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Ehrenamt im Job Corporate Volunteering: In sechs Schritten zum richtigen Projekt

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Formen, Projektsuche und Wirkung von CV

4. Welche Form von Corporate Volunteering ist richtig?

„Wer CV strategisch angeht, muss vor allem das passende Format finden“, empfiehlt Hagedorn. Sie nennt diese Möglichkeiten:
• einzelne Aktionstage
• Mentoring und Patenschaften
• soziales Praktikum
• unentgeltliche Dienstleistungen
• längere Entsendung von Mitarbeitern in eine Non-Profit-Organisation

„Alles hat Vor- und Nachteile“, meint die Expertin von Phineo. Grundsätzlich gelte beim CV die Devise: Größer und teurer ist nicht zwangsläufig besser. „Kleine und niedrigschwellige Angebote zeigen oft genauso Wirkung wie systematisch aufgebaute Programme“, hat sie festgestellt. Das Wo und Wie hängt von der Größe des Betriebs ab. „Mittelständische Unternehmen orientieren sich oft an regionalen Bedarfen, engagieren sich gern vor Ort, in der eigenen Gemeinde“, sagt Hagedorn. Große Unternehmen könnten sich zusätzlich auch überregionale CV-Programme leisten.

Corporate Volunteering kann mit einem unverbindlichen Testlauf beginnen. Gut organisierte, etablierte Aktionstage bieten Firmen Gelegenheit, das Engagement ohne großen Aufwand auszuprobieren. Viele Unternehmen bekommen bei Lust auf mehr und engagieren sich ganzjährig und langfristig. Beispiele für solche jährlichen Termine sind der Mädchen Zukunftstag Girls' Day oder der bundesweite Vorlesetag. Die Initiative der Stiftung Lesen, der Wochenzeitung „Die Zeit“ und der Deutsche Bahn Stiftung findet am dritten Freitag im November statt (dieses Jahr am 15. November). Dann lesen überall in Deutschland freiwillige Helfer in Kitas, Schulen, Bibliotheken oder Vereinen vor. „Im vergangenen Jahr haben sich rund 700.000 Menschen an der Initiative beteiligt, darunter große Unternehmen und Institutionen“, berichtet Sigrid Strecker, Projektmanagerin im Bereich Kita und Familie bei der Stiftung Lesen.

5. Wie findet man das richtige Projekt?

Die Bandbreite beim ehrenamtlichen Engagement ist enorm. Kinder, benachteiligte Menschen, Integration, Umweltschutz, Nachbarschaftshilfe, aber auch fachliche Unterstützung im Sinne klassischer Pro-bono-Arbeit sind im Rahmen von Coporate Volunteering möglich. Für manche Firmen liegt der Einsatzbereich auf der Hand. „Oft ist es sinnvoll, dass Projekte inhaltlich zum Kerngeschäft passen. Wer sich dem Klimaschutz verschrieben hat, für den ist eine Aktion zum Bäume pflanzen sicher nicht verkehrt“, meint Hagedorn.

Ein solcher Ansatz stärkt den „Markenkern“ eines Unternehmens. CV entwickelt aber gerade dann eine besondere Stärke, wenn bereits bei der Auswahl des Projekts Engagement gezeigt wird. Das kann bedeuten, nicht die naheliegendste Idee zu verwirklichen, sondern in größeren Maßstäben zu denken: An welcher Stelle machen Zeit und Expertise tatsächlich den größten Unterschied?

Es „gibt es viele gesellschaftliche Themen und manchmal auch Regionen, die wichtig sind und dennoch oft zu kurz kommen“, meint Hagedorn. „Die Förderung von demokratischer Kultur und Teilhabe gehört zum Beispiel dazu. Wir raten deshalb immer wieder zu einer klaren Unternehmensstrategie, in der die Ziele des Engagements klar formuliert sind.“

Es gibt eine Reihe unabhängiger Anbieter, die Firmen bei der Wahl und Durchführung von Projekten zur Corporate Social Responsibility unterstützen. Erste Anlaufstellen können zudem Wohlfahrtsverbände (beispielsweise Caritas), Hilfsvereine (Deutsches Rotes Kreuz) oder Umweltorganisationen (Naturschutzbund Deutschland) sein.

Manche Einrichtungen bieten ein Komplettprogramm für die „Hilfe zur Hilfe“ an. Die Stiftung Lesen etwa unterstützt Unternehmen in dreifacher Hinsicht, wie Projektmanagerin Strecker erklärt.
1. Beratung: „Wir machen die internen Ansprechpartner im Unternehmen fit für das Thema und stellen Textbausteine für die interne und externe Kommunikation zur Verfügung.“
2. Qualifikation: „Von der Stiftung Lesen qualifizierte Referenten geben das nötige Basiswissen rund ums Vorlesen an die Mitarbeiter weiter.“
3. Ausstattung: „Die Stiftung Lesen hilft bei der Auswahl der richtigen Medien und stellt das passende Paket zusammen – vom einzelnen Buch bis zur Vorlesebibliothek.“
Der Schwerpunkt liegt zwar auf Kindern. Die Stiftung Lesen hatte 2015 aber auch geschulte Freiwillige in Flüchtlingseinrichtungen entsandt. In diesem Jahr liegt ein Schwerpunkt auf dem ehrenamtlichen Vorlesen in Senioreneinrichtungen.

6. Bewirkt Corporate Volunteering überhaupt etwas?

Corporate Volunteering ist kein Selbstzweck und erst recht keine Alternative zum Betriebsausflug. „Gut gemeint ist leider noch nicht immer gut gemacht“, warnt Phineo-Expertin Hagedorn. „Wenn der konkrete Bedarf der Non-Profit-Organisation nicht berücksichtigt wird oder die Volunteers nicht entsprechend ihrer Kompetenzen zum Einsatz kommen, entsteht schnell Unzufriedenheit auf beiden Seiten. Eine Kita braucht vielleicht jemanden, der die Spielgeräte im Garten repariert und nicht den zweiten Farbanstrich in drei Jahren.“ Deshalb sei es wichtig, von Beginn an ehrlich darüber zu sprechen, was man sich von dem Vorhaben erhofft.

Erfolgserlebnisse sind für die Motivation der Helfer wichtig. Das kann aber schwierig werden, wenn ein Einsatz nicht zu einem konkreten „Ergebnis“ führt. Womöglich kommen dann Zweifel auf, ob die Hilfe überhaupt etwas bewirkt. „Der Bedarf an Volunteers ist groß“, beteuert Strecker für die Stiftung Lesen. Die Fachkräfte in den rund 50.000 Kitas in Deutschland seien im Alltag mit pädagogischen und sozialen Aufgaben ausgelastet. Da würden freiwillige Helfer eine wertvolle Unterstützung bieten und einen wichtigen Beitrag zur Sprach- und Leseförderung von Kindern leisten.

„Aus der Forschung wissen wir: 31 Prozent der Eltern von Kindern im Alter von drei bis acht Jahren lesen ihren Kindern nicht oder nur selten vor“, erklärt Strecker. Das könne schwerwiegende Folgen für die Zukunft haben. „Junge Menschen ohne versierte Lesekenntnisse haben es schwer, einen passenden Arbeitsplatz zu finden.“ In dieser Hinsicht kann das soziale Engagement von Firmen sogar dabei helfen, den Fachkräften von übermorgen den Weg zu ebnen.

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