Despoten im Job "Machiavellisten sind auf Dauer zu teuer für Unternehmen"

Machthungrig, knallhart, mitunter skrupellos: Der Machiavellist ist in deutschen Chefetagen keine Seltenheit. Psychologe Christian Montag erklärt, wann dieser Führungstyp zur Belastung wird - und was man von ihm lernen kann.

So klappt der Umgang mit schwierigen Chefs
Einem Manager kommt Rauch aus den Ohren Quelle: Fotolia
Ein Mann und eine Frau sitzen sihc im Büro gegenüber Quelle: Fotolia
Zwei Männer stützen ihre Arme auf Tischplatten Quelle: Fotolia
Zwei Frauensitzen sich in einem Büro gegenüber Quelle: Fotolia
Mann reicht einer Frau einen Kugelschreiber Quelle: Fotolia
Zwei Männer geben sich die Hände Quelle: Fotolia
Zwei Männer besprechen eine Akte Quelle: Fotolia
Ein Mann schaut durch ein Fernglas Quelle: Fotolia
Ein Mann steht im Dunkeln auf einer Wiese Quelle: dpa Picture-Alliance
Ein Mann hockt im Anzug in Sprinterhaltung auf einer Straße Quelle: Fotolia

WirtschaftsWoche: Der Machiavellist gilt als durchsetzungsstark und machtbewusst. Um seine Ziele zu erreichen, verstößt er auch gegen Recht und Moral. Im Berufsleben bringt das doch bestimmt viele Vorteile?

Christian Montag: Dieser Frage ist man schon in zahlreichen Studien nachgegangen, allerdings ohne empirisch eindeutigen Befund. Ob ein Machiavellist berufliche Vorteile hat oder nicht, ist beispielsweise stark von der Branche und dem Job abhängig. So konnte Studien nachweisen, dass Verkäufer mit machiavellistischen Zügen mehr Grundstücke oder Beispiel mehr Autos verkaufen. Aber grundsätzlich fallen Machiavellisten auch häufig auf die Nase, gerade wenn sie Führungsverantwortung haben. Beispielsweise werden sie dann – wenig verwunderlich – schlecht mit Hinblick auf ihre Managementfähigkeiten bewertet.

Zur Person

Weil die Mitarbeiter unter ihnen leiden?

Nicht nur die Mitarbeiter, auch das Unternehmen. Zum einen ist es teuer, die richtigen Kandidaten für einen solchen Führungs-Posten zu gewinnen. Wenn sich der Wunschkandidat dann als Machiavellist entpuppt und durch sein rein eigennütziges Verhalten vielleicht auch noch andere Mitarbeiter vergrault, ist das richtig ärgerlich für das Unternehmen. Aber andererseits gibt es sicherlich auch Zeiten, in denen eher Machiavellisten gefragt sind, zum Beispiel wenn ein knallharter Sanierer gebraucht wird.

Also schlägt in Krisenzeiten die Stunde des Machiavellisten?

Ein Machiavellist kann eine solche Umstrukturierung möglicherweise nüchterner und vielleicht auch konsequenter vorantreiben als jemand, der sehr empathisch ist. Grundsätzlich unterliegt der Führungsstil, der gerade en vogue ist auch immer dem Zeitgeist. Vor der Finanzkrise war häufiger der machtbewusste Alleinentscheider gefragt, der schalten und walten konnte, wie er wollte. Nun gibt es für Führungskräfte zum Glück auch mehr (ethische) Regularien. Zusätzlich müssen die Unternehmen in Zeiten des Fachkräftemangels ihren potenziellen Mitarbeitern das Rundum-Wohlfühl-Paket liefern. Ein Machiavellist als Chef passt da nicht so richtig rein.

Christian Montag, Heisenberg-Professor für Molekulare Psychologie an der Universität Ulm. (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: Presse

Also haben wir gerade keine gute Zeit für Machiavellisten?

Und in Zeiten, in denen ethische Führungsrichtlinien immer bedeutsamer werden, wird es vermutlich noch schwerer. Momentan sind ja erst einige wenige Branchen vom Fachkräftemangel betroffen. Schwer hat es der Machtbewusste auch in Unternehmen mit flachen Hierarchien – und auch das wird sich in den nächsten Jahren eher noch verbreiten.

"Kaum eine Chance auf Besserung"

Gibt es ein prominentes Beispiel für einen Machiavellist?

Steve Jobs zeigte sicherlich Tendenzen auf. Er galt als Choleriker, hat das Unternehmen mit harter Hand geführt und keine Meinung außer seinen eigenen gelten lassen. Er hatte ganz genau vor Augen, wie seine und zwar nur seine Vision umgesetzt wird.

Warum Narzissten schneller Karriere machen
Narzissten sind selbstbewusstSelbstbewusstsein und die dazugehörige Portion Rücksichtslosigkeit macht Narzissten so erfolgreich - und Unternehmen häufig erst innovativ. Eine Studie deutsch-amerikanischer Forscher um Wolf Christian Gerstner und Andreas König von der Universität Erlangen-Nürnberg zeigt: Unternehmen investieren umso häufiger in neue Technologien, je narzisstischer der jeweilige CEO ist. Dennoch ist Vorsicht angebracht: Zu viel Risikobereitschaft kann dem Unternehmen auch schaden. Quelle: AP
Narzissten sind ideale ChefsNarzissmus ja, aber bitte nicht zu viel. So lautet die Beschreibung für den idealen Chef. Wissenschaftler um Emily Grijalva von der Universität von Illinois fanden heraus, dass der Zusammenhang zwischen Narzissmus und dem Erfolg als Führungskraft die Form eines umgekehrten U annimmt. Soll heißen: Extremer Narzissmus hilft ebenso wenig weiter wie überhaupt kein Narzissmus. „Der ideale Chef ist in Maßen narzisstisch“, sagt Grijalva. Quelle: Fotolia
Narzissten sind ehrgeizigVor allem in Chefetagen sind Narzissten keine Seltenheit. Kein Zufall: Zum einen sind Narzissten ehrgeizig, motiviert und machtgierig. Zum anderen verfügen sie über die nötige soziale Intelligenz, um ihre Untergebenen und Kollegen zu umschmeicheln. Das beweist auch eine Studie von der Ohio State Universität aus dem Jahr 2008. Die ergab: Narzisstische Studenten sind nicht nur besonders dominant bei Diskussionen, sondern wurden auch häufig in den Vorsitz von Studentenvereinigungen gewählt. Quelle: dpa
Narzissten machen steiler KarriereEgo hin oder her: Dass Narzissten schneller die Karriereleiter erklimmen, ist bekannt. Rücksichtslos und konsequent egoistisch lassen sie alle Hindernisse links liegen und ziehen durch, bis sie in der Chefetage angekommen sind. Dieses Charisma kann manchmal sogar ansteckend wirken - und Mitarbeiter dazu verleiten, selbst ein bisschen mehr Ehrgeiz an den Tag zu legen. Quelle: dpa
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Narzissten sind sympathischZumindest auf den ersten Blick. Das zeigt eine Studie der Universität Münster. Befragte Kommilitonen gaben bei Narzissten oft an: „Finde ich sympathisch, würde ich gern besser kennenlernen.“ Langfristig machen sich Narzissten dagegen keine Freunde – wer länger mit ihnen zu tun hat, dem werden Narzissten auf Dauer unsympathischer.   Quelle: Fotolia
Narzissten sind extrovertiertVor allem mit ihrer Extrovertiertheit können Narzissten oft punkten. Die kann schon beim Bewerbungsgespräch zum entscheidenden Vorteil werden - wenn der Narzisst es schafft, bereits bei diesem ersten Treffen zu glänzen. Quelle: Fotolia
Narzissten sind beharrlichNarzissten sind von sich und ihren Ideen überzeugt - und wirken dementsprechend selbstbewusst. Ihre Ziele halten sie für die einzig waren – und verfolgen sie daher konsequent, wenn andere bereits aufgeben. Auch das ist ein Charakterzug, der im Berufsleben von Vorteil ist. Zumindest in Maßen. Quelle: AP
Was als direkter Angriff begann, kann durch gezieltes Nutzen von Schwächen verstärkt werden Quelle: Werner Heiber/Fotolia

Aber er galt auch als genial. Kann man auch etwas vom Machiavellisten lernen?

Es ist sicherlich nicht verkehrt, auch an sich selbst zu denken. Sich nicht von anderen unterbuttern lassen und für seine Interessen und die eigenen Ideen zu kämpfen. Aber: Viele Wege führen nach Rom. Man muss seine Ziele nicht auf Kosten anderer durchboxen – so wie es der Machiavellist in jedem Fall tun würde. Besser ist es nach Lösungen zu suchen, in denen beide Parteien am Ende besser dastehen also vorher. Um einen Machiavellisten akzeptieren zu können, bedarf es schon einem großen Genie, dem man diese unsozialen Tendenzen durchgehen lässt. Ähnlich könnte es wohl bei Steve Jobs gewesen sein.

Wie muss ich mich verhalten wenn ich einen Machiavellisten als Chef habe? 

Wenn der Chef ohne Grund ausrastet oder sich im Ton vergreift, sollte der Mitarbeiter vor allem eines: immer freundlich bleiben. Oft nimmt das solchen Typen schon den Wind aus den Segeln. Es ist emotional extrem anstrengend gegenüber einem freundlichen Gegenüber weiterhin mit Ärger oder gar Aggression zu reagieren. Ist die Persönlichkeitsausprägung allerdings sehr extrem, hilft das vermutlich alleine nicht weiter. Ein 100-Prozentiger Machiavellist reagiert eher wenig empathisch und lässt nicht viele Nähe zu.

Was bleibt dann für eine Möglichkeit?

Entweder man kündigt oder wartet ab. Studien geben Hinweise darauf, dass Machiavellisten nicht lange bei einem Arbeitgeber bleiben. Sobald er als solcher enttarnt wurde, bleibt auch für ihn nur der Wechsel übrig.

In Arbeit
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Keine andere Chance auf Besserung?

Das ist schwierig. Wir sprechen schließlich über eine Persönlichkeitseigenschaft und die ändert sich wenn überhaupt nur langsam und dann graduell. Bis zum 30. Lebensjahr steht die Persönlichkeit eines Menschen mehr oder weniger fest. Ein sehr machtbewusster Mensch wird nicht auf einmal zum lammfrommen Kuschelchef.

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