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Büro der Zukunft Arbeiten aus der Hängematte

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Büros werden zu Treffpunkten

Microsoft in Issy-les-Moulineaux Quelle: Reuters

Auch bei Microsoft in Amsterdam gibt es weder feste Arbeitszeiten noch Arbeitsplätze. Im Gebäude nahe des Flughafens Shipol gibt es ein paar Kreativräume und einige Sitzungszimmer. Die Microsoftmitarbeiter arbeiten wann und wo es ihnen passt. Das spart auch dem Arbeitnehmer einiges: IBM beispielsweise berichtet, dass das Unternehmen dank flexibler Strukturen pro Jahr rund 100 Millionen Dollar an Bürokosten spart. Außerdem, so erzählt Maitland, hat eine Studie von IBM ergeben, dass Menschen, die von zuhause aus arbeiten, 19 Stunden pro Woche mehr arbeiten können, ohne das Gefühl zu haben, ihr Privatleben leide darunter.

So plant auch der Konsumgüterkonzern Unilever, bis zum Jahr 2015 30 Prozent der Jobs unabhängig von einer konkreten Umgebung zu machen. "Das ist sehr schnell. Aber andere Unternehmen werden das langfristig nachmachen", ist sich Maitland sicher. Dabei gehe es nicht darum, dass der Arbeitnehmer der Zukunft mit Smartphone und Laptop bewaffnet im stillen Kämmerlein sitzt und seine Kollegen nur aus den wöchentlichen Videokonferenzen kennt. Die Bedeutung von Büros werde sich verändern. Arbeitsplätze sollen zu Treffpunkten werden, wo sich Angestellte für Teambesprechungen treffen oder sich mit ihren Kunden beraten.

Daran werde sich nichts verändern. "Menschen brauchen diesen Kontakt, um nicht sozial isoliert zu sein", sagt Maitland. Physische Arbeitsplätze, wo Leute zusammen arbeiten oder sensible Gespräche führen, seien auch in Zukunft wichtig. Nur werde nicht mehr entscheidend sein, wie lange jemand an seinem Schreibtisch sitzt, sondern was er dort leistet. Und wenn er bessere Leistungen erbringt, wenn er im Park sitzt, dann soll er dort arbeiten dürfen.

Familiengründung und die Generation Y treiben die Entwicklung

Bei Google werden Ingenieure bereits nach Leistung beurteilt und können frei über ihre Arbeitszeit bestimmen. Die Voraussetzung: Sie müssen sich mit ihren Kollegen absprechen und die vereinbarte Leistung erbringen. Wer dennoch ins Unternehmen kommt, findet moderne Arbeitsoasen vor: Büros mit Hängematten anstatt Stühlen, Lounges, Gratissnacks und Getränke. Die Kinder können - wie auch bei der Deutschen Bank - in der unternehmenseigenen Kita betreut werden.

Kinder sind ein starker Motor dieser Veränderungen. Zu diesem Schluss kommen auch die Autoren des Buches. Wenn beide Eltern arbeiten gehen, sind starre Arbeitszeitmodelle einfach nicht möglich. Väter und Mütter brauchen Flexibilität - und wenn die Arbeitgeber nicht auf gute Leute verzichten wollen, müssen sie mehr bieten als den täglichen 9-Stunden-Job. Ein gutes Beispiel sei die britische Firma Metal Industries, sagt Maitland.

Der Hersteller von Automobilzubehör hat rund 100 Mitarbeiter und fast 50 verschiedene Arbeitsmodelle. Einem ihrer Ingenieure habe das Unternehmen von sich aus flexible Arbeitszeiten angeboten, als seine Frau das erste gemeinsame Kind erwartete. "Die Firma hat über seine Bedürfnisse nachgedacht und wie die sich durch die Vaterschaft ändern werden. Und der Grund, warum sie das machten, war, dass sie ihn nicht an eine andere Firma verlieren wollten, die ihm eher entgegen kommt", sagt Maitland.
Und natürlich spielen auch die 20- bis 30-jährigen, die derzeit auf den Arbeitsmarkt drängen, eine große Rolle. Diese sogenannte Generation Y sei es gewohnt, immer und überall an Informationen zu gelangen, einkaufen zu können, wann immer sie will - und dann soll arbeiten nur zu fixen Zeiten an einem speziellen Ort möglich sein?

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