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Exklusive Analyse Dax 40 vernachlässigen Regeln für Liebe und Machtmissbrauch am Arbeitsplatz

Nur zwei der Firmen aus dem Dax haben in ihren Verhaltensregeln eindeutige Vorgaben für Interessenkonflikte und Machtmissbrauch formuliert, die aus einer intimen Beziehung zwischen Kollegen resultieren. Quelle: Getty Images

Eine Untersuchung der Verhaltensregeln für Beziehungen und Machtmissbrauch am Arbeitsplatz aller 40 Dax-Unternehmen zeigt: Die große Mehrheit hat gar keine. In den USA ist das ganz anders.

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In den 40 Dax-Unternehmen fehlen klare Standards zu Interessenkonflikten und Machtmissbrauch durch Beziehungen am Arbeitsplatz. Das ist das Ergebnis einer exklusiven Analyse der WirtschaftsWoche. Nur zwei der Firmen, Linde und Zalando, haben in ihren Verhaltensregeln eindeutige Vorgaben für diese Themen formuliert. Sie fordern ihre Mitarbeiter auf, Liebesbeziehungen zu Untergebenen offenzulegen und jede Form von Machtmissbrauch zu unterlassen.

Dass in vielen Unternehmen noch erheblicher Nachholbedarf herrscht, unflätiges Verhalten zu stoppen und zu sanktionieren, hat auch die nunmehr geschäftsführende Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht (SPD) erkannt. Am vergangenen Dienstag unterzeichneten sie und Dutzende Organisationen, darunter Daimler und Volkswagen, eine gemeinsame Erklärung gegen Sexismus. Darin fordern sie klare Leitlinien in Form von Betriebsvereinbarungen oder Dienstanweisungen.

In mehr als drei Viertel der sogenannten Codes of Conduct finden sich bislang keine oder nur sehr verklausulierte Hinweise auf Kollegen-Beziehungen oder Machtmissbrauch. Eine Sprecherin der Deutschen Bank verweist auf Infoveranstaltungen und verpflichtende Schulungen zur allgemeinen Unternehmenskultur. Anders als in den USA seien die Bankmitarbeiter in Deutschland aber nicht verpflichtet, intime Beziehungen zu offenbaren. Tatsächlich ist eine solche Pflicht hierzulande rechtlich nicht haltbar, in den USA hingegen schon.



Der Düsseldorfer Arbeitsrechtler Stefan Röhrborn sagt, die Akzeptanz solcher Kodizes sei hierzulande deutlich niedriger. Viele Unternehmen stünden ihnen kritisch gegenüber „und sagen: ‚Das muss ich mir nicht bieten lassen.“‘

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    Der Verlag Axel Springer will seinen Verhaltenskodex nach der Affäre um Julian Reichelt, ehemaliger Chefredakteur der auflagenstärksten Springer-Zeitung „Bild“, anpassen. Reichelt wurde Mitte Oktober freigestellt, nachdem immer mehr Beziehungen zu ihm unterstellten Mitarbeiterinnen bekannt geworden waren, in denen er seine Rolle als leitender Angestellter ausgenutzt haben soll. Ein Springer-Sprecher teilte auf Anfrage der WirtschaftsWoche mit, der Vorstand habe beschlossen, „dass es künftig die Pflicht geben soll, persönliche Beziehungen am Arbeitsplatz, die einen Interessenkonflikt auslösen können – und dazu zählen solche zwischen Vorgesetzten und ihren Mitarbeitern – transparent offenzulegen“. Noch fehle aber die nötige Zustimmung des Betriebsrates.

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    Wie eine entsprechende Passage im Verhaltenskodex aussehen kann, zeigt Linde. Der Gasekonzern bekommt nach der Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair erheblichen Einfluss von angloamerikanischer Seite. In dem Dokument heißt es: „Manager werden ihre Position nicht benutzen, um sexuelle Gefälligkeiten daraus zu ziehen, oder eine sexuelle Beziehung mit einem Angestellten eingehen, den sie direkt oder indirekt überwachen.“ Damit ist Linde im Dax-Vergleich eine Ausnahme.

    Mehr zum Thema: Die Affäre um den gestürzten „Bild“-Chefredakteur zeigt, welchen Einfluss US-Firmenkultur in Europa gewinnt. Bei Beziehungen in der Firma gilt dort ein Nulltoleranzkodex – mit entsprechend harten Konsequenzen.

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