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Büro-Organisation Was der Schreibtisch über Sie verrät

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"Schreibtische sind die Spiegel der Seele"


Der Schreibtisch im Wandel der Zeit
Die 70er-JahreAkten, Stempel, Telefon mit Wählscheibe: ein typischer Schreibtisch aus den 1970er Jahren. Rauchen am Arbeitsplatz war kein Problem, auch ein Gläschen Alkohol war nicht tabu.
Die 1980er-JahreTaschenrechner und Digitaluhren halten in den 1980er-Jahren Einzug ins Büro. Das Telefon bekommt Tasten - geschrieben wird aber noch weitgehend auf der Schreibmaschine.
Die 1990er-JahreIn den 1990er-Jahren löst der Computer die Schreibmaschine ab. Briefe werden am eigenen Arbeitsplatz ausgedruckt und per Fax verschickt, die Daten auf kleinen Disketten gespeichert.
Die 00er-JahreNotebooks lösen stationäre Computer ab. Das Faxgerät kann nun auch drucken, kopieren und scannen. Der Kaffee kommt nicht mehr aus der Büroküche, sondern vom Coffeeshop um die Ecke.
Die 10er-JahreDer eigene Schreibtisch wird zur Ausnahme, die Arbeitsfläche kleiner, gearbeitet wird auch mal im Stehen. Daten werden elektronisch archiviert, der Bildschirm wird größer, die Tastatur schrumpft.

„Schreibtische sind die Spiegel der eigenen Seele und der Gesellschaft, in der ich lebe“, sagen die Design-Professoren Brandes und Erlhoff. „Gerade in unserer schnelllebigen Arbeitswelt suchen wir die Möglichkeit, auch im Büro die eigene Individualität auszuleben und unser Territorium zu markieren.“

Kein Wunder – schließlich halten wir uns an keinem anderen Ort so lange auf wie an unserem Arbeitsplatz. Lediglich geschlafen wird mehr als gearbeitet – statistisch gesehen verbringen wir sieben Jahre unseres Lebens im Büro – und das meist am eigenen Schreibtisch.


Frauen sind Sammler
Dass der weit mehr ist als nur nüchterner Arbeitsplatz, belegt die Studie „My Desk is my Castle“ (Birkhäuser Verlag 31,99 Euro) – so der bezeichnende Titel der KISD-Untersuchung – mit eindrucksvollen Fotos. Die machen deutlich, wie unterschiedlich Schreibtische auf der ganzen Welt von ihren Benutzern vereinnahmt werden. Und zeigen, wie oft dieses Verhalten nationalen, berufsständischen oder geschlechtsspezifischen Klischees entspricht. Frei nach dem Motto: Zeig mir deinen Schreibtisch und ich sage dir, wer du bist.

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    Demnach neigen Frauen stärker zum Horten und Sammeln als ihre männlichen Kollegen, schaffen sich gern ein Arbeitsambiente in lieblichen Pastelltönen, vollgestopft mit Plüschtieren. Männer setzen eher auf dunkle Farben und markieren ihren Arbeitsplatz mit Sportfotos, Spielzeugautos und martialischen Männchen in Fantasieuniformen.

    Wesentlich stärker als ihre Kollegen in Europa oder den USA stellen Arbeitnehmer in Asien ihren Schreibtisch mit Plastik-Nippes voll. In Taiwan fanden die Forscher im Schnitt 20 solcher Objekte auf der Arbeitsfläche, in Hongkong knapp 40. Die Erklärung für die Sammelwut: „Asiaten leben oft auf viel engerem Raum zusammen als Europäer oder Amerikaner“, sagen Brandes und Erlhoff. „Dadurch haben sie ein ganz anderes Verständnis von Fülle und Leere.“
    Selbst die Schreibtische von Designern und Callcenter-Mitarbeitern zeigen: Je länger Mitarbeiter die Möglichkeit haben, an den gleichen Schreibtisch zurückzukehren, desto stärker versuchen sie, diesem ihren persönlichen Stempel aufzudrücken – und sei es mit einer Sammlung von Bierdeckeln, die sich etwa ein Telefonist aus Köln an die halbhohe Trennwand hinter seinem Bildschirm geheftet hat.
    „Unternehmen sollten die Gestaltungswünsche ihrer Mitarbeiter ernst nehmen“, sagen Brandes und Erlhoff. Als Freibrief für die Vermüllung des Arbeitsplatzes sei das allerdings nicht zu verstehen. „Wir müssen Individualität zulassen, ohne dass es aussieht wie bei Hempels unterm Sofa.“

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