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Friends & Family
Quelle: dpa

Manchmal hilft nur Geld

Die meisten Arbeitgeber-Angebote für berufstätige Eltern ziehen bei Großfamilien nicht. Zeit, sie mit anderen Initiativen zu unterstützen.

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Wer in diesen Wochen klimafreundlich Urlaub macht, begegnet besonders vielen Kindern: Auf Wanderpfaden in den Bergen, an Ostseestränden oder auf Radwegen quer durch Brandenburg. Das liegt auch daran, dass Fliegen nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern für Großfamilien auch besonders umständlich ist. Und vor allem: teuer. Schließlich müssen Eltern mit drei oder mehr Kindern ohnehin deutlich mehr auf ihre Finanzen achten als die Standardfamilie mit Vater, Mutter, Sohn und Tochter.

Wie unterschiedlich die Sorgen und Bedürfnisse von größeren und kleineren Familien sind, lässt sich in zahlreichen Studien von Familienforschern nachlesen: Eltern mit ein oder zwei Kindern wollen häufig ähnlich leben wie in ihren Single-Jahren. Sie bleiben auch mit Nachwuchs in großen Städten, wohnen häufiger zur Miete, erwirtschaften zwei Einkommen – und wünschen sich von Staat und Arbeitgebern möglichst gute Betreuungsangebote. Unternehmen also, die eine gute Betriebskita haben, nicht nur Müttern, sondern auch Vätern flexible Beschäftigungsmodelle anbieten und Teamsitzungen nicht ohne Not in den zweiten Teil des Nachmittags verlegen, haben gute Chancen, hoch qualifizierte Arbeitskräfte mit ein oder zwei Kindern oder Kinderwunsch an sich zu binden.

Für Eltern mit mehr Kindern ist die Lage oft eine andere: Geld und Wohnraum sind für sie viel wichtigere Ressourcen. Spätestens ab dem dritten Kind ist in der Regel ein größeres Auto fällig. Mindestens einer der beiden Eltern verkürzt seine Arbeitszeit massiv, was spürbare Einbußen beim Gehalt nach sich zieht – obwohl die Ausgaben gerade in dieser Lebensphase steigen. Spätestens ab dem dritten Kind wird auch die alte Wohnung in der Stadt viel zu eng und der lange schwer vorstellbare Umzug aufs Land doch noch attraktiv. Experten fordern daher immer wieder, die staatliche Familienförderung wie in Frankreich zu gestalten: Dort steigt die finanzielle Förderung ab dem dritten Kind besonders stark.

Doch nicht nur Politiker, sondern auch Unternehmer auf der Suche nach loyalen Fachkräften sollten sich für die Bedürfnisse von Großfamilien interessieren. Es reicht nicht, zu wissen, ob Mitarbeiter Kinder haben – wichtig ist auch, wie viele Söhne und Töchter es sind. Zum Beispiel, weil eine Großfamilie sich eher in eine Stadt locken lässt, in der preiswerte Baugrundstücke für Familien ausgewiesen werden. Oder weil ein Zuschlag beim Gehalt für den vierfachen Familienvater eben doch eine größere Rolle spielt. Auch für Mitarbeiter, die in der Ausbildung Eltern werden, sollte ein Arbeitgeber Verständnis signalisieren. Denn auch das lehrt ein Blick ins Nachbarland Frankreich: Wer sich viele Kinder wünscht, sollte früh mit der Familiengründung beginnen. Die Geburtenrate ist auf der anderen Seite des Rheins vor allem deswegen höher, weil es in Frankreich größere Familien als in Deutschland gibt. Das wiederum liegt am niedrigen Alter der Erstgebärenden. Auch wenn es Privatsache ist, ob und wie früh junge Männer und Frauen Eltern werden wollen: Unternehmen können eine Atmosphäre schaffen, in der auch größere Familien willkommen sind. Im eigenen Interesse.

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