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Quelle: dpa

Mehr als ein bisschen Sponsoring

Die Zusammenarbeit von Schulen und Unternehmen muss sich ändern. Ein Blick in die USA zeigt, was sich besser machen lässt.

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Als meine damals fünfjährige Tochter nach dem ersten Tag in einer amerikanischen Grundschule nach Hause zurückkehrte, musste ich schlucken: Der Tag begann für alle mit „Face the Flag“, einer kurzen Ansprache vor der US-Fahne – und das an einer Montessori-Schule mit vielen Kindern von liberalen Akademikereltern. Selbst ihnen galt solch ein Start in den Tag als bewährtes Mittel, die Kinder auf Besonderheiten des weltweit größten Einwanderungslandes einzustimmen.

Ich lernte damals auch, dass amerikanische Lehrer oft ganz anders mit selbstbewussten Mädchen umgehen: Meine Tochter sei ein „natural leader“, sagten die Pädagogen begeistert, eine Chefin von morgen. An unserer Berliner Kita hieß es, sie sei „bossy“ – und das war als Beschwerde gemeint.

Vor allem aber, das war die wichtigste Lektion, haben wir damals erlebt, dass Schulen nicht nur ein Ort für die Vermittlung von Wissen sind, sondern auch ein Lebensraum für Kinder – und wichtiges Begegnungszentrum innerhalb von Kommunen. Unternehmen bieten deshalb ganz selbstverständlich Programme für die Nachmittagsbetreuung an, von Sportkursen auf Sponsoringbasis bis zur Vermittlung handwerklicher Fähigkeiten.

In Deutschland ist dieses Engagement selten. Alba-Chef Eric Schweitzer, der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, ist eine der wenigen Ausnahmen: Der von seinem Unternehmen finanzierte Basketballverein Alba Berlin arbeitet eng mit den 39 Grund- und 17 Oberschulen in der Stadt zusammen – vom Verein finanzierte Jugendtrainer kommen in die Schulen und bieten AGs am Nachmittag an. Der Bedarf an solchen Initiativen ist enorm, schließlich fehlen allerorts Lehrer und Erzieher – und an Ressourcen, um für Nachmittage und Ferientage gute Angebote zu machen. Der von 2025 an geltende Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Grundschulen wird mit dem bisher eingestellten Personal ganz sicher nicht gelingen.

Dabei haben Unternehmen aller Branchen gleich aus mehreren Gründen ein Interesse an gut ausgestatteten Schulen. Mütter sollten nicht durch fehlende Betreuungsangebote in die Teilzeit gezwungen werden – sondern diese Arbeitsform nur wählen, wenn sie und ihre Familien es wirklich wollen. Außerdem können Unternehmen durch Engagement an Schulen Werte vermitteln, die ihnen wichtig sind (oder sein sollten): Teamgeist, Fairness und Führungsstärke etwa lassen sich kaum irgendwo so gut erlernen wie beim Mannschaftssport.

Viele Unternehmer und Manager denken derzeit darüber nach, wie sie den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Demokratie stärken können. Schulen sind dafür ein guter Ort. Dass Pädagogen mitunter skeptisch auf solche Kooperationen schauen, liegt an Vorurteilen und Fantasielosigkeit auf beiden Seiten. Bisher konzentrieren Manager sich oft darauf, für ein Schulfach „Wirtschaft“ zu werben. Oder sie zahlen ein wenig Geld, wenn Schüler sich um Sponsoren bemühen. Das ist sinnvoll, aber längst noch nicht genug. Die Schulen müssen zunächst einmal besser funktionieren. In einem guten Lernumfeld werden Kinder und Jugendliche alles besser aufnehmen – auch Grundkenntnisse der Ökonomie.

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