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Elsässers Auslese

Die Berufswahl unserer Kinder – auf Irrwegen?

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Lehre auf dem absteigenden Ast

Sehenden Auges entlassen Eltern wie Lehrer die jungen Menschen in eine Art Disneyland, ohne ihnen klar zu machen, dass von der Berufswahl die gesamte Existenz später abhängt. Kaum einer macht den Schulabgängern klar, dass es um einen ganz entscheidenden Faktor bei dem Beruf geht: Ein Leben lang, durch eigene Arbeit sich in die Lage zu versetzen, jeden Monat die Miete, das Essen, die Stromrechnung und die Krankenkasse bezahlen zu können.

Wer das nicht schafft, gerät in eine höchst fatale Abhängigkeit und in eine wenig erfreuliche Existenz. In einer verweichlichten Attitüde möchten viele Lehrer und Eltern ihre jungen Zöglinge vor den realen Gegebenheiten des künftigen Lebens außerhalb der Schulwelt „schonen“.

Eine weitere unerquickliche Tendenz stelle ich an den Universitäten fest. Es ist schon unglaublich, was da teilweise für ein Unsinn den Abiturienten vermittelt wird. Neulich habe ich eine Art „Tag der Offenen Tür“ einer renommierten Universität besucht. Es war eine Werbeveranstaltung für den nächsten Studienjahrgang. Da behauptete doch eine Professorin allen Ernstes: „Wer Politologie studiert, der braucht sich keine Sorgen zu machen. Bei Akademikern gibt es so gut wie keine Arbeitslosigkeit (damit nur ja keiner etwa auf die Idee käme, eine Lehre zu absolvieren). Und das Fach Politologie sei ja so breit aufgestellt, dass man danach ja ganz viele Berufsmöglichkeiten habe: Man kann Journalist werden, in einem Ministerium arbeiten, in die Politik gehen und so weiter.“ Das seien großartige Berufsaussichten.

Als Mensch aus dem realen Arbeitsleben mit meinen 40 Jahren Berufserfahrung saß ich wie vom Donner gerührt im Hörsaal. Ich traute meinen Ohren kaum. Es regte sich auch keinerlei Protest im Auditorium. Ich spürte, da waren Hopfen und Malz verloren. Ich war in einer „Nebenwelt“ gelandet.

Gerade Familien, die erstmals ein Familienmitglied auf eine Universität schicken, überblicken in keiner Weise die tatsächlichen späteren Folgen der Studiengänge für das Berufsleben. Mit stolz geschwellter Brust lässt man die Tochter oder den Sohnemann in die Welt der Theorie ziehen, ohne sich über die wirklichen Berufsaussichten ein klares Bild zu machen. Hauptsache: endlich ein Akademiker in der Familie!

Nicht von ungefähr wird das Beste, was Deutschland zu bieten hat, nämlich die klassische Lehre, unter den Abiturienten immer unbeliebter. Im Schnitt entscheiden sich weniger als zehn Prozent der Gymnasialabgänger für eine zwei- oder dreijährige Lehrausbildung. Das ist gelinde gesagt, eine Katastrophe. Diese Tendenz wird von den vielen Privatuniversitäten unterstützt, die in der Lehre eine Konkurrenz zu ihrem dreijährigen Bachelor-Studiengang sehen.

Mein Fazit: Etwas mehr Realitätssinn, Dringlichkeit und Ernsthaftigkeit gegen Ende der Schulzeit wäre wünschenswert.

Zum Abschluss noch ein Gedanke - apropos 100 bis 120 Schulabgänger in einem Jahrgang: Ich selbst habe im Jahr 1975 Abitur gemacht. Und ich erinnere mich noch sehr genau, wie man uns mitleidig erklärte: „Ihr habt wirklich Pech. Ihr gehört zu den letzten starken Jahrgängen mit vollen Klassen. Nach Euch kommt ja der sogenannte „Pillenknick“, da werden es immer weniger Schüler und die Klassen und die Hörsäle an den Universitäten werden dann viel leerer. Die Familien nach Euch sind weniger kinderreich. Dann wird es mit dem Numerus Clausus als Zulassungsbeschränkung an den Universitäten auch bald besser“.

Ich warte heute noch auf den „Pillenknick“. Was für ein Hohn und Witz. So viel zum Beitrag unserer statistischen Ämter und der Prognosefähigkeit für unser Bildungssystem. Na, denn man tau!

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