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Dauerhafte Erreichbarkeit Jeder Zweite liest abends Dienstmails

Von rund einem Viertel der Berufstätigen wird erwartet, dass sie auch außerhalb ihrer eigentlichen Arbeitszeiten erreichbar sind. Was die Deutschen davon halten und wie sich das auf die Leistungsfähigkeit auswirkt.

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Fast jeder zweite deutsche Angestellte arbeitet im Urlaub und nach Feierabend. Quelle: obs

9-to-5-Jobs waren gestern: Fast jeder Deutsche liest auch nach Feierabend seine dienstlichen E-Mails. In einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov für die Nachrichtenagentur dpa gaben insgesamt 45 Prozent an, in der Regel mindestens einmal oder öfter nach Dienstschluss in ihr geschäftliches Mailpostfach zu gucken. Etwa 20 Prozent der Befragten werden außerdem mindestens einmal pro Woche nach Feierabend angerufen. Und gut jeder Dritte hat in seinem letzten Urlaub mindestens einmal in seine E-Mails geschaut.

Laut einem Report der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) ist das nicht immer freiwillig: Von rund einem Viertel der Berufstätigen werde erwartet, dass sie auch außerhalb ihrer eigentlichen Arbeitszeiten erreichbar sind.

Die iga, eine Kooperation von gesetzlichen Kranken- und Unfallversicherungen, warnt in dem Zusammenhang vor gesundheitlichen Schäden. "Diese erweiterte Erreichbarkeit kann sich negativ auf die Leistungsfähigkeit und auf die Gesundheit auswirken – selbst wenn sie von den Beschäftigten freiwillig gewählt ist, positiv empfunden oder als notwendig angesehen wird", heißt es in dem Report.

Dass die Deutschen ihren Dauerbereitschaftsdienst als besonders positiv bewerten, kann man jedoch nicht sagen: Laut der YouGov-Umfrage empfindet gut jeder Dritte die ständige Erreichbarkeit inzwischen als "eher" oder "sehr belastend".

Etwa ein Fünftel der Befragten in der Studie gab an, in ihren Schlaf- und Erholungszeiten beeinträchtigt zu sein. Etwa ein Drittel fühlt sich im Familienleben und bei Freizeitaktivitäten während der Woche und am Wochenende gestört. Der Anteil der Beschäftigten, die wegen der permanenten Erreichbarkeit nicht zur Ruhe kommen, sich schlecht erholen oder gedanklich von der Arbeit lösen können, sei außerdem signifikant höher als bei Berufstätigen mit klar abgegrenzter Freizeit, heißt es in der Studie.

Wie Sie die Zahl der E-Mails reduzieren können

Auch Partner leiden

Kein Wunder: Schließlich werden die Erholungsphasen durch Phasen der Arbeit unterbrochen oder verkürzt. Zudem fällt es den Betroffenen schwerer, sich in der Freizeit ausreichend von ihrem Job zu distanzieren und abzuschalten.

Das sagt das Arbeitsrecht zum Thema Urlaubsanspruch

Die Vermischung von Arbeit und Privatleben belastet auch die Partnerinnen und Partner: 68 Prozent gaben an, durch die Erreichbarkeit ihres Lebensgefährten beeinträchtigt zu sein. Betroffen davon sind unter anderem familiäre Verpflichtungen, die gemeinsame Urlaubsgestaltung, aber auch Schlaf- und Erholungszeiten. Rund 40 Prozent aller Deutschen stört es, wenn ihre Begleitung im Urlaub berufliche E-Mails liest.

Was die Trennung von Arbeit und Freizeit betrifft, äußerten viele Befragte das Bedürfnis nach klaren Grenzen: Ein Großteil der ständig Erreichbaren (60 Prozent) wünscht sich gesetzliche oder betriebliche Regelungen. Bei ihren Partnern liegt die Quote bei 83 Prozent. Fast 70 Prozent der Lebensgefährten gaben an, die ständige Erreichbarkeit nach der Arbeit sollte komplett entfallen.

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