WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Filmkritik zu Stromberg Der schrecklichste Chef der Welt kehrt zurück

Heute startet „Stromberg – Der Film“ in den deutschen Kinos. Lohnt sich der Besuch? Ja, meint WirtschaftsWoche-Redakteur Daniel Rettig .

Strombergs fieseste Sprüche
Im "Stromberg"-Kinofilm bricht die ganze Belegschaft zu einer gemeinsamen Firmenfeier nach Botzenburg auf. Wie könnte es anders sein mit Bernd Stromberg (gespielt von Christoph Maria Herbst) als Anführer: "Firmenfeiern sind wie das letzte Abendmahl. Immer zu wenig Weiber, das Essen ist schlecht und am Ende gibt's Ärger". Der hat kurz vorher erfahren, dass die Konzernführung plant, die Versicherung dicht zu machen. Quelle: dpa
Nun versucht jeder sich in eine möglichst gute Position zu bringen, denn es droht die Arbeitslosigkeit, wenn der Sprung in die Zentrale nicht vor dem Aus des Unternehmens gelingt. Stromberg setzt alles daran, die Führungsriege von seinen Qualitäten zu überzeugen. „Probleme sind wie Brüste“, weiß Stromberg. „Wenn man die anfasst, macht's doch erst am meisten Spaß.“ Gefahr droht von Berthold „Ernie“ Heisterkamp, der sich durch ein Karriere-Coaching vom „Akten-Mongo“ zum Bürostreber entwickelt hat. Quelle: dpa
Mit allen Mitteln versucht Stromberg, die obere Chefetage für sich zu gewinnen - das kann er am besten mit falschen Versprechungen und alkoholgetränkten Überredungskünsten: "Ich bin ja quasi die perfekte Mischung aus jung, aber sehr erfahren. Gibt's in der Form ja sonst nur auf dem Straßenstrich." Quelle: dpa
"Büro ist wie Achterbahn fahren, ein ständiges Auf und Ab. Wenn man das acht Stunden machen muss, täglich, dann kotzt man irgendwann." 25 Jahre hat Stromberg durchgehalten und es dabei auch geschafft, dass ihn niemand kennt und die, die ihn kennen, meiden den Kontakt mit ihm - ein Spruch der allerersten Folge. Quelle: obs
"Die Moslems sind die neuen Homosexuellen! Wo man damals immer gesagt hat: Ekelhaft, bleib mir vom Leib - nee! Heute weiß man - wissenschaftlich -, dass die praktisch ganz normal sind. Nur eben anders." Quelle: dpa
Das erklärte Ziel von Stromberg und kein bisschen größenwahnsinnig: "Ich mach's wie der liebe Gott. Der lässt sich auch nicht so oft blicken und hat trotzdem ein gutes Image." Quelle: dpa
"Ich bin für klare Hierarchien. Gott hat ja auch nicht zu Moses gesagt: 'Hier Moses, ich hab da mal was aufgeschrieben, was mir nicht so gut gefällt. Falls du Lust hast, schau doch da mal drüber.' Nein, da hieß es: Zack, zehn Gebote! Und wer nicht pariert, kommt in die Hölle. Bums, aus, Nikolaus." Am Ende kann es sicher nur einen Gewinner geben, Stromberg. Aber der muss sich entscheiden: Will er den Sensenmann spielen, der gut gelaunt seinen Leuten die Kündigung beibringt - oder will er selbst das Büro räumen? Quelle: dpa

Eigentlich konnte es nur schief gehen. Nach fünf Staffeln und 46 Folgen waren selbst echte Stromberg-Fans müde. Die Chancen waren gut, dass „Stromberg – Der Film“ die Zuschauer enttäuscht. Doch diese Enttäuschung bleibt aus. Wer die Serie „Stromberg“ mochte, wird den Film ebenfalls mögen.

Dessen Geschichte ist schnell erzählt: Die Capitol-Versicherung will ihr 50. Jubiläum feiern, zusammen mit allen Mitarbeitern. Zunächst will Stromberg seiner Abteilung untersagen, zur Feier zu fahren. Doch als er vom Hausmeister durch Zufall erfährt, dass die Niederlassung geschlossen werden soll, entscheidet er sich anders – denn er will sich auf dem Fest bei den Vorständen einschleimen und einen neuen Job sichern. Am Ende kommt alles ganz anders. Was auch daran liegt, dass Stromberg die Teilnahme an einer Orgie mit Prostituierten ablehnt.

Sicher, 129 Minuten Spielfilmlänge sind ambitioniert – und so ertappen sich selbst hart gesottene Fans zwischendurch beim Gang ins geistige Exil. Gewisse Längen hat der Film zweifelsohne, dennoch ist er sehenswert. Aus drei Gründen.

Erstens hat Drehbuchautor Ralf Husmann der Figur Stromberg wieder einige denkwürdige Sprüche in den Mund gelegt, mit denen der Versicherungsangestellte seine Sicht auf die Welt im Allgemeinen und den Mikrokosmos Büro im Besonderen kundtut. Zu Beginn des Films deutet Stromberg an, dass er beruflich nun seine Erfüllung gefunden habe und endlich glücklich sei: „Mir grinst die Sonne aus jeder Ritze. Wenn du als Rembrandt jahrelang im Orchester sitzt und denkst: Orr, spiel’ ich scheiße! Und dann kommt jemand und sagt: Versuchs doch mal mit Malen! Tja, und das ist hier nun mein Atelier.“

Zweitens glänzt Hauptdarsteller Christoph Maria Herbst. Vor allem in den letzten Staffeln schien er der Figur überdrüssig, die Witze wirkten auserzählt. Im Film ist Herbst wieder voll da.

Drittens - und das ist das eigentliche Alleinstellungsmerkmal - karikiert der Film einmal mehr den Alltag in deutschen Büros. Letztlich ist der Arbeitsplatz doch eine große Bühne. Deshalb findet jeder Zuschauer kleine Elemente seines Alltags im Film wieder.

Da ist der chauvinistische, sexistische und opportunistische Chef Stromberg, der nach unten tritt und nach oben buckelt. Sein Motto: „Ich bin der Chef der Abteilung, du bist nur der Stellvertreter Gottes auf Erden. Du bist das Kloschild, ich bin das richtige Scheißhaus.“

Da ist der fleißige Angestellte „Ernie“, dessen Gutherzigkeit und Naivität von den Kollegen ausgenutzt wird. Und da ist das verheiratete Kollegenpaar Ulf und Tanja Steinke, dessen Harmonie und Romantik zwischen Kantine und Kaffeeküche verloren ging.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Genau diese Karikaturen machen den Film sehenswert. Natürlich sind die Figuren gnadenlos überzeichnet. Kein Chef nennt seinen indischen Mitarbeiter vor aller Augen „Gandhi“, den adipösen Angestellten „Gurkenpudding“ oder den vertrottelten Untergebenen „Bumsbirne“.

Doch die Figuren im Film enthalten alle mindestens Spurenelemente der Wahrheit – ebenso wie Strombergs Klischees und Kalenderweisheiten. Der Film hält allen Angestellten und Vorgesetzten gnadenlos den Spiegel vor, egal ob sie im Büro oder in einer Fabrik arbeiten.

Natürlich ist dieser Blick in den Spiegel bisweilen unerfreulich und verletzend, aber immer authentisch und ehrlich. „Büro ist Krieg“, sagt Stromberg im Film, „und den gewinnt man nicht bei der Heilsarmee, sondern mit der Fremdenlegion.“

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%