dem Thema befasst und anhand der Bonuszahlungen von 1,2 Millionen Bankern belegt, dass Chefs sich keine raffgierigen Betrüger heranziehen, wenn sie Boni für gute Leistungen auszahlen. Auch werden Manager nicht für jeden Euro mehr in der Firmenkasse in Gold aufgewogen, wie eine Kienbaumstudie aus dem vergangenen Oktober zeigt. Gerade im Top-Management werden die Boni immer häufiger an langfristige Ziele geknüpft, heißt es dort. 22 Prozent der Geschäftsführer haben langfristige Vergütungsanreize in ihren Verträgen stehen.

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Trotzdem können Bonus-Zahlungen auch mehr Schaden als Nutzen anrichten, wie der Bericht "Preventive Healthcare: Impact on Corporate Sector" eines indischen Industrieverbandes zeigt. Befragt wurden 1250 Firmenangestellte von 150 Unternehmen aus verschiedenen Branchen, darunter Medien, Telekommunikation und Finanz- und IT-Dienstleister. Demnach setzen die in Aussicht gestellten Zahlungen die Mitarbeiter zusätzlich unter Druck. Allerdings liegt das nicht unbedingt am Boni selbst, sondern daran, dass Chefs vielmehr nur noch Ziele ausgeben, anstatt klare Weisungen auszugeben. Viele Angestellte versuchen laut der Studie mit allen Mitteln, die gesteckten Ziele zu erreichen. Mehr als ein Drittel der Befragten schieben Überstunden und schlafen weniger als sechs Stunden pro Nacht.

Auswertung

Da die Arbeitswelt in Indien natürlich nicht eins zu eins auf deutsche Betriebe übertragbar ist, sollte man die Erkenntnisse der Studie allerdings mit Vorsicht genießen. Doch auch in Deutschland gibt es Anreizmodelle für die Mitarbeiter, die Experten Bauchschmerzen bereiten. Wer seinen Mitarbeitern wie Daimler 300 Euro extra zahlt, wenn sie ein Jahr lang nicht krankheitsbedingt fehlen, macht die Mitarbeiter nicht gesünder. Es kommen höchstens mehr Menschen krank zur Arbeit.

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