Forscher zur Lohnlücke Die Unternehmen sind nicht schuld

Um mehr Lohngleichheit für Männer und Frauen zu schaffen, pocht Manuela Schwesig auf ihre Gesetzespläne. Zum Widerstand der Union kommt nun auch noch Einspruch von Wirtschaftsforschern.

Frauen verdienen im Durchschnitt rund ein Fünftel weniger als Männer Quelle: Fotolia

Der Unterschied beim Durchschnittseinkommen von Frauen und Männern in Deutschland lässt sich aus Sicht des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) nicht per Gesetz beheben. „Die Annahme, bei der Lohnlücke handele es sich um Diskriminierung durch die Unternehmen, ist unsachgemäß“, sagte der Direktor des arbeitgebernahen Instituts, Michael Hüther, in Berlin. Hüther stellte sich damit gegen Frauenministerin Manuela Schwesig (SPD), die auf baldige Umsetzung ihres Gesetzesplans zur Lohngleichheit pocht.

Die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern

Die Tatsache, dass Frauen im Durchschnitt rund ein Fünftel weniger verdienten als Männer, ergebe sich vor allem aus individuellen Entscheidungen, heißt es in der IW-Analyse. Ausschlaggebend für die Lohnhöhe seien unter anderem Faktoren wie Branche und Betriebsgröße. Zudem nähmen Frauen seltener Führungsaufgaben wahr und arbeiteten häufiger in Teilzeit als Männer.

So seien gut drei Viertel aller Stellen in den eher niedrig entlohnten Bereichen Erziehung und Unterricht sowie im Gesundheits- und Sozialwesen von Frauen besetzt, heißt es in der Studie. In der Industrie, in der die Löhne eher höher sind, seien es weniger als drei von zehn. Ohne diese Parameter habe es im Jahr 2013 lediglich eine Lohnlücke von rund 6,6 Prozent gegeben - das sei einer der niedrigsten Werte in der EU. Der Politik fehle deshalb die entscheidende Begründung für das Lohngerechtigkeitsgesetz, meinte Hüther.

Die Gewerkschaften widersprachen dem IW. Gesetzliche Anstrengungen seien ebenso wie Bemühungen der Tarifparteien nötig, um die Ungleichheit von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt zu überwinden, sagte der IG-Metall-Chef Jörg Hofmann. „Der Markt wird das nicht richten.“ DGB-Vizechefin Elke Hannack sagte: „Um da Transparenz reinzukriegen und Benachteiligungen aufzudecken, brauchen wir das Lohngerechtigkeitsgesetz.“

Bereits in der Koalition hat der Entwurf von Schwesig für Streit gesorgt. Geplant ist unter anderem, dass Beschäftigte Auskunft über das Gehalt von Kollegen bekommen sollen. Die Union will, dass das nur in Betrieben ab 500 Beschäftigten zum Tragen kommt.

Die Chefin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Michaela Rosenberger, kritisierte: „Im Klartext heißt das: In der Ernährungsindustrie und im Gastgewerbe wäre dieses Gesetz praktisch wirkungslos.“ Denn dort gebe es viele kleine und mittelständische Strukturen und nur eine Handvoll Unternehmen, die mehr als 500 Arbeitnehmer beschäftigen.

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