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Die Zahlenfrau
Quelle: imago images

Die Relevanz von Vorbildern wird unterschätzt

Wer waren Ihre Vorbilder in der Kindheit? Inspirierende Menschen helfen uns auf unserem Lebens- und Karriereweg, sie liefern Motivation. Daher sind sie besonders im Management von großer Bedeutung.

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Nehmen Sie sich doch mal einen kurzen Moment Zeit und denken Sie an Ihre Kindheit zurück. Wer waren Ihre Vorbilder? Wer waren die Menschen, die Sie bewunderten und zu denen Sie aufsahen? Und dann überlegen Sie, ob und wie diese Sie inspiriert und motiviert haben? Haben sie geprägt, wer Sie heute als Mensch sind?

Genau an dieser Stelle wäre ich sehr gespannt, an wen Sie denken. In der Regel kommen die Vorbilder von Kindern und Jugendlichen nämlich aus den Bereichen Sport, Musik oder TV – eher selten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Und nein, Daniel Düsentrieb lasse ich an dieser Stelle nicht gelten. Vorbilder spielen eine zentrale Rolle bei der Ausgestaltung der Karriere eines jungen Berufstätigen. Sie sind sogar besonders wichtig, wenn Sie einer unterrepräsentierten Gruppe angehören, für die eine mangelnde Vertretung am Arbeitsplatz dazu führen kann, dass diese sich isoliert fühlen und es ihnen an Selbstvertrauen mangelt. Vorbilder können denjenigen, die gerade erst ins Berufsleben einsteigen, helfen, an ihre eigenen Fähigkeiten zu glauben. If you can see it, you can be it.

Vorbilder machen vor und weisen den Weg

Vorbilder bieten uns auch die Motivation, etwas Größeres anzustreben, allein durch die Tatsache, dass sie etwas erreicht haben, was für uns noch ganz weit weg scheint. Und für einen Berufsanfänger ist es die Chefetage, die ganz weit weg ist. Vorbilder helfen uns, die eigenen Ziele zu visualisieren und zeigen uns die Möglichkeiten auf, die es da draußen in der Welt gibt. Sie teilen Erfahrungen, Ideen und das Durchhaltevermögen, um ihre Ziele zu verfolgen, denn sie sind der Beweis dafür, dass es möglich ist, sie zu erreichen.

Interessanterweise wird Leadership nach wie vor oft mit männlichen Eigenschaften in Verbindung gebracht, aber es gibt eine Reihe von Untersuchungen, die zeigen, dass typisch weibliche Eigenschaften ebenso wichtig sind. An dieser Stelle spielen vor allem weibliche Vorbilder eine wichtige Rolle, denn sie können uns auch zeigen, wie wir mit den Vorurteilen gegenüber männlichen und weiblichen Führungsstilen umgehen und was sie getan haben, damit es für sie funktioniert. Und an dieser Stelle möchte ich also den Aspekt der „Randgruppen“ aufgreifen, den ich eingangs angesprochen hatte. Denn auf den Führungsetagen der deutschen Unternehmen sind Frauen nach wie vor eine Randgruppe. Und ein verstärkendes Problem, warum nicht mehr Frauen den Weg bis ganz nach oben anstreben ist ein Mangel an weiblichen Vorbildern. Zu pauschal? Schauen wir mal.

„Es soll sogar schon Fragen geben, ob auch ein Mann Kanzler werden darf“

Wenn es um die Frage nach mehr weiblichen Vorbildern geht, dann trifft dies auf bestimmte Bereiche stärker zu als auf andere. So ist es in der Politik mittlerweile zur Normalität geworden, dass Frauen in die ranghohen Positionen aufsteigen. Zwar gibt es auch hier noch zu wenig Frauen in den entscheidenden Positionen, aber immerhin ist unsere Bundeskanzlerin schon seit vier Legislaturperioden Regierungsoberhaupt - für Kinder und Teenager ist es also völlig normal, eine Frau als Kanzlerin zu haben.

Bei einer Feierstunde zum 100. Jahrestag des Frauenwahlrechts merkte Angela Merkel sogar an, dass es durchaus schon Fragen seitens junger Bundesbürgerinnen gegeben hätte, ob denn auch ein Mann Kanzler werden könne. Darüber musste ich wirklich schmunzeln. Man könnte meinen, dass knapp 16 Jahre mit einer Frau als Staatsoberhaupt dazu geführt hätte, dass mehr Frauen in Führungspositionen zu finden seien, die dann wiederum als Vorbilder für jüngere Frauen fungieren. Schauen wir weiter.

Der Frauenanteil im Vorstand beziehungsweise in der Geschäftsführung beträgt im deutschen Mittelstand im Durchschnitt 16 Prozent. Vor zwei Jahren lag dieser bei 14 Prozent. Im Durchschnitt der Börsen-Indizes Dax, MDax und SDax sind dagegen gerade einmal neun Prozent der Vorstandsposten mit Frauen besetzt. Das sind Ergebnisse des Mittelstandsbarometers der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY.

Was bedeutet das? Im Grunde sieht es so aus, als wäre es für Frauen etwas leichter in mittelständischen Unternehmen die Karriereleiter hochzusteigen. Aber der Schein trügt, denn in 52 Prozent der mittelständischen Unternehmen ist keine Frau in der Geschäftsführung beziehungsweise im Vorstand. Es gibt zwar Unterschiede, die sehr stark auch von der Größe oder dem Standort des Unternehmens abhängen. Aber alles in allem reißen mich die Zahlen nicht vom Hocker. Und Sie wissen ja, Zahlen sind mein Fachgebiet.

Mit dem Role Model Award hat die Initiative Startup Teens in drei Rubriken Vorbilder gekürt – unter anderem Familienunternehmen, die als Traditionsunternehmen meist zum Mittelstand gehören. Ein schöner Weg, um sowohl Familienunternehmer als auch Unternehmerinnen ins Rampenlicht zu holen. Denn wir sprechen zwar immer von Mittelstand, dem Rückgrat unserer Nation, aber wer die Köpfe hinter diesen Unternehmen sind, wissen wohl die wenigsten. Eine der Frauen, die ins Finale eingezogen ist, ist die Volkswirtin Johanna Strunz. Sie ist geschäftsführende Gesellschafterin der LAMILUX Gruppe in vierter Generation. Das Familienunternehmen hat Zimmerermeister Heinrich Strunz im Jahr 1908 in Rehau gegründet.


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Und da es hier nicht ausschließlich um weibliche Vorbilder geht, möchte ich gern auch einen Finalisten des Role Model Awards aus der Kategorie Manager nennen, der beispielsweise selbst nicht groß im Rampenlicht steht: Ralf Kleber ist Country Manager von Amazon und leitet mit seiner Leidenschaft für Kunden den deutschsprachigen Raum.

Vorbild kann jeder sein

Ein Vorbild ist für mich nicht zwingend eine bekannte Persönlichkeit, sprich eine Person des öffentlichen Lebens. Es können auch Familienmitglieder oder Freunde und Bekannte sein. Lehrer können auch Vorbilder sein, und die besten unterrichten nicht nur auf einem sehr hohen Niveau, sondern sie nehmen sich vor allem auch Zeit und sprechen mit ihren Schülern. Und schlussendlich können Sie, ja Sie, auch Vorbild sein.

Mehr zum Thema: Vielen Menschen können ihre Vorbilder gar nicht groß genug sein. Dabei sind die besten Helden echte Kontakte.

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