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Einsamkeit und Geldsorgen Immer mehr Alleinstehende von Armut bedroht

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Alleinerziehende sind besonders gefährdet

Bei den Alleinlebenden ohne Kinder geraten überwiegend Männer in finanzielle Schwierigkeiten. Das zeigt auch der Überschuldungsreport 2017 des Hamburger Instituts für Finanzdienstleistungen. Demnach sind von den Überschuldeten 36,2 Prozent alleinlebende Männer, 24 Prozent alleinlebende Frauen, 23,9 Prozent Paare und 15,2 Prozent Alleinerziehende. Die Alleinerziehenden kommen dabei über zweieinhalb Mal so häufig unter Überschuldeten wie in der Gesamtbevölkerung vor.

Dass Alleinerziehende besonders gefährdet sind, führt Studienautor Dirk Ulbricht auf schlechtere Bedingungen für sie etwa auf dem Jobmarkt zurück. Bei Alleinlebenden sei insgesamt ausschlaggebend, dass sie finanzielle Schwankungen nicht so gut ausgleichen könnten wie Paare. Besonders riskant ist die Lage bei alleinstehenden Selbstständigen ohne festes Monatsgehalt, wie Ulbricht der dpa sagte.

Diakonie-Präsident Lilie spricht von einer Abwärtsspirale bei vielen Alleinerziehenden. „Viele müssen quasi rund um die Uhr arbeiten und sich um die Kinder kümmern“, sagte Lilie. „Soziales Leben findet dann kaum noch statt.“ Eine soziale Notlage gehe so oft mit Vereinsamung einher. Fast neun von zehn Alleinerziehenden sind Frauen.

Lilie begrüßte, dass sich Union und SPD im Entwurf ihres Koalitionsvertrags zum Ziel gleichwertiger Lebensverhältnisse in ganz Deutschland bekannt hätten. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung.“ So seien Kitas heute in vielen Städten mit angespannter Haushaltslage nicht beitragsfrei, während wohlhabende Kommunen beitragsfreie Kitas anböten. Die Politik sei gefordert, beitragsfreie Kitas zu schaffen und Ganztagsbetreuung auch für Schüler auszubauen.

Die Finanzprobleme dieser Gruppen gehen oft mit Niedriglöhnen einher. Alleinstehende mit Beschäftigung waren laut Eurostat zu 17 Prozent armutsgefährdet - trotz Job. Hier setzt die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann an. Deutschland habe einen ausgeprägten Niedriglohnsektor, sagte sie der dpa. „Eine neue Bundesregierung muss hier einen Schwerpunkt setzen.“ Sie forderte einen höheren Mindestlohn und das Aus von Leiharbeit und sachgrundlosen Befristungen.

EU-weit sind übrigens nur 32,5 Prozent der privaten Haushalte Alleinstehenden-Haushalte. Auch der Anteil der Armutsgefährdung liegt bei ihnen EU-weit unter dem deutschen Wert, nämlich bei 25,6 Prozent.

Was ein Jobverlust aus Menschen macht
Ein Mann betritt einen Raum hinter einer Tür, auf der steht "Zugang Agentur für Arbeit" Quelle: dpa
Eine Frau fasst sich an den Kopf Quelle: dpa
Krebs Quelle: dpa
Psychische Belastung bei Verlust des Arbeitsplatzes Quelle: dpa
Ein Mann im Anzug dreht dem Betrachter vor einem schwarzen Hintergrund den Rücken zu Quelle: dpa Picture-Alliance
Eine Frau steht in einem Treppenhaus in Hannover. Quelle: dpa
Jugendlicher liegt am 09.12.2014 in München (Bayern) gemütlich auf dem Fußboden und betrachtet die Video-Plattform "Youtube" auf seinem iPad Quelle: dpa

dpa

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