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Causa Reichelt Missbrauch, nur anders

Julian Reichelt ist seinen Chefredakteursposten seit Montagabend los. Quelle: imago images

Der Fall Reichelt zeigt: Mit ihrer finanziellen Macht setzen globale Konzerne selbst definierte Moralstandards über deutsches Recht. Ein Kommentar.

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Menschlich ist die Beurteilung des Falls Julian Reichelt einfach. Sollten die Vorwürfe gegen den abgesetzten Chefredakteur der „Bild“-Zeitung zutreffen, hat er seine Macht ausgenutzt, um Frauen von sich abhängig zu machen. Bloß: Rechtswidrig war das nach jetzigem Kenntnisstand nicht. Wie private Beziehungen gestaltet werden, ist als Teil der freien Persönlichkeitsentfaltung vom Grundgesetz geschützt. Solange kein Interessenskonflikt entsteht, geht es den Arbeitgeber nichts an. Dennoch versuchen Konzerne immer weitergehende moralische Standards zu etablieren. Mal schreiben sie die in – rechtlich unwirksamen – Klauseln fest. Mal wird, wie bei Reichelt, ein öffentliches Scherbengericht abgehalten.

Doch was betriebswirtschaftlich logisch sein mag, ist als moralischer Maßstab haltlos. Deutsche Konzerne sollten entweder zu den Prinzipien des Grundgesetzes stehen und sie auch als Compliance-Maßstab vertreten. Oder sie drängen auf eine gesetzliche Veränderung, um Regeln nach US-Vorbild einführen zu können. Diese aber mittels ihrer finanziellen Potenz über den Umweg diskreter Abfindungsverhandlungen einfach durchzusetzen, lässt sich in einem Wort beschreiben, das auch in der Affäre Reichelt oft verwendet wird: Machtmissbrauch.

Mehr zum Thema: Im Frühjahr hielt sich „Bild“-Chef Julian Reichelt knapp im Amt, jetzt ist er weg. Doch der Rauswurf an der Spitze des Boulevardblattes beschädigt auch den mächtigsten Mann bei Axel Springer.

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