Frauen in Führungspositionen Nur warmherzige Frauen gelten als selbstbewusst

Einer neuen Studie zufolge werden Männer und Frauen nach unterschiedlichen Maßstäben beurteilt. Während Männer alleine von Kompetenz profitieren, müssen Frauen zusätzlich warmherzig wirken.

Frauen neigen eher dazu, ihre eigenen Fähigkeiten korrekt einzuschätzen - während sich Männer gerne mal überschätzen. Quelle: Fotolia

Warum sind Frauen in der Chefetage immer noch in der Minderheit? Während es die einen auf die Macht- und Machokultur der Konzerne schieben, sehen die anderen das Problem bei den Frauen selbst.

Tatsächlich konnte eine Reihe von Studien zeigen: Frauen neigen eher dazu, ihre eigenen Fähigkeiten korrekt einzuschätzen - während sich Männer gerne mal überschätzen. Menschlich löblich, der Karriere eher abträglich. Denn geschicktes Eigenmarketing, gespeist von der Überzeugung in die eigenen Stärken, ist bei Beförderungen eher hilfreich als übertriebene Bescheidenheit. Die im Dunkeln sieht man eben nicht.

Aber vielleicht werden Frauen auch von einer Art Doppelmoral ausgebremst. Denn eine neue Studie zeigt: Männer und Frauen werden nach unterschiedlichen Maßstäben beurteilt. Vereinfacht ausgedrückt müssen Frauen demnach wesentlich mehr dafür tun, als kompetent empfunden zu werden als Männer.

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Zu diesem Ergebnis kommen nun Wissenschaftlerinnen um Laura Guillén, Assistenzprofessorin an der der European School of Management and Technology in Berlin. Für ein Experiment kooperierte sie mit einem internationalen Softwarekonzern, der lieber anonym bleiben wollte.

Etwa 1200 Mitarbeiter bewerteten in der Untersuchung zunächst, wie kompetent und warmherzig sie 236 Kollegen fanden, die als Softwareingenieure arbeiteten – sowohl Männer als auch Frauen. Ein Jahr wiederholten die Befragten ihr Votum, außerdem sollten 22 direkte Vorgesetzte der Ingenieure angeben, wie selbstbewusst sie ihre Mitarbeiter fanden.

Bei der Auswertung entdeckten die Forscherinnen einen kuriosen Unterschied: Die männlichen Ingenieure wurden als selbstbewusst erachtet, sobald sie als kompetent eingeschätzt wurden. Die Frauen hingegen wurden nur dann als selbstbewusst erachtet, wenn man sie nicht nur kompetent, sondern auch warmherzig fand.

Mit anderen Worten: Bei Männern hingen Kompetenz und Selbstsicherheit unmittelbar miteinander zusammen. Je kompetenter sie wirkten, desto selbstsicherer schienen sie gleichzeitig. Daraus erwuchs gleichzeitig mehr Einfluss in der Organisation, unabhängig von Sympathiepunkten. Wurden Frauen hingegen von ihren Kollegen nicht als warmherzig empfunden, dann gab es kaum einen Zusammenhang zwischen Kompetenz und Selbstsicherheit.

Guilléns Untersuchung deutet darauf hin, dass die Bewertung der Leistung einer Frau immer davon abhängt, wie sympathisch sie wirkt. Heißt im Umkehrschluss, dass Frauen es doppelt schwer haben. Während Männer von ihrer (tatsächlichen oder scheinbaren) Kompetenz profitieren – unabhängig davon, ob sie gemocht werden oder nicht – müssen Frauen gemocht werden, um von ihrer Kompetenz zu profitieren.

„Es reicht also offenbar nicht, Frauen zu mehr Selbstbewusstsein zu raten”, schreibt Guillén in der Studie, „um als selbstbewusst und kompetent zu gelten, müssen sie gleichzeitig auch noch warmherzig wirken.“

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