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Familie und Beruf Haltet die Hausarbeit in Ehren!

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Volkskrankheiten der Gegenwart

Die familienfreundlichsten Unternehmen
Bergmann Klaus Wuestenberg beobachtet den Abraumbagger SRs1541 waehrend des offiziellen Starts zum Aufschluss des neuen Kohlefeldes Quelle: AP
Blick auf das Logo der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) Quelle: dpa
Das Logo des TÜV Nord Quelle: dpa
Carina Sarstedt von Caritas International in Freiburg richtet Spendendosen Quelle: AP
Das Logo der Postbank Quelle: dpa
Ein Mitarbeiter der Eckes-Granini Deutschland GmbH steht inmitten der neuen PET-Produktionsanlage und kontrolliert eine Kunststoffflasche. Quelle: dpa
Ein Kunde greift in einem REWE City-Markt in Koeln nach einem Einkaufswagen Quelle: dapd

Doch die Gegenbewegung gegen die Expansion der Erwerbsarbeit kann gar nicht ausbleiben. Die seelischen Volkskrankheiten der Gegenwart – Burn-Out und ähnliche – sind auch Symptome des Ungleichgewichts zwischen Erwerbsleben und Privatheit.

Der überdimensionierte Fokus auf die Erwerbsarbeit und die Verachtung der Familienarbeit ändert nichts daran: Eine Gesellschaft, die nicht aus den abstrakten Nutzenmaximierern der ökonomischen Modellrechnungen, sondern aus Menschen mit menschlichen Bedürfnissen besteht, braucht eine Balance zwischen Erwerbsarbeit und informeller Arbeit, die in Familien und anderen freiwilligen Verbünden nach marktfremden Gesichtspunkten geleistet wird.   

Eine neue Wertschätzung für unbezahlte Arbeit in der Familie wird vermutlich schon dadurch unausweichlich, dass die Wachstumsmöglichkeiten der Wirtschaft und des Staates unübersehbar an ihre Grenzen kommen. Wenn die Wirtschaft nicht mehr wächst, werden die Menschen umso mehr auf ihre Familien angewiesen sein.

Im geregelten Erwerbsleben stehen die Einzelkämpfer besser da. Doch in Krisen sind Familien, wie Frank Schirrmacher in seinem Buch „Minimum“ zeigt, überlegen im Überlebenskampf: Die Einzelkämpfer kamen bei der Tragödie der Siedler am Donnerpass im Schneesturm zu Tode, Familienmitglieder hingegen überlebten.

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    Doch auch ohne die Angst vor der großen Krise stellt sich für Männer und Frauen jenseits von Schwesigs Vision der „Partnerschaftlichkeit“ eine grundsätzlichere Frage als die, wer den Abwasch am Feierabend übernimmt.

    Warum eigentlich soll eine Existenz als Sachbearbeiter in einem Großraumbüro, der für anderer Leute Kapital die Rendite erwirtschaftet, so viel erstrebenswerter sein als die Existenz von Müttern und Vätern, die ohne fremde Aufsicht eigenverantwortlich einen Haushalt führen und sich um das schönste und wichtigste auf der Welt kümmern, nämlich die eigenen Kinder?

    Könnte es vielleicht sein, dass für die Mehrheit der Männer und Frauen, die keine große Erfolgskarriere machen und sich nicht als „Supertalent“ selbst verwirklichen, sondern einfach nur ihren Karren mehr oder weniger gut bezahlt durch den Dreck ziehen, die Erwerbsarbeit sehr viel weniger befreiend ist, als die herrschende Erzählung der Emanzipation weismacht?

    Beruf



    Die Frage ist keineswegs hypothetisch, sondern stellt sich Menschen heute immer klarer, wenn sie realisieren, dass die Erwerbsarbeit keineswegs für jeden von ihnen eine Verheißung des großen Glücks ist.

    Die Frage wird befördert von den immer deutlicher werdenden Anzeichen der Überforderung der Gesellschaft durch das Eindringen der Marktmechanismen in alle Ritzen des Lebens. Je stärker die Erwerbstätigen unter der zunehmenden Verdichtung und Entgrenzung der Erwerbsarbeit leiden und je größer dadurch die Zahl der unter Stress, Burn-out und Erschöpfung leidenden Erwerbsarbeiter wird, desto eher dürfte die Erkenntnis wachsen, dass Kochen, Wickeln und Wäscheaufhängen im Vergleich dazu gar nicht so furchtbare Beschäftigungen sind.

    Zumindest solange man sie nicht als Dienstleister auf dem Arbeitsmarkt anbietet - sondern es aus Liebe tut. Und dafür von seinen Mitmenschen nicht als „Heimchen am Herd“ verachtet wird.

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