Digitalisierung Keine Angst vorm Jobverlust

Je nachdem, wen man fragt, ist die Digitalisierung der größte Jobkiller oder der größte Jobmotor seit Erfindung der Dampfmaschine. Dabei ist die Digitalisierung seit Jahren im Gange - ganz ohne Massenentlassungen.

Deutsche brauchen keine Angst vor der Digitalisierung zu haben. Quelle: dpa

Theoretisch könnten Roboter und Algorithmen schon heute die Arbeit von Hunderttausenden übernehmen: Laut einem Forschungsbericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit können Computer schon heute Routine-Aufgaben wie in der Buchhaltung oder das Sortieren von verschiedenen Dingen ganz prima übernehmen. Nur bei analytischen und interaktiven Nicht-Routine-Aufgaben, beispielsweise in der Beratung, tun sie sich noch schwer.

Weil die Entwicklung nicht stehen bleibt, befürchten viele, dass auch ihr Job in ein paar Jahren von einem Roboter erledigt werden könnte. Dabei ist der gemeine Buchhalter gar nicht vom Aussterben bedroht, wie es scheint.

Trotzdem geht beispielsweise das Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers davon aus, dass in den nächsten 15 Jahren in der industriellen Produktion rund 500.000 Stellen vernichtet werden. Die Jobs übernehmen demnach in Zukunft Roboter.

Diese Berufe lassen sich am einfachsten durch Computer ersetzen

Alles Quatsch, sagt jetzt die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Die Beschäftigten in Deutschland müssen sich nicht vor der Digitalisierung der Arbeitswelt fürchten. "Die Möglichkeit negativer Beschäftigungseffekte wird zwar immer wieder politisch thematisiert und diskutiert, wissenschaftlich lassen sich aber bisher keine Belege für diese Vermutung finden", heißt es in einem Gutachten, das das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag der INSM erstellt hat.

Denn die Digitalisierung sei ja bereits seit Jahren in vollem Gange - manche Branchen seien schon längst vollständig digitalisiert - und dass ohne die befürchteten Negativeffekte.

"Es gibt auch keine empirischen Anhaltspunkte, dass es zu einer Ausbreitung neuen Formen der Soloselbständigkeit kommt. Das Phänomen der Crowdworker wird zwar oft und prominent diskutiert, ist aber sonst kaum relevant. Selbst in einer Vorreiterbranche der Digitalisierung, der Informationswirtschaft, sind Crowdworker im Grunde nicht bekannt und erscheint den allermeisten Unternehmen auch nicht als attraktive Beschäftigungsform", heißt es in dem Gutachten.

Aus Sicht der INSM belegt die Studie, dass die Digitalisierung keine Bedrohung, sondern eine Chance ist, die nicht durch vorschnelle Regulierungen aufs Spiel gesetzt werden darf. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch vor wenigen Tagen eine Allensbach-Umfrage der INSM.

Diese Tech-Jobs werden im Jahr 2020 gesucht

Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der INSM, zieht daraus ein klares Fazit: "Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben sich bisher gut an die Digitalisierung angepasst und sie werden auch in Zukunft selber wissen, wie sie sich auf den weiteren digitalen Wandel einstellen müssen. Der Gesetzgeber wird vorerst nicht gebraucht."

Auch Studienautor Oliver Stettes hält Regulierungsmaßnahmen von Seiten der Politik für verfrüht. "Unsere Analyse zeigt, dass sich durch die zunehmende Verbreitung und Vernetzung von modernen Informations- und Kommunikationstechnologien derzeit keine gravierenden Veränderungen in der Arbeitswelt abzeichnen. Nur wenn das der Fall wäre, wäre die Politik aufgefordert, die bewährten und funktionierenden Strukturen und Regulierungen anzupassen."

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%