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Dammanns Jobtalk

Die Stunde der Personaler

Angelika Dammann Strategische Beraterin, Coach

Deutsche Unternehmen sind weltweit Spitze, in der Produktion und Innovation und deshalb zu Recht Marktführer in vielen Bereichen. Bei der Personalarbeit aber sieht das bislang nicht so gut aus. In vielen deutschen Konzernen herrscht dringender Handlungsbedarf.

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Viele Unternehmen verschließen die Augen vor der drohenden Demografiefalle. Quelle: dapd

Als wirtschaftsstarke Nation sind wir entscheidend von unserem Innovationspotential und damit von unseren Mitarbeitern abhängig.

Der demografische Wandel, der Kampf um die besten Talente und die fortschreitende Globalisierung zwingen die Unternehmen zu einer fundamentalen Neuausrichtung ihrer Personalarbeit. Angesichts dieser Herausforderungen müssen die Personalabteilungen endlich aus ihrem Schattendasein heraustreten und zum Mitgestalter des Unternehmenserfolgs werden.

Bislang wappnen sich beispielsweise noch viel zu wenig Unternehmen für die drohende Demografiefalle.

Ein positives Beispiel ist der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport. Das Unternehmen sucht seit kurzem ein Seniorenheim als Kooperationspartner, um seinen Mitarbeitern den Spagat zwischen Job und der Pflege ihrer Angehörigen zu erleichtern. Der Schwarzwälder Brandschutzhersteller Hekatron veranstaltet Orientierungsseminare für „Herauswachsende“, um ältere Mitarbeiter bei der Lebens- und Berufsplanung in den letzten Jahren im Betrieb zu unterstützen. Und Großkonzerne wie der Stahlproduzent Salzgitter oder der Chemiehersteller Lanxess analysieren ihre Belegschaften systematisch nach Alterskohorten und Jobfamilien, um Personalengpässe frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern – durch Weiterbildung, Neueinstellungen und Maßnahmen für eine gesündere Arbeitswelt.

Beim Personalmanagement nicht wettbewerbsfähig

Damit über Deutschland die Demografiefalle nicht zuschnappt, brauchen wir jede Menge derartiger Leuchtturmprojekte. Wir brauchen mehr Konzernlenker, die ihre Mitarbeiter in den Mittelpunkt des Handelns stellen, weil sie wissen, dass nur so zukünftiger Erfolg möglich ist. Dazu gehört auch die konsequente Umsetzung von mehr Vielfalt, so dass alle Mitarbeiter ihren Talenten entsprechend eingesetzt und gefördert werden. Denn: Vielfalt generiert Innovationen und Innovationen generieren Erfolg.

Selbstverständlich schließt das auch die Bereitschaft ein, den Fokus auf Frauen, Ausländer und ältere Mitarbeiter grundlegend zu ändern. Um dies zu erreichen, bedarf es einer strategischen Neuausrichtung der Personalarbeit: International operierend und basierend auf der jeweiligen Unternehmensstrategie müssen die entscheidenden Weichen dafür gestellt werden, dass die Strategie erfolgreich umgesetzt werden kann – mit den richtigen Mitarbeitern, am rechten Ort, zur rechten Zeit.

Armes Deutschland: Bis zum Jahr 2025 geht das Potential der Arbeitskräfte hierzulande um 3,6 Millionen auf 41 Millionen zurück. Bereits 2015 werden der deutschen Wirtschaft etwa drei Millionen Arbeitskräfte fehlen – darunter Handwerker, Facharbeiter, Ingenieure, Naturwissenschaftler, IT-Spezialisten genauso wie Mediziner oder Lehrer. Zudem wird der Anteil der Beschäftigten über 50 in zehn Jahren auf 40 Prozent gestiegen sein. Wie soll angesichts dieser Zahlen auch künftig das notwendige Wachstum generiert werden?

Ein Schatz sind Frauen, Ausländer, ältere Mitarbeiter

Die problematische Vereinbarkeit von Familie und Beruf raubt Deutschland bis zu 2,4 Millionen Frauen, die zusätzlich für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stünden. Quelle: gms

Dabei ist Deutschland gar nicht so arm: Es gibt genügend Zahlen, die zeigen, dass unser Land nach wie vor reich an Wissen und Know-how, Ideen und Innovationskraft ist: Bis zu 2,4 Millionen Frauen stünden zusätzlich für den Arbeitsmarkt zur Verfügung, wenn es nur leichter wäre, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren.

Jeder fünfte Einwohner hierzulande stammt aus einer Familie, die andere nationale Wurzeln hat als deutsche. Und die Einsatzbereitschaft der Generation 50+ ist ungebrochen. Ein Schatz an Vielfalt, unterschiedlichstem kulturellen Background und Wissen, der noch nicht gehoben ist.

Jeder Mitarbeiter braucht das Gefühl, dass er willkommen und wertgeschätzt ist – in seiner Individualität und für seinen Beitrag zum Unternehmenserfolg. Nur so ist Motivation möglich.

Wer von Mitarbeitern Ideen, Innovationsgeist und Tatendrang erwartet, muss ihnen auch das Gefühl geben, dass sie so willkommen sind, wie sie nun mal eben sind. Wenn Ältere, Jüngere, Frauen und Männer aus unterschiedlichsten Kulturkreisen, Querdenker und Angepasste lokal und international erfolgreich zusammenarbeiten sollen, erfordert das ein Klima des gegenseitigen Respekts und Führungskräfte, die ihre Mitarbeiter sinnstiftend einsetzen, so dass dem Unternehmensinteresse wie auch den individuellen Bedürfnissen Rechnung getragen wird.

Rüstzeug für Führungskräfte

Mit dem Demographiewandel und einer stärkeren Globalisierung schlägt die Stunde der Personaler. Sie müssen im Einklang mit den Sozialpartnern den Regelungs- und Prozessfokus mutig auf ein Minimum reduzieren und stattdessen entscheidend dazu beitragen, zukünftigen Anforderungen gerecht zu werden.

Dazu gehört, den Führungskräften, die heute selbstverständlich global agieren, das notwendige Rüstzeug an die Hand zu geben. Dazu gehört weiterhin, Unternehmenskulturen offener und flexibler zu gestalten. So sollten individuell unterschiedliche Arbeits- und Lebensphasenmodelle nicht als non-konform abgelehnt, sondern als Basis für Mitarbeiterzufriedenheit und Teil einer erfolgreichen Bindungsstrategie begriffen werden.

Vielfalt in jeder Beziehung ist ein Schatz, aber natürlich wird Andersartigkeit auch Ablehnung und Unsicherheit hervorrufen. Diese müssen durch gute Personaler fachkundig begleitet und aufgelöst werden. Mit diesen Änderungen eher als Chance denn als Bedrohung umzugehen, können wir lernen und müssen dies auch, wollen wir im 21. Jahrhundert weiterhin so erfolgreich sein wie bisher.

Mehr Beschäftigung von Frauen und Älteren, mehr gemischte Teams auch international und eine größere gegenseitige Wertschätzung macht uns alle stark: Unternehmen wie Volkswirtschaften und selbstverständlich jeden Einzelnen. Bleibt nur die Frage, warum wir nicht eigentlich schon viel weiter in der Umsetzung sind?

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