WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Fragen und Antworten Was Sie über das Weihnachtsgeld wissen müssen

Mit dem November-Gehalt gibt es für Millionen Beschäftigte Weihnachtsgeld. Teils ist das ein volles Monatsgehalt extra - und ein warmer Regen für den Handel. Wer wie viel bekommt, was damit passiert.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Illustration Weihnachtsgeld Quelle: dpa

Beim Blick auf den November-Gehaltszettel steigt bei Millionen Beschäftigten die Laune. Einige Hundert Euro extra stehen dort vielfach oder sogar ein halbes bis ganzes Monatsgehalt zusätzlich: Weihnachtsgeld. Die deutsche Wirtschaft muss dafür zwar Milliarden-Mehrausgaben stemmen, doch zugleich kurbelt das Weihnachtsgeld zum Jahresende kräftig den Konsum an. Fragen und Antworten zum Weihnachtsgeld:

Ist das Weihnachtsgeld freiwillig oder Bestandteil des Lohns?

Ursprünglich ist das Weihnachtsgeld eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers, mit der Betriebstreue und Arbeitsleistung honoriert werden können. Wird es in Betriebsvereinbarungen, Arbeits- oder Tarifverträgen zugesagt, dürfen Arbeitgeber die Zahlung aber nicht einfach einstellen. Auch nach mehrjähriger Zahlung ohne Einschränkungen entsteht vielfach ein Anspruch, wenn der Arbeitgeber nicht ausdrücklich jedes Jahr neu die Freiwilligkeit betont.

Wer sich auf Weihnachtsgeld freuen darf
Rechtsanspruch Quelle: dpa
Jeder zweite bekommt Weihnachtsgeld Quelle: obs
Gewinner sind Banker, Chemikanten, Drucker Quelle: dpa
Versicherungsgewerbe Quelle: dpa/dpaweb
Handel Quelle: dpa
Öffentlicher Dienst und Beamte Quelle: dpa
Arbeitsvertrag entscheidet Quelle: dpa


Wer bekommt die Leistung?

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    In diesem Jahr bekommen gut die Hälfte (54 Prozent) der deutschen Beschäftigten Weihnachtsgeld - 56 Prozent in West- und nur 40 Prozent in Ostdeutschland. Das hat das Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in einer Online-Umfrage mit 8800 Beteiligten herausgefunden. Grundlage sind meist Tarifverträge, die feste Summen (seltener) oder einen Anteil am Monatsgehalt als Jahressonderzahlung festlegen. Dadurch wächst das Weihnachtsgeld auch mit den tariflichen Gehaltssteigerungen - in diesem Jahr nach Schätzungen im Schnitt um knapp drei Prozent. Das bringe den Beschäftigten angesichts der niedrigen Inflation einen kräftigen Reallohnzuwachs, sagt der Tarifexperte Hagen Lesch vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW).


    Wie viel kommt da zusammen?

    Auf insgesamt rund 50 Milliarden Euro schätzen Lesch und sein IW-Kollege Christoph Schröder die Sonderzahlungen der Wirtschaft am Jahresende. Die Summe enthält allerdings auch andere Formen der Gratifikation - etwa als Gewinnbeteiligungen, wie sie zum Beispiel in der Autoindustrie mit Ergebnisprämien von teils über 8000 Euro pro Mitarbeiter ausgeschüttet wurden. Solche Angebote seien vielen Firmen eigentlich lieber, weil sie variabler und stärker mit dem Unternehmenserfolg verknüpft seien, sagt Lesch. Dennoch bleibe das Weihnachtsgeld auch im Arbeitgeberlager unumstritten.

    Wer legt die Höhe des Weihnachtsgelds fest?

    Was die Höhe angeht, haben Arbeitgeber freie Hand. Manche zahlen 60 Prozent eines Monatslohnes, manche ein volles Monatsgehalt.

    Sachleistungen als Alternative

    Muss das Weihnachtsgeld voll versteuert werden?

    Egal ob Weihnachtsgeld, Bonuszahlung oder Gewinnbeteiligung: Sie unter, sämtliche Zahlungen eines Arbeitgebers unterliegen der Einkommensteuer. Was noch schlimmer ist: Durch die Sonderzahlung steigt bei vielen Arbeitnehmern im Monat der Auszahlung der Steuersatz aufgrund des progressiven Steuertarifs. Auf das Jahr gerechnet, kann es sein, dass der Arbeitnehmer dann zu viel Steuern zahlt. Um sich zumindest etwas davon zurückzuholen, muss der Arbeitnehmer eine Steuererklärung machen.

    Wie viel Autobauer ihren Mitarbeitern zahlen
    Porsche hat im vergangenen Jahr zum ersten Mal mehr als 200.000 Autos verkauft – mit 225.121 Autos legte der Absatz um 19 Prozent zu. Treiber für das kräftige Absatzwachstum ist das Kompakt-SUV Macan, das in seinem ersten vollen Produktionsjahr mit mehr als 80.000 Einheiten auf Anhieb zum meistverkauften Modell der Zuffenhausener aufgestiegen ist. Porsche zahlt seinen Tarifmitarbeitern für 2015 eine Prämie von 8.911 Euro. Davon werden 8.211 Euro direkt ausgezahlt, 700 Euro gibt es als Sonderbeitrag zur Porsche-eigenen Betriebsrente oder der privaten Altersvorsorge. Im Leipziger Werk – wo das Erfolgsmodell Macan gefertigt wird – werden aber nur wenige Arbeiter in den Genuss des Boni kommen – ein großer Teil der Belegschaft ist hier über Werkverträge angestellt und ist damit von der Sonderzahlung ausgeschlossen. Die gibt es nur für die Tarifmitarbeiter. Die Porsche-Mutter Volkswagen hat wegen des Abgasskandals seine Bilanzpressekonferenz auf den 28. April verschoben und somit die Höhe der Mitarbeiterprämie noch nicht genannt. Klar ist nur: Trotz der Kosten des Abgasskandals wird es einen Bonus für die rund 100.000 Stamm-Beschäftigten geben. Vorstandschef Matthias Müller und der Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh hätten sich auf eine Anerkennungsprämie geeinigt, hieß es in einem Artikel der Mitarbeiter-Zeitschrift "Mitbestimmen". "Über die konkrete Höhe müssen wir uns in weiteren Gesprächen verständigen", sagte Osterloh der Zeitschrift. Die Prämie solle im Mai 2016 gezahlt werden. Quelle: dpa
    2015 war ein herausragendes Jahr für BMW: Die Erlöse kletterten um 14,6 Prozent auf 92,2 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern legte um 5,2 Prozent auf 9,6 Milliarden Euro zu. Unterm Strich blieben 6,4 Milliarden Euro als Konzernüberschuss übrig - 10 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Auch die Mitarbeiter können sich über eine stattliche Erfolgsprämie freuen. Ein Facharbeiter der Gehaltsgruppe 5 soll für das abgelaufene Jahr eine Erfolgsbeteiligung von 8.375 Euro erhalten. Bei BMW wird nach Tarifgruppen unterschieden. Den vollen Bonus bekommt bei den Münchnern, wer seit vier Jahren beim Konzern ist. Vorher wird die Prämie anteilig ausgezahlt. Das Geld soll gegen Mitte des Jahres fließen. „Die Kolleginnen und Kollegen haben auch im vergangenen Jahr herausragende Arbeit geleistet“, erklärte Gesamtbetriebsratschef Manfred Schoch, „damit haben sie sich eine ordentliche Erfolgsbeteiligung verdient.“ Der Zuwachs bei der Prämie fällt allerdings für das vergangene Jahr mager aus. Die 8.375 Euro sind lediglich 10 Euro oder 0,1 Prozent mehr als im vergangenen Jahr, während der BMW-Konzernüberschuss im vergangenen Jahr um 10 Prozent gestiegen war. BMW zahlt nichtsdestotrotz eine vergleichsweise hohe Prämie an seine Mitarbeiter – hier eine Übersicht der deutschen Autobauer. Quelle: dpa
    Auch Audi hat bereits enthüllt, welche Prämie die Mitarbeiter bekommen sollen – und das ist weniger als im Vorjahr. Unter anderem wegen der Diesel-Affäre haben die Ingolstädter trotz Absatz- und Umsatzplus (58,4 Milliarden Euro, + 8,6 Prozent) weniger Gewinn gemacht. Wegen Rückstellungen für den Abgasskandal und steigenden Investitionen fiel das Betriebsergebnis um sechs Prozent auf 4,84 Milliarden Euro. Für die Tarifmitarbeiter an den Standorten Ingolstadt und Neckarsulm heißt das: Statt 6.540 Euro wir für das Geschäftsjahr 2014 werden für 2015 durchschnittlich nur 5.420 Euro ausbezahlt. Quelle: AP
    Für Daimler war das 2015 ein Rekordjahr – noch nie hat der Stuttgarter Konzern so viel verkauft, umgesetzt und verdient wie im abgelaufenen Geschäftsjahr. Daran sollen auch die Mitarbeiter teilhaben – oder zumindest die anspruchsberechtigten Beschäftigten, bei Daimler sind das rund 135.000 Tarifarbeiter. Mit dem April-Gehalt bekommen sie eine Prämie von 5.650 Euro ausbezahlt. Für Daimler ist das die bis dato höchste Summe. Für 2014 waren es noch 4.350 Euro – auch damals ein Rekord. Quelle: dpa
    Porsche-Geschäftsjahr 2014:Die Erfolge des Sportwagenbauers Porsche zahlten sich auch für die Mitarbeiter aus. Die nach Tarifvertrag Beschäftigten der VW-Tochter bekamen für das Geschäftsjahr 2014 eine Sonderzahlung von 8.600 Euro. 700 Euro waren davon für die persönliche Altersvorsorge vorgesehen. Insgesamt konnten sich rund 14.600 der weltweit 22.400 Mitarbeiter von Porsche über das Extra freuen. Quelle: dpa
    Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG Quelle: dpa
    Volkswagen-Geschäftsjahr 2014:Egal ob Kantinenpersonal, Fließbandarbeiter oder Ingenieur: Auf die Beschäftigten im VW-Haustarif prasselte im vergangenen Frühjahr abermals ein warmer Geldregen nieder. Auch wenn die Prämie von 5.900 Euro pro Kopf 300 Euro kleiner ausfiel als vor einem Jahr, bleibt die ausgeschüttete Gesamtsumme mit fast 700 Millionen Euro konstant – denn binnen Jahresfrist kamen rund 5.500 neue Mitarbeiter hinzu. Quelle: REUTERS


    Und was machen die Beschäftigten mit dem Geld?

    Viele geben es zur Freude des deutschen Einzelhandels gleich wieder aus, sagt der Leiter des Tarifarchivs, Reinhard Bispinck: „Nach meiner Einschätzung wird ein großer Teil in der Tat direkt für die Weihnachtseinkäufe verwendet, ist also für das Weihnachtsgeschäft tatsächlich von erheblicher Bedeutung.“ Außerdem nutzten Beschäftigte das Geld für ihre Alterssicherung, Reisen oder größere Anschaffungen. „Das Weihnachtsgeld trägt ein Stück weit dazu bei, dass der Einzelhandel seinen Umsatzhöhepunkt zum Jahresende erreicht“, bestätigt der Chefvolkswirt des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Olaf Roik. Allerdings landet auch nach Roiks Erfahrungen nur ein Teil der Sonderzahlung in Form von Geschenken unter dem Weihnachtsbaum.

    Top-Jobs des Tages

    Jetzt die besten Jobs finden und
    per E-Mail benachrichtigt werden.

    Standort erkennen

      Und wer nichts kriegt?

      Die Zahlung von Weihnachtsgeld trägt natürlich erheblich zur Attraktivität einer Stelle bei. Das könnte in Zeiten des Fachkräftemangels noch an Bedeutung gewinnen. Stellen mit Tarifvertrag haben dabei aus Sicht der Beschäftigten deutliche Vorteile: 72 Prozent der Tarif-Mitarbeiter bekommen laut der Umfrage die Leistung, aber nur 42 Prozent der nicht tarifgebundenen. Wenn das Weihnachtsgeld gestrichen oder nachträglich verweigert wird, führt das regelmäßig zu Prozessen bei Arbeitsgerichten - etwa um die Frage, ob die Leistung kürzbar ist oder bei vorzeitiger Kündigung gestrichen beziehungsweise zurückverlangt werden kann.

      Beruf



      Sachleistungen wären eine Alternative

      Arbeitgeber, die wegen der Steuerpflicht und Sozialabgaben das Weihnachtsgeld nicht zahlen wollen, könnten über Sachleistungen als Alternative nachdenken. Das kann etwa Notebook oder ein Smartphone sein, dass zur privaten Nutzung überlassen wird. Derartige Sachleistungen sind steuerfrei. Ein Dienstfahrzeug zur privaten Nutzung muss der Arbeitnehmer jedoch wegen des geldwerten Vorteils versteuern – entsprechend der privaten Nutzung entweder pauschal oder anhand eines Nutzungsnachweises durch ein Fahrtenbuch.

      © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
      Zur Startseite
      -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%