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Digitalisierung Kaum Digitalvorstände in Deutschlands Unternehmen

Exklusiv
Digitalisierung: Deutsche Unternehmen haben kaum Digitalvorstände Quelle: obs

Eine exklusive Untersuchung der Beratung Korn Ferry zeigt, nur wenige Konzerne benennen einen Digitalverantwortlichen im Vorstand - obwohl das Thema als eine der drängendsten Herausforderungen gilt. Was das für die Zukunftsfähigkeit der Konzerne bedeutet.

Susanna Schneeberger ist eine Exotin im MDax – und das nicht nur weil sie eine der wenigen Frauen in der Vorstandsetage ist. Nein. Mit ihr hat der Gabelstablerproduzent Kion als erstes Unternehmen aus Dax und MDax ein Vorstandsmitglied benannt, das sich ausschließlich um die digitale Transformation kümmern soll. Schneeberger ist der erste Chief Digital Officer in Deutschlands Top-Unternehmen. Anfang Oktober hat die Managerin ihr Amt angetreten und soll sich vor allem um digitalisierte Kundenlösungen, Robotik und Automatisierung kümmern.

Dass Kion als erstes Unternehmen ein eigenes Vorstandsressort für Digitalisierung erstellt hat, sieht Alexander Wink von der Personalberatung Korn Ferry erst mal als „deutlichen Positiv-Trend“. Der Partner und Digitalexperte des Headhunters hat kürzlich untersucht, ob und wie die Unternehmen aus Dax und MDax das Thema digitale Transformation in ihrem Vorstand verankert haben.

Das Ergebnis der Analyse, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt: Zehn der dreißig Dax-Konzerne benennen öffentlich jemanden, der im Vorstand für Digitalisierung und/oder Transformation zuständig ist. In fünf Fällen (BASF, Commerzbank, HeidelbergCement, Merck und RWE) liegt die Verantwortung beim Vorstandsvorsitzenden oder seinem Stellvertreter. Ein eigenes Digital-Ressort gibt es in keinem Dax-Vorstand. Noch düsterer sieht es im MDax aus. 95 Prozent der Unternehmen dort benennen kein Vorstandsmitglied öffentlich für diese Zukunftsthemen. Neben Kion verankern nur K+S, LEG Immobilien und ProSiebenSat1 Digitalthemen auf höchster Ebene.

Doch wie passt dieser verschwindend geringe Anteil zu den Beteuerungen vieler Top-Manager, die Digitalisierung stehe ganz oben auf ihrer Prioritätenliste?

Eine Umfrage der Digitalberatung etventure und der GfK unter 2000 Großunternehmen etwa ergab Anfang des Jahres, dass zwei Drittel der Befragten die digitale Transformation zu ihren Top3-Firmenzielen zählten. Gleichzeitig sahen die Studienautoren „eine deutliche Diskrepanz zwischen der Eigenwahrnehmung der deutschen Unternehmen und den realen Herausforderungen durch die Digitalisierung.“

Und auch Wink von Korn Ferry ist überzeugt, dass Unternehmen jetzt klarmachen müssten, wer im Vorstand hauptverantwortlich für die Digitalisierung sei. „Das muss passieren, um den Anschluss an den Weltmarkt nicht zu verlieren.“

Denn eine solche Verankerung auf höchster Ebene ist enorm wichtig. „Wer kein Platz am Entscheidertisch hat, der darf danach nur das umsetzen, was andere beschlossen haben. Ohne mit seinem Know-how ausreichend Einfluss auf die Entscheidung nehmen zu können.“ Das führe erwiesener Maßen zu schlechteren Ergebnissen. Zum Teil würde daran sogar die Umsetzung scheitern.

Dennoch werden die meisten Unternehmen sich wohl auch auf lange Sicht keinen CDO im Vorstand leisten. Dann ist es laut Wink allerdings besonders wichtig, den Digitalbeauftragten eng an den Vorstand anzubinden. Am besten direkt an den CEO. So wird Digitalisierung zur Chefsache.

Außerdem sei es wichtig, sich über die Aufgaben des CDOs bewusst zu sein. Soll er als eine Art Digitalisierungsbotschafter auftreten oder tatsächlich strategische Entscheidungen mitgestalten? Letzteres gelinge nur, wenn dem CDO auch Veto-Optionen eingeräumt würden. „So bekommt der Tiger Zähne“, sagt Wink.

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