Flexible Arbeitszeiten Warum Deutsche von der Vier-Tage-Woche nur träumen können

Die japanische Modekette Uniqlo testet die Vier-Tage-Woche. An der Anzahl der Arbeitsstunden ändert sich allerdings nichts. Und genau das wäre in Deutschland nicht möglich. Hier gilt: Weniger Arbeitstage, weniger Geld.

Menschen stehen vor dem deutschen Flagship-Store von Uniqlo in Berlin Quelle: REUTERS

Seit den 1930er Jahren arbeiten die Menschen in Europa und den USA fünf Tage die Woche, Samstag und Sonntag sollen der Erholung dienen. Davor gehörte die Sechs-Tage-Woche zum guten Ton. Derzeit verteilt der Durchschnittsdeutsche 40,3 Stunden auf insgesamt fünf Arbeitstage in der Woche, wie die Statistik zeigt. Überstunden sind hier schon miteingerichtet - vertraglich vereinbart ist in der Regel die 35- bis 38-Stunden-Woche. Eher mehr als weniger zu arbeiten ist auch in Japan ganz normal. 22 Prozent der Japaner arbeiten mehr als 49 Stunden pro Woche, 42,6 Prozent machen häufig unbezahlte Überstunden.

Entsprechend groß war die Überraschung, als ein japanisches Modeunternehmen ankündigte, die Vier-Tage-Woche zu testen. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg sollen die 2000 festangestellten Mitarbeitern der Kette Uniqlo ihre 40-Stunden-Woche an vier, statt an fünf Tagen abarbeiten. Am Wochenende müssen die Angestellten trotzdem im Laden stehen - schließlich gehen die Kunden eher samstags als montags shoppen.

In Deutschland gilt "9 to 3" statt 60-Stunden-Woche
Eine Hand steckt eine Karte in ein Arbeitszeiterfassungsgerät, eine so genannte Stechuhr. Quelle: dpa
Ein Mann telefoniert am Arbeitsplatz Quelle: dpa
Ein Zusatzschild eines Verkehrsschildes zeigt eine Familie mit Kinderwagen. Quelle: dpa
Eine Frau sitzt am 26.09.2007 mit ihrem Kind vor einem Laptop und telefoniert mit einem Handy. Quelle: dpa
Nachtschicht geht diese VW-Mitarbeiter durch das Tor 17 in das VW-Stammwerk in Wolfsburg. Quelle: dpa
Ein Kunde nimmt in Düsseldorf eine Broschüre zum Thema Kurzarbeit aus dem Regal. Quelle: dpa
Anteil der Zeitarbeiter in DeutschlandDer Anteil von Zeitarbeit in Deutschland ist zwar zurückgegangen, aber immer noch höher als in anderen europäischen Staaten. Der Gesamtanteil liegt bei rund drei Prozent, von den 15- bis 24-Jähringen sind 4,5 Prozent in Zeitarbeit beschäftigt. Nur in Frankreich gibt es noch mehr junge Menschen, die über eine Zeitarbeitsfirma den Einstieg ins Berufsleben versuchen. Quelle: Fotolia
Illustration zu Vorurteilen gegenüber Zeitarbeit Quelle: obs
Ein Fensterputzer reinigt die Fensterscheiben des Paul-Löbe-Hauses in Berlin. Quelle: dpa

Laut Uniqlo sollen Vollzeitbeschäftigte so Familie und Job besser unter einen Hut bekommen. Arbeitsmarktexperten gehen jedoch davon aus, dass es dem Management viel mehr darum geht, Lohnkosten zu sparen. Denn in Stoßzeiten oder im Saisongeschäft müssen geleistete Stunden, die über den acht-Stunden-Tag hinausgehen, nicht bezahlt werden. Arbeiten also künftig die Angestellten von Uniqlo samstags zehn Stunden, muss das Unternehmen nur acht bezahlen, weil es sich auf die Spitzenzeiten-Regelung im japanischen Arbeitsrecht berufen kann.

Ende der Fünf-Tage-Woche?

Auch andere Unternehmen machen sich für eine kürzere Arbeitswoche stark. So sagte der mexikanische Unternehmer und reichster Mann der Welt, Carlos Slim, im vergangenen Herbst, dass Arbeitnehmer nur noch drei statt fünf Tage arbeiten sollten. So hätten sie mehr Zeit für die Familie, die persönliche Weiterbildung oder schlicht, um zu entspannen. Allerdings sollen die Mitarbeiter laut Slim dann ebenfalls 40 Stunden auf vier Tage aufteilen. Der App-Entwickler Basecamp dagegen testete ein halbes Jahr lang die 32-Stunden-Woche an vier Tagen. Auch bei einer Online-Plattform für Programmiersprachen, dem amerikanischen Unternehmen Treehouse, gibt es die Vier-Tage-Woche mit geringeren Arbeitszeiten.

Sowohl bei Basecamp als auch bei Treehouse konnte man beobachten, dass die Mitarbeiter weniger unter Montagsblues leiden, effektiver arbeiten und weniger fehlen allein schon, weil sie Arzttermine oder Besuche vom Handwerker auf ihren freien Wochentag legten und sich nicht extra frei nehmen mussten. John Ashton von der britischen Faculty of Public Health hat außerdem belegen können, dass eine verkürzte Arbeitswoche für geringere Stresswerte und einen niedrigeren Blutdruck sorgt. Damit das zutrifft, muss die Arbeit allerdings so umverteilt werden, dass sie sich an vier Tagen auch erledigen lässt.

Wer in Deutschland verlangt, einfach die reguläre Wochenarbeitszeit an vier statt an fünf Tagen abzureißen, wird von Betriebsräten und Gewerkschaften das Entsprechende zu hören bekommen. Um die Vier-Tage-Woche a lá Basecamp & Co. hierzulande umzusetzen, müsste die Wochenarbeitszeit gesenkt werden. In den Arbeitsverträgen sollte das kein Problem sein. Immerhin klafft schon jetzt eine Lücke zwischen der Zeit, die die Deutschen laut Vertrag arbeiten und der Zeit, die sie im Büro oder der Fabrik verbringen.

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Doch es ist auch schlicht so, dass den Unternehmen ein Tag verloren ginge, an dem niemand im Geschäft die Produkte verkauft beziehungsweise keiner Produkte herstellt. Deshalb wäre der freie Freitag oder der freie Montag ein Wettbewerbsnachteil.

Anders sieht es aus, wenn jeder Mitarbeiter an einem anderen Tag frei hat. Auch Schichtarbeit könnte das Problem lösen: So könnte ein Teil der Belegschaft montags bis donnerstags arbeiten und der andere Teil dienstags bis freitags. Der britische Unternehmer und Lebemann Richard Branson hat dagegen vorgeschlagen, einfach mehr Leute in Teilzeit als in Vollzeit einzustellen.

In Arbeit
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In Deutschland dachte als Erste die Gewerkschaft IG BCE laut über eine Drei- oder Vier-Tage-Woche nach. Allerdings nur für Mitarbeiter ab dem 60. Lebensjahr. "Es geht darum, die Belastungen zu verringern, dann können die Beschäftigten auch länger in den Betrieben gehalten werden", sagt Peter Hausmann, Vorstand der IG BCE.

Natürlich gibt es schon deutsche Unternehmen, die ihren Mitarbeitern die Vier-Tage-Woche anbieten. Das Modell 80 Prozent arbeiten, 100 Prozent Gehalt, sucht man dagegen vergebens. Hierzulande ist die Vier-Tage-Woche ein Downshifting-Modell für jene, die es sich leisten können und wollen, für ihre Freizeit auf Geld zu verzichten. Den britischen Ökonom John Maynard Keynes hätte das sicher erstaunt: Er war sich bei der flächendeckenden Einführung der Fünf-Tage-Woche ganz sicher, dass Menschen im Jahr 2028 nur noch 15 Stunden pro Woche arbeiten müssen.

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