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Fernarbeit Heimweh nach der Firma

Vor allem die Deutschen freuen sich auf die Rückkehr ins Büro. Quelle: dpa

Die Deutschen freuen sich laut einer US-Studie auf die Rückkehr ins Büro. Nur eine Minderheit bevorzugt den Heimarbeitsplatz. Im Ausland sieht das ganz anders aus.

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Sollte das Recht auf einen Heimarbeitsplatz gesetzlich garantiert werden, wie es Arbeitsminister Heil wünscht? Oder reicht es aus, wenn das freiwillig geschieht? Glaubt man einer aktuellen US-Umfrage, tun sich die Deutschen mit Heimarbeit schwerer als gedacht, bevorzugen die Arbeit am Schreibtisch in der Firma. Mit dieser überraschenden Sehnsucht liegen sie international an der Spitze.

Das hat eine Studie des Softwareunternehmens Asana aus San Francisco ergeben. Der von Facebook-Mitschöpfer Dustin Moskovitz gegründete und geführte Anbieter von Projektmanagement-Softwares befragte 5140 Vollzeit-Angestellte aus Australien, Deutschland, Großbritannien, Japan und den USA über ihre Erfahrungen mit der Fernarbeit. Voraussetzung: Sie mussten schon vor Corona Schreibtischtäter sein, also mindestens 50 Prozent ihrer Arbeit vor dem Computer verbringen. Ihr Alter rangierte zwischen 35 und 44 Jahren, knapp die Hälfte war weiblich.

Demnach wollten nur 36 Prozent der befragten 1000 deutschen Arbeitnehmer nach dem Ende der verordneten Fernarbeit weiterhin hauptsächlich im Heimbüro arbeiten. In Australien ziehen hingegen 53 Prozent der Befragten die Arbeit im Homeoffice vor, in den USA immerhin die Hälfte. 47 Prozent der Japaner gefällt das heimische Office besser, dicht gefolgt von den Briten mit 46 Prozent.

Mit der Vorfreude der Deutschen auf die Arbeitskollegen oder gar den Chef lässt sich die Diskrepanz nicht erklären. Zwar vermissen 73 Prozent der Deutschen ihr gewohntes Arbeitsumfeld in der Firma. Doch damit liegen sie hinter den Australiern mit 80 Prozent, den Briten und den Amerikanern. Nur die Japaner scheinen die sozialen Kontakte mehrheitlich nicht zu missen. Über die Hälfte gab an, dass ihnen die Kollegen nicht fehlen.

Erklären lässt sich das deutsche Heimweh nach dem Schreibtisch in der Firma auch mit kulturellen Unterschieden. In den USA beispielsweise wird weit weniger zwischen Job und Privatleben getrennt, gerade in der Hightech-Branche verschmilzt beides zunehmend.

Vielleicht liegt es auch an den Herausforderungen der Kinderbetreuung, die 86 Prozent der befragten Deutschen nannte. Sowie an Selbstmotivation und Disziplin, die bis auf die USA der Mehrheit der Befragten zu schaffen machte. Wobei die Motivation der US-Arbeitnehmer vermutlich der Sorge um die eigene wirtschaftliche Lage entspringt. 45 Prozent der US-Arbeitnehmer bangen um diese, in Deutschland hingegen nur ein Viertel der Befragten.

Sollte es den Deutschen im Heimbüro an Disziplin mangeln, so schlägt sich das allerdings nicht in der Arbeit nieder, sondern scheint ein psychologisches Problem zu sein. Während vor allem die Briten freimütig zugeben (57 Prozent) sich zu Hause zusätzliche Pausen zu gönnen, gefolgt mit 53 Prozent der Amerikaner, nutzen nur 49 Prozent der Deutschen diese Freiheit.

Im Vergleich zu den anderen Ländern haben sich in Deutschland die Arbeitszeiten am meisten verändert. Nur 29 Prozent der Befragten aus Deutschland gaben an, dass ihre Arbeitszeiten gleichgeblieben sind. In den USA und Australien sind es 46 Prozent, in Japan 47 Prozent. Parallel hat sich der Arbeitsrhythmus der Deutschen verändert. 37 Prozent fangen im Heimbüro früher mit der Arbeit an, 32 Prozent arbeiten später am Abend.

International gibt es jedoch auch viele Gemeinsamkeiten. Über die Hälfte der Befragten hatten mit dem wegen Corona überstürzten Umzug ins Heimbüro Schwierigkeiten, weil es an einem eigenen Schreibtisch, Computer oder einer zuverlässigen Internet-Verbindung mangelte. Nach dem Siegeszug von Personalcomputer, Smartphone und Internet ist das erstaunlich.

Dafür treibt die Quarantäne vom Firmenschreibtisch nun die Digitalisierung voran. Fast zwei Drittel der Befragten gaben an, digitale Tools jetzt häufiger zu verwenden. Jeder fünfte machte sich sogar zum ersten Mal mit ihnen vertraut. Dass 55 Prozent der Befragten meinen, dass ihre Produktivität gestiegen ist, weil sie Software zum Managen ihrer Arbeit verwenden, müssen unabhängige Untersuchungen bestätigen. Asana, der Auftraggeber der Studie, verdient schließlich sein Geld damit.


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