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Frauenkarrieren Am Ende geht es nur ums Geld

Die Psychologin Martina Lackner hat in dieser Woche geschrieben, dass Frauen zu nett für eine Karriere seien. WiWo-Volontärin Milena Merten entgegnete, das System sei schuld. Doch eigentlich liegt es an der Bezahlung.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) spricht am 20.03.2015 am Brandenburger Tor in Berlin anlässlich des «Equal Pay Day». Quelle: dpa

Man kann sich das Geld für die Förderung von Frauen auch schenken, schrieb Martina Lackner in einem Gastkommentar für wiwo.de. Die seien lieber nett und wollten sich im Berufsleben eh nicht durchsetzen.

Stimmt nicht, das System ist faul und hindert Frauen an der Karriere, entgegnete ihr WiWo-Volontärin Milena Merten.

Beide haben recht. Ändern muss sich trotzdem eine ganze Menge – vor allem auf den Gehaltszetteln der Frauen. Wer schlechter bezahlt wird, bleibt natürlich lieber auf dem Sofa sitzen. Am Ende geht es nämlich immer nur um eins: Ums Geld.

Henrike von Platen Quelle: Presse

Frauen entscheiden sich im Zweifel für Bequemlichkeit, sehnen sich nach Wohlfühlatmosphäre und sind in Sachen Altersarmut furchtbar kurzsichtig – zu diesem Schluss kommt Lackner. Anstatt all die Chancen zu ergreifen, die sie dank hervorragender Ausbildung, Frauenquoten und den Bemühungen der Politik um Vereinbarkeit hätten, zögen sie sich mit ihren Kindern ins heimische Bullerbü zurück.

Anstatt sich durchzusetzen, beobachtet die Psychologin, Psychotherapeutin und Autorin, dass sie auf Geld und auf Erfolg verzichten und ihre Studienabschlüsse, Promotionen und Karrierechancen lieber auf dem Spielplatz verplempern – weil es dort viel netter zugeht als in den Vorstandsetagen dieser Welt, wo ein ganz anderer Wind weht. Ihr Fazit: Frauen auszubilden und zu fördern sei volkswirtschaftlicher Unsinn.

Doch will sie damit tatsächlich zurück ins Mittelalter, wie Milena Merten entgegnete? Oder gleich allen Frauen einen Chefposten verpassen, weil nur das eine „echte“ Karriere sei?

Es ist tatsächlich eine unfassbare volkswirtschaftliche Verschwendung, wenn gut ausgebildete Frauen dem Arbeitsmarkt nach der Geburt ihrer Kinder fernbleiben oder nur noch am Rande darin auftauchen. Es ist eine Katastrophe, wenn vier Fünftel der arbeitnehmenden Frauen (so viele bekommen Kinder) am Ende ihres zerstückelten Erwerbslebens Altersarmut riskieren. Es ist sogar so ungefähr das Dümmste, was einem Land angesichts drohenden Fachkräftemangels passieren kann.

Allerdings ist der Grund für diese Katastrophe nicht, dass Frauen lieber nett sind, als sich im Job durchzusetzen. Der Grund dafür, dass Frauen zu Hause bleiben ist meist ganz einfach Geld. Denn die bittere Wahrheit ist: Frauen verdienen weniger als Männer. Und zwar im Schnitt 21 Prozent.

It’s all about money, honey!


Die fehlende Durchsetzungskraft, die Martina Lackner bemängelt, fängt nicht bei der Gehaltsverhandlung an und hört auch nicht beim nächsten Karriereschritt auf – sondern zeigt sich vor allem im Privaten. In der Regel bleibt der Elternteil zu Hause, dessen Gehalt niedriger ist.

Die Entscheidung, wer wie lange zu Hause bleiben möchte, ist in der Regel keine Frage der Bequemlichkeit oder eine Wohlfühlstrategie, sondern – ganz im Gegenteil – eine Frage der ökonomischen Vernunft: Solange Frauen schlechter bezahlt werden als Männer, wird die Diskussion um die Aufteilung der Erwerbs- und Familienarbeit in schöner Regelmäßigkeit vorzeitig durch die Argumentationskraft des Kontostands beendet.

Ein Teufelskreis aus Geld und Macht, der sich fortsetzt: Frauen sind seltener in Führungspositionen zu finden, arbeiten oft in weniger gut bezahlten Berufen und überdurchschnittlich oft in Teilzeit. Sie werden weniger oft befördert, übernehmen seltener Verantwortung und verhandeln schlechter. Männer werden eher nach Potential, Frauen nach erbrachter Leistung bezahlt.

Auch Milena Merten hat recht: Das System muss sich ändern, damit sich endlich die Erkenntnis durchsetzt, dass Führung auch in Teilzeit möglich ist, Lebensarbeitszeitmodelle, flexible Arbeitszeiten und Home-Office-Lösungen vor allem eine organisatorische Frage sind: Wer will, findet Wege. Wer nicht, findet Gründe.

Doch damit nicht genug: Der eigentliche Systemfehler liegt darin, das Ganze als Frauenproblem zu beschreiben. Denn insbesondere die Rollenbilder und Stereotype in unseren Köpfen haben Einfluss auf den Verdienst, angefangen mit dem Berufswahlverhalten bis hin zur Aufteilung der Elternzeit.

Die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern



Gleichberechtigung heißt: Jeder kann nicht: einer muss

Geld und Macht regieren die Welt, das gilt auch und gerade beim Thema Kinder und Karriere. Natürlich ist Vereinbarkeit immer auch eine finanzielle Frage: Wer sich im Alltag mit Familie Betreuung, Haushaltshilfen und andere Annehmlichkeiten leisten kann, hat deutlich bessere Chancen, Erfolg und Geld und Nachwuchs unter einen Hut zu kriegen. Doch die eigentliche Krux ist: Würden Frauen endlich genauso viel verdienen wie die Männer, mit denen sie Kinder in die Welt setzen, könnten Paare auch eine Diskussion darüber führen, wie sie sich die gemeinsame Zukunft zwischen Familienarbeit und Erwerbstätigkeit vorstellen.

Erst wenn jedes Elternpaar – fernab aller Kontostände und Klischees – darüber verhandeln kann, wer zu Hause bleiben möchte, ist Chancengleichheit erreicht. Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen für gerechte Bezahlung aller Beschäftigten sorgen und ihre Mitarbeitenden dabei unterstützen, Vereinbarkeit zu ermöglichen – und zwar nicht nur die Frauen.

Immerhin. Die Erkenntnis, dass klüger wirtschaftet, wer fair führt, setzt sich so langsam durch, und zwar nicht nur bei Vorzeigeunternehmen wie dem Outdoorartikelhersteller Vaude, Einhorn Products, dem Hersteller veganer Kondome oder der Social Media Plattform Buffer, die viel Wert auf Transparenz und Mitbestimmung legen. Tim Cook beispielweise hat die Zeichen der Zeit erkannt. Der CEO von Apple kennt die Lösung für das Problem. Sie lautet: „Wir brauchen keine Frauenquote, wir brauchen gleiche Bezahlung.“

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