Deutscher Arbeitsalltag 43 Prozent klagen über Stress im Job

Hektik, Stress und Arbeitsbelastung nehmen eher zu als ab. Das empfindet gut die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer. Immerhin: Die Zusammenarbeit mit den Kollegen klappt bei 80 Prozent.

Was bei der Arbeit stresst
Zu viel Verantwortung oder ständiges an die-Arbeit-denken, auch in der Freizeit gaben 18 Prozent der Befragten als Grund für Stress bei der Arbeit an. Nur in Tschechien können die Beschäftigten außerhalb des Arbeitsplatzes schwerer abschalten - dort gaben 28 Prozent an, dauernd an die Arbeit denken zu müssen. Auf der anderen Seite der Skala ist Luxemburg: nur fünf Prozent haben dort dieses Problem. Quelle: Fotolia
Keinen Stress haben dagegen nur sieben Prozent der deutschen Befragten. Genauso niedrig ist der Anteil derer, die ihren aktuellen Job nicht mögen. Quelle: Fotolia
Unangemessener Druck vom Chef nannten 27 Prozent der Befragten hierzulande als Stressgrund. In Brasilien sind es dagegen 44 Prozent. Quelle: dapd
Wenn der Chef sich eher um sein Handicap kümmert, statt ordentlich zu führen: 28 Prozent der Befragten sind mit der Managementfähigkeit des Chefs unglücklich. Das Unvermögen des führenden Managers, das zu Stress führt, scheint in Luxemburg relativ unbekannt zu sein - nur 11 Prozent der Befragten sind dort mit den Befragten unglücklich, in Dubai sind es gar neun Prozent. Quelle: dapd
Dass unangenehme Kollegen oder fieser Büroklatsch zu Stress führen kann, ist allgemein bekannt. Dementsprechend führen auch 31 Prozent der Befragten das als Stressgrund an - der Anteil derer, die das ähnlich sehen, liegen in allen anderen Ländern fast gleich hoch - außer in Brasilien: 60 Prozent der Befragten geben unangenehme Kollegen und fiesen Büroklatsch als Stressgrund an. Quelle: Fotolia
Ein weitere Stressgrund: personelle Unterbesetzung. 41 Prozent der Befragten sehen das als wichtigen Grund für Stress bei der Arbeit an - ein Wert, der fast in allen Ländern ähnlich ist. Quelle: Fotolia
Doch am problematischsten, laut der Studie: die hohe Arbeitsbelastung. 51 Prozent der Befragten gaben dies als Stressgrund an. Deutschland liegt damit im Schnitt, auch in den anderen elf Ländern ist ein ähnlich hoher Anteil der gleichen Meinung. Quelle: Fotolia

43 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland sind überzeugt, dass ihr Arbeitsstress in den vergangenen zwei Jahren zugenommen hat. Das zeigt der „Stressreport Deutschland 2012“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, für den bundesweit mehr als 17.000 Arbeitnehmer unter anderem zu psychischen Anforderungen, Belastungen und Stressfolgen ihres Arbeitsalltags befragt wurden.

Demnach arbeitet jeder zweite Befragte (52 Prozent) unter starkem Termin- und Leistungsdruck. Knapp 60 Prozent der Befragten gaben an, verschiedene Aufgaben gleichzeitig betreuen zu müssen. Fast jeder Zweite (44 Prozent) wird bei der Arbeit etwa durch Telefonate und E-Mails unterbrochen. Weil für 47 Prozent der Beschäftigten Ruhepausen nicht in den Arbeitsablauf passen oder sie nach eigenem Bekunden zu viel Arbeit haben (38 Prozent), lässt jeder Vierte (26 Prozent) die Pause ausfallen. Insgesamt 64 Prozent arbeiten auch samstags, 38 Prozent an Sonn- und Feiertagen.

Dem Stress den Kampf ansagen

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) nahm den Report zum Anlass, um in der Bild-Zeitung "dem chronischen Stress den Kampf" anzusagen. Sie erwarte, "dass die Betriebe mitziehen." Stress bei der Arbeit könne vorkommen, aber nicht dauerhaft. "Und er darf auch nicht krank machen."

Tipps für mehr Gelassenheit im Beruf
Eine Feder eines Füllfederhalters Quelle: Fotolia
Mann am Schreibtisch Quelle: dpa-tmn
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Die Stressbelastung ist zwischen Wirtschaftszweigen und Berufen sehr unterschiedlich. Vergleichsweise selten überdurchschnittliche Belastungen scheint es zum Beispiel bei Verwaltungs- und Büroberufen zu geben. Sehr hoch sind die psychischen Anforderungen bei Ingenieuren, Chemikern, Physikern und Mathematikern, also den sogenannten MINT-Berufen. Allerdings sind die "negativen Beanspruchungsfolgen" (zum Beispiel "Burnout") bei diesen nicht überdurchschnittlich. Die Studienautoren vermuten, dass das damit zu tun hat, dass diese Berufstätigen gleichzeitig auch hohen Handlungsspielraum und "Soziale Unterstützung" genießen, die die Beanspruchungen ausgleichen.

Die Studie förderte aber auch positive Aspekte zutage: So können sich über 80 Prozent der Mitarbeiter in Deutschland auf gute Zusammenarbeit mit Kollegen verlassen und helfen sich gegenseitig im Job. Die überwiegende Mehrheit (96 Prozent) sieht keine Bedrohung durch eine Entlassung. Drei Viertel fühlen sich fachlich und mengenmäßig den Anforderungen ihres Jobs gewachsen. "Arbeit hat grundsätzlich für die meisten von uns eine positive und psychisch stabilisierende Wirkung", schreibt die Autorin der Studie, Andrea Lohmann-Haislah.

In Arbeit
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