DGB-Befragung Das sind die fünf größten Stressfaktoren im Job

Die Gewerkschaften warnen vor den dunklen Seiten des deutschen Arbeitsmarktwunders: Noch nie waren so viele Menschen von ihrem Job gestresst.

Symbolbild Stress Quelle: dpa

Am Dienstag war die Welt noch in Ordnung. Da veröffentlichte die Bundesagentur für Arbeit die aktuellen Zahlen zum deutschen Arbeitsmarkt – und die waren rosig: Nur noch 2,6 Millionen Menschen waren im November arbeitslos, die Arbeitslosenquote liegt gegenwärtig bei 6,0 Prozent und die Zahl der offenen Stellen – mehr als 600.000 – bewegt sich auf konstant hohem Niveau. „Nie seit der Wiedervereinigung war die Zahl der Arbeitslosen in einem November so niedrig“, freute sich auch Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). Historisch gute Zeiten also, könnte man meinen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zeichnet hingegen ein anderes, ein deutliche dunkleres Bild des deutschen Arbeitsmarkts. Glaubt man der Gewerkschaft und dem jüngsten DGB-Index „Gute Arbeit“, einer regelmäßigen Befragung von fast 5000 Arbeitnehmern, dann ist dieser Boom offenbar teuer erkauft: mit immer weiter steigendem Druck, mehr Belastung und Hetze.

Zehn Mittel gegen Stress
Plane den TagDer beste Weg Stress zu bekämpfen ist zu vermeiden, dass er überhaupt entsteht. Das funktioniert durch Planung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des US-Psychologen und Selbsthilfe-Autors Robert Epstein unter 3000 Teilnehmern in 30 Ländern. Die meisten der Befragten nannten eine gute Planung als wirksamstes Mittel gegen Stress. Quelle: dpa
Schau dir süße Tiere anDas Internet quillt über von süßen Tierfotos und -videos. In seinem Buch „59 Seconds: Change Your Life in Under a Minute“ berichtet Autor Richard Wiseman von einer Studie, in der sich die Probanden Tierfilme angeschaut haben. Ihre Herzfrequenz und ihr Blutdruck sanken in weniger als einer Minute. Quelle: dpa
Geh in die NaturDie Nähe zur Natur hilft, Stress zu vergessen. Eine Umfrage unter mehr als 4500 Niederländern zeigt, dass Menschen, die in einer Gegend mit viel Grün innerhalb eines Umkreises von drei Kilometern leben, weniger von stressigen Lebenssituationen beeinflusst werden und eine höhere mentale Gesundheit aufweisen. Quelle: dpa
Umgebe Dich mit KunstKunst senkt Stress. In einem Experiment mussten 210 US-Studenten Aufgaben an einem Computer lösen – manche davon in einem Raum mit Naturgemälden und abstrakter Malerei. Jene Teilnehmer, die von Kunst umgeben waren, fühlten weniger Wut und Stress. Quelle: dpa
Definiere deine AufgabenMehr Anforderungen, mehr Druck? Im Gegenteil, fand eine US-Studie unter knapp 1500 Armeekadetten heraus, die an einem 35-tägigen Assessment-Center teilgenommen haben. Je mehr Anforderungen, an die Kadetten gestellt wurden, desto weniger beruflichen Druck verspürten sie. Schließlich waren sie sich über ihre Rolle im Klaren. Andere waren unsicherer – und somit auch gestresster. Quelle: Fotolia
Verzichte auf ÜberstundenÜberstunden machen wohlhabender? Das stimmt, aber sie machen nicht glücklicher. Der zugleich anfallende Stress, die Erschöpfung und Konflikte zwischen Arbeit und Freizeit gleichen den Effekt auf die Zufriedenheit wieder aus, stellt eine Studie der Pennsylvania State University fest. Quelle: dpa
Sieh das PositiveStress fängt im Kopf an. Wer sich ständig sorgt, empfindet mehr Stress als Menschen, die positiv denken. In einer Studie mussten Probanden Aufgaben erledigen, während sie entweder über ein persönlich Besorgnis erregendes Thema oder über ein erfreuliches Thema nachdenken sollten. Das Resultat: Wer sich Sorgen machte, war weniger produktiv. Das bedeutet am Ende noch mehr Stress. Also lieber zuversichtlich sein und effizient arbeiten, als sich über den Stress den Kopf zu zerbrechen und kaum voran zu kommen. Quelle: Fotolia
Mach die Sorgen kleinAnstatt sich ständig all seine Aufgaben und Sorgen vor Augen zu führen, ist es besser, sich klar zu machen, wie klein und unwichtig die Sorgen verglichen mit anderen Dingen im Leben sind, schreibt Autorin Annie Murphy Paul im Time Magazine. Quelle: Fotolia
Treffe weniger EntscheidungenWir treffen alltäglich Entscheidungen: Sei es, welche Milchmarke es im Supermarkt sein soll, welches Brot beim Bäcker oder welches Eis am Straßenverkauf. All diese Entscheidungen kosten jedoch Kapazität, um wirklich wichtige Probleme zu lösen. Daher gilt es, so viele Alltagsdinge wie möglich zu automatisieren, schreibt Autor Tony Schwartz im Harvard Business Review. Das bedeutet am Ende des Tages weniger Stress. Quelle: Fotolia
Behalte die KontrolleStress fühlt sich weniger dramatisch an, wenn Menschen das Gefühl haben, dass noch alles unter ihrer Kontrolle ist. Dazu führt Autor David Rock in seinem Buch „Your Brain at Work“ unterschiedliche Studien auf. Er berichtet unter anderem von einem Experiment an der University of North Carolina in Wilmington, in dem Ratten Kokain zu sich genommen haben. Eine der Ratten gelangte an das Kokain, indem sie einen Hebel betätigte, die andere hat es ungewollt eingeflößt bekommen. Beide starben - die Ratte, die das Kokain unfreiwillig zu sich genommen hat, allerdings schneller. Die unterschiedlich wahrgenommene Kontrolle machte den Unterschied, vermuten die Forscher. Quelle: Fotolia

Laut DGB-Index sind das die fünf größten Stressfaktoren:

Faktor 1: Multitasking (65 Prozent der Befragten)

Gleichzeitig mit mehreren Aufgaben oder Projekten jonglieren zu müssen, bedeutet für zwei Drittel der Arbeitnehmer den am meisten belastenden Part ihrer Arbeit. Besonders betroffen fühlen sich davon Angestellte in der Informations-, Kommunikations- und Finanzbranche – und überdurchschnittlich viele, die mehr als 3000 Euro brutto im Monat verdienen.

Faktor 2: Zu wenig Kollegen (63 Prozent)

Knapp dahinter: eine zu eng bemessene Personalausstattung. Wenn Arbeiten auf dem eigenen Tisch landen, weil Kollegen krank sind, eine Stelle unbesetzt ist – oder aus Prinzip mit zu wenig Leuten geplant wird, um Kosten zu sparen. Gerade Frauen und Angestellte in sozialen Berufen nennen diesen Faktor besonders häufig.

Faktor 3: Und noch eine Aufgabe (61 Prozent)

Nicht eingeplante und kurzfristig aufgeladene Arbeit ist der dritthäufigste Stressfaktor für deutsche Angestellte.

In Arbeit
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Faktor 4: Zu wenig Zeit (54 Prozent)

Die Termine zu eng getaktet, Zeitvorgaben viel zu knapp bemessen: Das hetzt immerhin mehr als die Hälfte der Befragten. Eine Folge: Fast ein Drittel verkürzt Pausen oder lässt sie gleich ganz ausfallen, weil die anfallende Arbeit sonst nicht zu schaffen wäre.

Faktor 5: Zu hohe Erwartungen (41 Prozent)

Mit etwas Abstand dahinter folgt der Druck, der durch die Erwartungshaltung von Kunden entsteht. Den allerdings können Arbeitgeber nur bedingt eindämmen.

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