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Burn-uut Wie Firmen angeschlagene Mitarbeiter ins Arbeitsleben zurückholen

Worauf die Unternehmen achten müssen, wenn sie ihre seelisch angeschlagenen Mitarbeiter ins Arbeitsleben zurückholen.

Burn-out Quelle: dpa

Wer nach einer psychisch bedingten Pause wieder an seinen Arbeitsplatz zurückkehren will, hat das Arbeitsrecht auf seiner Seite: Das Betriebliche Eingliederungsmanagement schreibt Arbeitgebern vor, Mitarbeitern nach mehr als sechswöchiger Krankheit – ob am Stück oder über ein Jahr verteilt – einen Re-Integrationsprozess anzubieten.

Das Bundesarbeitsgericht bekräftigte im Jahr 2009, dass vor einer Kündigung zumindest der Versuch einer Wiedereingliederung erfolgen müsse. Diese Re-Integration läuft über ein bundesweit standardisiertes Verfahren, das Hamburger Modell: Gemeinsam mit dem Arzt erarbeitet der betroffene Mitarbeiter einen stufenweisen Eingliederungsplan, dem Arbeitgeber und Krankenkasse zustimmen müssen.

In welchen Firmen Burnout oft auftritt
K+S Quelle: dpa
K+S Quelle: dpa
Daimler & BMW Quelle: dapd
Bayer, RWE und SAPSehr nah beieinander liegen auch die Zahlen von Bayer, RWE und SAP. Beim Pharmakonzern aus Leverkusen erkranken bis zu 2000 Mitarbeiter pro Jahr, das sind 5,6 Prozent der 35.800 Beschäftigten. Beim Energielieferanten RWE sind pro Jahr bis zu 2400 der 41.632 Mitarbeiter betroffen. Das sind knapp 5,8 Prozent, also fast jeder 17. Im Hause SAP fallen zwischen 700 und 1000 Angestellte dem Stress zum Opfer. Das entspricht im schlimmsten Falle jedem 16. der 16 011 Angestellten. Quelle: dpa
Commerzbank, Metro, Deutsche Telekom und InfineonErhöhte Belastung in Sachen Stress auch bei der Commerzbank. Jedes Jahr erkranken hier zwischen 2300 und 3200 Mitarbeiter von 44.474 Mitarbeitern, etwa 7,2 Prozent der Belegschaft. Fast das gleiche Risiko gilt auch für Mitarbeiter bei Metro. Das Handelsunternehmen vermeldet bis zu 6 600 Burnout-Fälle bei 91.189. Auch hier erkrankt annähernd jeder 14. Bei der Telekom sind es zwischen 3800 und 8 900 Erkrankungen im Jahr. Bei einer Belegschaft von 121 564 Arbeitnehmern entspricht das gut 7,3 Prozent. Beim Chiphersteller Infineon ergab die Schätzung, dass höchstens 600 der 7.926 jährlich unter einem Burnout leiden. Quelle: dpa
Deutsche BankDer Finanzsektor scheint nicht so oft betroffen, wie man zunächst denkt. Für die Deutsche Bank ermittelten die Experten, dass im Jahr bei etwa 1900 von insgesamt 24.801 Mitarbeitern (ohne Postbank und Sal. Oppenheim) ein Burnout diagnostiziert wurde. Es erkrankt demnach jeder 13. Angestellte. Quelle: dapd
Siemens Quelle: dapd

Langsame Wiedereingliederung

Anfangs arbeitet der Mitarbeiter in der Regel nur wenige Stunden täglich, in den darauffolgenden Wochen bis hin zu sechs Monaten wird das Pensum bis zur vollen Arbeitszeit gesteigert. Während dieser Zeit gilt der Mitarbeiter weiter als „arbeitsunfähig erkrankt“ und erhält deshalb Krankengeld von der Krankenkasse oder Übergangsgeld von der Rentenversicherung. In vielen Unternehmen begleiten neben dem Vorgesetzten auch Betriebsrat, Mitarbeiter der Personalabteilung, Fachmediziner und Sozialarbeiter die Wiedereingliederung.

In Arbeit
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Beim Konsumgüterhersteller Unilever etwa hält der Vorgesetzte in einem „positiven Leistungsprofil“ die Fähigkeiten des Mitarbeiters fest, auf dessen Basis auch Schulungen vereinbart werden können – oder der Wechsel in eine andere Abteilung. Nimmt der Mitarbeiter an sieben Tagen nicht an der Maßnahme teil, gilt sie als gescheitert und kann von Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Arzt, Krankenkasse abgebrochen werden.

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