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Durchsetzungskraft Das Wort „Nein!“ kann Ihr Leben retten

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Die eigentliche Schwierigkeit hat die Firma

Drittens hätte sie das Problem beim Absender belassen sollen. Gerade sensible Menschen neigen dazu, ein Nein für unsozial zu halten. Schließlich müsste dann der Chef die Arbeit selbst verrichten oder einen Kollegen dazu verdonnern. Aber wer hat eigentlich die Schwierigkeit? Die Firma! Und wer muss sie folglich lösen? Die Firma! Vielleicht ist die Personaldecke zu dünn. Das erkennt die Firma nur, wenn das Problem bei ihr belassen wird

Und schließlich hätte Sophie K. keinesfalls eine termingebundene Arbeit annehmen dürfen, ohne überhaupt den Umfang zu kennen. Denn viele „kleine Bitten“ ziehen lange Rattenschwänze nach sich. Ein kurzes Gespräch hätte gereicht, um festzustellen: „Das ist heute nicht mehr zu machen.“

Ein berufliches Nein muss klar sein, also ohne Entschuldigung. Wer „sorry“ sagt und beteuert, dass ihm seine Absage „schrecklich leid“ tue, bringt sich in den Tiefstatus; eine Entschuldigung setzt immer „Schuld“ voraus. Erfolgreicher ist ein Nein, wenn man es freundlich, aber mit tiefer Stimme und ohne rhetorischen Kniefall ausspricht.

So fällt das Nein sagen leichter

Sprachliche Weichmacher gilt es zu meiden: Wer „eigentlich nein“ sagt, hat damit „Ja“ gesagt. Ähnlich gefährlich sind Konjunktive, etwa: „Heute Abend würde ich gern pünktlich gehen.“ Hier wittern hartnäckige Rhetoriker Unsicherheit, haken ein und kriegen ihr Gegenüber doch noch rum.

Und wie steht es mit der Begründung für ein Nein? Hätte Sophie K. ihrem Chef ausführlich schildern sollen, warum es heute Abend nicht passt? Nein, je detaillierter die Begründung, desto mehr Ansätze zum Nachfassen bietet sie: „Ihre Freunde wollen Sie treffen? Das geht doch auch noch morgen!“

Beruf



Besser ist es, das Nein mit einer unkonkreten Ich-Aussage zu begründen: „Ich habe den Abend anders verplant.“ Falls der Gesprächspartner hartnäckig bleibt, kann man eine solche Begründung mehrfach wiederholen. Diese Technik nennt sich „Gesprungene Schallplatte“ und entmutigt sogar penetrante Manipulatoren. Nicht nur die bessere Rhetorik setzt sich durch, sondern auch die stärkeren Nerven.

Aber hätte Sophie K. es sich durch ihr Nein nicht mit ihrem Chef verscherzt? Wohl kaum, denn heimlich ziehen Vorgesetzte ihren Hut, wenn jemand die eigenen Interessen so gut wahrt. Das qualifiziert sogar für Führungsaufgaben. „Nein“ ist eine Chef-Vokabel.

Dieser Artikel lehnt sich an Martin Wehrles neues Buch, in dem u.a. die 22 besten Strategien zum Nein-Sagen vorgestellt werden: „Sei einzig, nicht artig – So sagen Sie nie mehr Ja, wenn Sie Nein sagen wollen“ (Mosaik, 384 Seiten, 14,99 Euro).

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