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Fachkräftemangel 75 Prozent finden keine geeigneten Mitarbeiter

Für Unternehmen bleibt die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern die Herausforderung Nummer eins. Es fehlt aber nicht nur bei Fachkräften, auch bei ungelernten Arbeitern gibt es Mängel bei der Qualifikation.

Die Internet-Riesen suchen Mitarbeiter
Der Pharmahersteller Sanofi-Aventis will einem Bericht zufolge in Frankfurt rund 1000 neue Stellen schaffen. Noch in diesem Jahr wolle der Konzern 500 zusätzliche Mitarbeiter an seinem Standort in Frankfurt-Höchst einstellen, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Samstag) unter Berufung auf „informierte Kreise“. Bis 2017 sei ein weiterer Personalaufbau um 500 Arbeitsplätze geplant. Für die Produktion von Medikamenten für Zuckerkranke werde mehr Personal benötigt, schreibt die Zeitung. Eine Sprecherin des Unternehmens wollte den Bericht am Samstag nicht kommentieren. Das Frankfurter Werk ist laut Sanofi der weltweit größte Produktionsstandort für Insulin. Quelle: dpa
Der Gabelstapler-Hersteller Kion will kräftig in seine Forschung und Entwicklung investieren. In China sollen in den nächsten eineinhalb Jahren bis zu 150 neue Entwickler eingestellt werden, sagte Vorstandschef Gordon Riske in einem dpa-Interview in Wiesbaden. Der weltweit zweitgrößte Gabelstapler-Hersteller hat insgesamt elf Entwicklungszentren mit rund 950 Beschäftigten, davon vier in den Wachstumsmärkten China, Indien und Brasilien. Alleine etwa 300 Entwickler arbeiten in China. Mit den neuen Jobs will Kion vor allem Fahrzeuge für den asiatischen Raum entwickeln, aber auch Produktplattformen für andere Wachstumsmärkte entwerfen. Quelle: dpa
Der Autobauer Daimler übernimmt an seinem größten Produktionsstandort Sindelfingen 200 Leiharbeiter in eine Festanstellung. Dies teilte der Betriebsrat mit. Hundert von ihnen bekommen zunächst allerdings auf ein Jahr befristete Verträge. „Daimler wächst weltweit“, erklärte ein Sprecher. „Deshalb schaffen wir im Konzern neue Stellen.“ Der Autobauer steht derzeit wegen seiner Werkverträge in der Kritik und bemüht sich nun um eine Besserstellung der nicht fest angestellten Arbeitskräfte. Zuletzt hatte der Dax-Konzern bereits zahlreiche Werkverträge in bessergestellte Leiharbeitsverhältnisse geändert. Für diese gelten Tarifrechte wie der Anspruch auf eine feste Stelle nach 24 Monaten. Quelle: REUTERS
Dank guter Auslastung in seinen deutschen Werken übernimmt der Volkswagen-Konzern zum Jahreswechsel rund 1500 Leiharbeiter. 912 Zeitarbeitskräfte im Wolfsburger Stammwerk und 572 Zeitarbeitskollegen aus den anderen deutschen VW-Fabriken werden fest angestellt. Die Regelung gelte für alle VW-Leiharbeiter, die im Dezember, Januar oder Februar seit drei Jahren durchgehend in den deutschen VW-Werken gearbeitet haben werden. Eine neue Befristung wäre für die rund 1500 auf Zeit Angestellten gesetzlich verboten gewesen - VW hätte sie also entlassen oder, wie nun geplant, fest übernehmen müssen. Quelle: AP
Bosch stellt in Deutschland, Italien, Portugal und Spanien zusätzlich 100 Ausbildungsplätze für Jugendliche aus Südeuropa zur Verfügung. Hintergrund der Maßnahme ist die dort hohe Jugendarbeitslosigkeit. Das Projekt soll mit Ausbildungsjahr 2014 starten. Zusätzliche 50 Ausbildungsplätze in Deutschland werden mit Bewerbern aus Spanien besetzt. Für die Initiative werden rund 7,5 Millionen Euro über die nächsten vier Jahre zur Verfügung. Quelle: dpa
Der Sportwagenbauer Porsche hat im vergangenen Jahr seinen Mitarbeiterstamm deutlich ausgebaut. Ende September beschäftigte die VW-Tochter 18.882 Mitarbeiter nach 17.066 im Vorjahr, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Rund 700 Stellen seien im neuen Macan-Werk in Leipzig geschaffen worden, sagte ein Sprecher, der Rest am Porsche-Stammsitz in Zuffenhausen und im Entwicklungszentrum in Weissach nahe Stuttgart. Bis 2018 will Porsche seine Belegschaft auf gut 20.000 ausbauen. Der operative Gewinn der Sportwagenschmiede stagnierte allerdings in den ersten neun Monaten bei 1,89 Milliarden Euro. Grund seien die hohen Investitionen, sagte Porsche-Chef Matthias Müller. Porsche investiert in diesem Jahr rund 1,3 Milliarden Euro - unter anderem in die neue Macan-Produktion in Leipzig und rechnet deshalb 2013 mit einem Gewinn auf Vorjahresniveau. Bei Umsatz und Absatz ist der Sportwagenbauer dagegen auf dem Weg zu neuen Rekordwerten. Die Erlöse steigerte Porsche in den ersten neun Monaten um drei Prozent auf 10,4 Milliarden Euro. Dabei lieferte der Sportwagenbauer von Januar bis September fast 120.000 Fahrzeuge an Kunden aus - ein Plus von 15 Prozent. Quelle: dpa
BNP Paribas wird ihr Geschäft in Deutschland ausbauen und rund 500 Menschen einstellen. Es ist eine der führenden Geschäftsbanken in Frankreich - und eine der größten Banken Europas. Sie wird damit zum Konkurrenten der Deutschen Bank. Mit der Aufstockung der Mitarbeiter hat BNP Paribas dann rund 4000 Mitarbeiter in Deutschland. Quelle: REUTERS

Am deutschen Arbeitsmarkt geht es weiter bergauf. Das hat die Bundesagentur für Arbeit bekannt gegeben. Doch was aus Arbeitnehmersicht erfreulich ist, wird für die Unternehmen hierzulande zu einem dramatischen Problem: Ihnen gehen die Fachkräfte aus. Lediglich 25 Prozent der Unternehmen in Deutschland können freie Stellen bedarfsgerecht besetzen. „Drei von vier Firmen sehen dabei große Lücken“, sagt Andreas Dinges, der Geschäftsführer der Adecco Gruppe in Deutschland. „Jedes zweite Unternehmen hat zu wenig Bewerber mit Hochschul- oder Fachhochschulabschluss.“ Selbst im Bereich der ungelernten Tätigkeiten sieht es schlimm aus.

Qualifikation der Mitarbeiter ist die Hauptsorge

72 Prozent der Bewerber haben hier ein zu geringes Qualifikationsniveau. Das zeigt eine aktuelle Umfrage, die TNS Infratest im Auftrag der Adecco Gruppe durchgeführt hat. Erstmals wurden in 260 Interviews für den Adecco Arbeitsmarkt Monitor (AAM) Entscheider aus Unternehmen in Deutschland befragt. Diese Erhebung wird künftig in vierteljährlichem Abstand zu aktuellen Arbeitsmarkt-Themen durchgeführt. Der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern ist für die Entscheider in Unternehmen in Deutschland derzeit das wichtigste Thema der Zukunft. 67 Prozent von ihnen sehen darin der Umfrage zufolge eine große Herausforderung. Weitere Wettbewerbsfaktoren wie der zunehmende technische Fortschritt, die stärker werdende Globalisierung oder die immer kürzeren Konjunkturzyklen sind aus ihrer Sicht erst von nachrangiger Bedeutung.

Unternehmen bilden selbst weiter
Um die Fachkräftelücke zu schließen, setzen die befragten Unternehmen vor allem auf betriebliche Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter. 77 Prozent von ihnen halten der Umfrage zufolge solche Maßnahmen für besonders effektiv. Auch die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf schätzen die Entscheider positiv ein. Sieben von zehn Befragten wollen damit Fachkräfte von sich überzeugen. Für die interne Karriere-Entwicklung ihrer Mitarbeiter setzt ein gutes Drittel der Unternehmen Coaching-Programme oder Lebensarbeitszeit-Modelle ein. Nur jedes fünfte Unternehmen hält den Einsatz von Personaldienstleistern für geeignet, um Fachkräfte zu finden.

In Arbeit
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Der Adecco Arbeitsmarkt Monitor zeigt auch, dass für knapp drei Viertel der Entscheider Flexibilität in der Personalplanung ein wichtiges Kriterium für Wettbewerbsfähigkeit ist. Fast jedes zweite Unternehmen ist in diesem Punkt nach eigener Auffassung aber nicht gut aufgestellt. Nur rund jedes fünfte Unternehmen begegnet dieser Herausforderung mit dem Einsatz von Zeitarbeit. Arbeitszeitkonten und Überstunden schätzen die befragten Unternehmen als wichtigere Flexibilisierungs-Instrumente ein. „Dabei könnte gerade hier die Zeitarbeit ihre Stärken ausspielen“, sagt Andreas Dinges.

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