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Erasmus für Jungunternehmer „Es war eine Art Symbiose, ein Austausch auf Augenhöhe“

Junge Gründer können mit dem Erasmus-Stipendium für ein halbes Jahr bei anderen Unternehmen zu Gast sein und Erfahrung sammeln. Quelle: Getty Images

Nicht nur Studenten profitieren von Erasmus. Die EU ermöglicht auch Jungunternehmern den Aufenthalt bei Mentoren im Ausland. Wie man an das Geld rankommt, was Stipendiaten berichten.

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Generationen von Studenten haben mit dem Austauschprogramm Erasmus Europa kennengelernt. Deutlich weniger bekannt ist, dass von dieser Förderung auch junge Unternehmer und Firmengründer (in spe) profitieren können. Dabei feierte Initiative Erasmus für Jungunternehmer 2019 bereits das zehnte Jubiläum. Ihre Bilanz: rund 14.000 Teilnehmer, Hunderte von neuen Firmen und Tausende geschaffene Jobs. Zu den Erfolgsgeschichten gehört die Berliner Konditorei Dilekerei. „Das Programm hat mich sehr geprägt“, sagt Firmengründerin Dilek Topkara. „Es war rückblickend einer der schönsten Arbeitserfahrungen, die ich machen konnte.“

EYE (Erasmus for Young Entrepreneuers) setzt auf den direkten Erfahrungsaustausch und „Learning by doing“ vor Ort. Das Programm vermittelt jungen Unternehmern einen erfahrenen Gastgeber im Ausland. Die Stipendiaten werden mit bis zu 1100 Euro monatlich gefördert. Der Aufenthalt dauert maximal ein halbes Jahr. Während dieser Zeit soll der Nachwuchs die nötigen Fähigkeiten zur Leitung eines Kleinunternehmens erlernen, berufliche Kontakte im Ausland knüpfen und nebenbei die Vorzüge des europäischen Binnenmarkts am eigenen Leib erfahren.

EYE wirbt potenzielle Stipendiaten mit der „innerbetrieblichen Ausbildung in einem kleinen oder mittleren Unternehmen“. Die Gastunternehmer sollen in erster Linie von frischen Ideen und neuen Perspektiven profitieren, erhalten aber auch eine Gratis-Arbeitskraft. Da lernt beispielsweise ein junger Italiener bei einem auf Menschenrechte spezialisierten Juristen in den Niederlanden. Oder eine Firmengründerin aus Litauen bekommt in Spanien Praxistipps, wie sie ihren Online-Shop für Gartenbauprodukte aufziehen kann.

Mit Erasmus zur Existenzgründung

Topkara gehörte 2009 zu den ersten Stipendiaten. „Die Firmengründung schwebte mir als Option vor, daher wollte ich auch gern daran teilnehmen“, erinnert sie sich. Die Berlinerin hatte damals durch Eigenrecherche im Internet von dem neuen Programm erfahren. Sie wurde angenommen und arbeitete vom September 2009 bis März 2010 bei der englischen Konditorin Juliet Sear. Dann ging alles ganz schnell. „Nach dem Programm arbeitete ich noch bei führenden Konditoreien in London und gleich im Anschluss gründete ich 2013 Dilekerei in meiner Heimatstadt Berlin.“ Ihr Café in Berlin-Mitte ist am Wochenende geöffnet. Topkara gestaltet außerdem Torten für festliche Anlässe, hat ein Kochbuch geschrieben und betreibt einen Online-Shop. Die Dilekerei kommt auf Facebook und Instagram zusammengenommen auf über 10.000 Follower.

Während der Erasmus-Auslandsaufenthalt für viele Studenten mehr der Charakter- als der Fachbildung dient, wurde Topkaras berufliche Laufbahn durch den Austausch unmittelbar bereichert und beeinflusst. Mit einem Praktikum war der Aufenthalt für sie nicht zu vergleichen. „Im Gegensatz zu einem Praktikum habe ich mit meinem 'Host Entrepreneur' eine in erster Linie geschäftliche Verbindung und ein Netzwerk aufgebaut, ich habe sie in ihrem Geschäft unterstützen dürfen und habe direkt verantwortungsvolle Aufgaben im Unternehmen bekommen“, berichtet die Diplom-Ingenieurin der Lebensmitteltechnologie.

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Die Mentorin habe sie im Gegenzug beim Businessplan unterstützt und Anreize für das unternehmerische Vorhaben gegeben: „Es war eine Art Symbiose, ein Austausch auf Augenhöhe und fruchtbar für beide Parteien.“ Die Zeit habe ihren Erfahrungshorizont sehr erweitert. „Es gibt sonst für Unternehmer kaum die Möglichkeit, aus den eigenen vier Wänden rauszukommen“, meint Topkara.

Grundsätzlich scheinen die Chance, bei dem Programm angenommen zu werden, nicht schlecht zu stehen. Zum zehnten Jubiläum war die Rede von über 20.000 Bewerbungen und rund 14.000 Teilnehmern. Der Austausch verläuft in vier Stufen.

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