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Erste Hilfe gegen Arbeitsübelkeit „Wer montags kotzt, muss etwas ändern“

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„Wer für Zeit bezahlt, bekommt auch nur Zeit“

In Ihrem Buch schreiben Sie, dass die Deutschen Meister im Wettsitzen sind. Wer am frühesten kommt und am längsten sitzen bleibt, schafft angeblich auch am meisten.
Um etwas zu ändern, braucht es mutige Arbeitnehmer und mutige Führungskräfte, die dieses Muster durchbrechen. Wenn ich morgens um sieben Uhr komme und meine acht Stunden durcharbeite, sollte ich mich auch trauen wirklich pünktlich zu gehen.

Und wenn dann böse Blicke kommen, weil man vor allen anderen geht?
Dann sollte man sagen, was man eigentlich geschafft hat. Wichtig ist, dass die Leute sehen, dass man früh gekommen ist und viel erledigt hat. Um das zu kommunizieren, hilft beispielsweise ein Online-Reporting-System, in das jeder reinschreiben kann, wann er gekommen ist und was er an dem Tag erledigt hat. Und der Chef sollte darauf schauen, dass die Mitarbeiter sich gegenseitig vertrauen.

Befürworten Sie ein System, in dem nach Leistung und nicht nach Zeit bezahlt wird?
In dem Moment, in dem ich Zeit bezahle, bekomme ich nur Zeit. In dem Moment, in dem ich Leistung bezahle, bekomme ich Leistung. Die Umsetzung ist von Unternehmen zu Unternehmen natürlich individuell. Das Beste, was man als Chef tun kann, ist seine Mitarbeiter zu fragen, was sie eigentlich wollen. Da kann auch ein Fünf-Stunden-Tag eine Lösung sein. Aber nur, wenn keine Arbeitszeit vergeudet wird. Das ist um Längen besser, als wenn Leute drei Stunden ihres Acht-Stunden-Tages im Internet rumsurfen, nur um die Zeit rumzukriegen.

Sie sagen, man müsse lernen, die Kunst der kleinen Schritte zu gehen. Was bedeutet das für gelangweilte Arbeitnehmer?
Wir wollen immer gleich das ganz große Rad drehen. Wenn mein Job heute doof ist, möchte ich am liebsten alles ändern oder gleich im Lotto gewinnen und eine Weltreise machen. Das ist nicht machbar und Kleinigkeiten können unser Leben wahnsinnig verändern. Wir müssen nicht gleich das Unternehmen wechseln und auswandern. Es reicht vorerst, die Kollegin im Büro zu besuchen, statt eine E-Mail zu schreiben, um die Kommunikation zu verbessern. Und dann immer weiter kleine Dinge ändern, mit denen man nicht zufrieden ist.

Und wenn die Lästereien in der Kaffeeküche die Stimmung wieder sinken lassen?
Wenn der Job mir gerade nicht so gefällt, rennen viele zuerst zu den Kollegen, denen der Job auch nicht gefällt. Ich empfehle, sich einmal am Tag mit den Kollegen zu unterhalten, die den Job gut finden. Wir sind soziale Wesen und passen uns unserem Umfeld an. Wähle ich die Miesmacher, werde ich relativ schnell schlechte Laune bekommen.

Und was empfehlen Sie Leuten, die auf die anstehenden Aufgaben einfach keine Lust haben, auch wenn der Job eigentlich super ist?
Denken Sie von der Zukunft her. Wie wird es mir gehen, wenn ich die Aufgabe erledigt habe? Besser oder schlechter? Wenn es Ihnen wahrscheinlich besser geht und Sie entspannter ins Wochenende gehen können, dann ran an den Feind und erledigen Sie die Aufgabe.

Wie wichtig ist es, dass wir im Job Erfüllung finden?
Das kommt darauf an. Wenn ich den Job nur brauche, um mein erfülltes Privatleben zu finanzieren, muss ich im Job nicht so erfüllt sein. Es muss mir aber sehr klar sein, dass mein Job mehr Zeit in Anspruch nimmt als meine Freizeit. Wenn ich das in Kauf nehmen kann, ist alles gut: Wenn ich aber eine Mission haben will, etwas verändern will, dann sollte ich auch einen Job machen, in dem ich diese Mission auch erfüllen kann.

Was ist wichtiger: Glück oder Gelassenheit?
Glück wird maßlos überschätzt, Gelassenheit ist viel wichtiger. Wir sind nicht für ewiges Glück gemacht und müssen das nicht anstreben. Hochs und Tiefs gehören zum Leben dazu, damit wir die Hochs auch zu schätzen wissen. Wer gelassen durch die Tiefs geht, kann mit mehr Energie ins Hoch starten.

Und wenn sich jemand trotz aller Gelassenheit von Idioten umzingelt fühlt?
...dann ist es höchste Zeit, zu gehen.

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