Digitalisierung Deutsche Bank warnt vor Verschwinden analoger Jobs

Digitalisierung hier, Digitalisierung da - was wird aus analogen Berufen? Eine Studie der Deutschen Bank warnt, dass es bald keine Arbeiter mehr gibt - gebraucht würden künftig primär Erfinder, Verkäufer und Erzieher.

Der Roboter «PR2» dreht in einer Laborküche einen Pfannkuchen um. Quelle: dpa

Bei manchen Zeitungen und Nachrichtenagenturen kommen bereits Computer-Kollegen zum Einsatz: Bei der Nachrichtenagentur AP beispielsweise schreibt ein Algorithmus die Nachrichten über Quartalszahlen der Unternehmen. Das geht schneller, als einen echten Menschen den Geschäftsbericht von Apple lesen und eine Nachricht formulieren zu lassen. Und auch in Deutschland kommen für einfache Meldungen bereits Computer zum Einsatz. Denn die Software kann immer mehr: sie lernt selbstständig, bewertet Ereignisse - und macht keine Tippfehler.

Anderen Branchen bereitet die Digitalisierung schon länger Kopfzerbrechen. Einfache Jobs werden automatisiert oder fallen ganz gleich weg. Ungelernte oder gering Qualifizierte haben immer größere Probleme, einen Job zu finden. Außerdem sind sie deutlich häufiger arbeitslos, als es Akademiker, Techniker oder Handwerksmeister sind. Entsprechend warnte Dieter Kempf, Präsident des Branchenverbands Bitkom bei der Eröffnung der Computermesse Cebit, dass durch die Digitalisierung in der Wirtschaft "kein Stein auf dem anderen bleiben" werde.

Hilfe, ein Roboter klaut meinen Job!

Zum einen schafft die Digitalisierung nämlich neue Bedürfnisse, neue Produkte und damit neue Jobs, die es vor ein paar Jahren noch gar nicht gegeben hat. Allein 2012 brachte die Digitalisierung hierzulande 1,5 Millionen neue Jobs hervor, so Bitkom. Der Bedarf an Fachkräften mit digitalem Wissen - Big Data Scientisten, Content Marketing Managern, Mobile Developern oder Produktionsingenieuren - steigt stetig.

Dafür braucht man immer weniger einfache Arbeiter. Arbeiten am Fließband verrichten ohnehin schon überwiegend Roboter.

So haben sich Unternehmen auf die Digitalisierung vorbereitet

Diese Entwicklung halten viele Experten für gefährlich: eine Studie der Deutschen Bank in Amerika kommt zu dem Schluss, dass die Digitalisierung in den USA mehr Jobs zerstört, als sie schafft. Studienautor Aleksander Kocic ist überzeugt: Arbeiter seien in Zukunft austauschbar, gebraucht werden künftig Erfinder, Verkäufer, Erzieher.

Dass in Deutschland wegen der Digitalisierung das Handwerk ausstirbt und niemand mehr Bedarf an Schlossern, Schreinern oder Friseuren hat, klingt unwahrscheinlich. Doch der Bedarf an Arbeitskräften ohne Schulabschluss und Ausbildung dürfte tatsächlich noch weiter zurück gehen.

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Wenn sich die deutsche Wirtschaft allerdings davon einschüchtern lässt, drohen hohe Verluste: Laut einer vom Industrieverband BDI in Auftrag gegebenen Studie der Unternehmensberatung Roland Berger ergäben sich allein für Deutschland bis zum Jahr 2025 rund 220 Milliarden Euro Wertschöpfungsverluste, sollte die Industrie die Verschiebung der Geschäftsmodelle in den IT-Bereich nicht konsequent genug vorantreiben. Allein die Automobil- und Logistikbranche könnte bis zu 140 Milliarden Euro einbüßen.

Es gehe um die Frage, ob Deutschland eine Führungsrolle als digitalisierter Industriestandort einnehmen oder das Feld agilen Ländern wie Südkorea, China oder die USA überlassen wolle, sagte Klaus von Rottkay, Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland.

Er ist sich sicher: "Wir können die Erfolgsgeschichte des Wirtschaftsstandorts Deutschland digital fortschreiben, wenn wir jetzt entschlossen die Voraussetzungen für ein digitales Wirtschaftswunder schaffen."

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