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G20-Gipfel in Hamburg "Politiker müssen gleiche Chancen für alle schaffen"

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Digitale Bildung ist der Schlüssel

In dem Kommuniqué geht es um die weibliche Erwerbsbeteiligung - und um die Chancen, die die Digitalisierung für Frauen mit sich bringt. Welche sind das?
Heather Barnabe: Die Digitalisierung der Wirtschaft ist eine Chance, mehr Frauen in den Arbeitsmarkt zu integrieren, weil in der digitalen Wirtschaft ganz andere Fähigkeiten gefragt sind. Diese Fähigkeiten des 21. Jahrhunderts sind Erfindergeist, Neugier, Offenheit und Kommunikation und nicht mehr körperliche Stärke. Deshalb ist das eine riesige Chance für Frauen. Natürlich birgt die Digitalisierung auch Risiken, wie man am Cyberbullying oder Cyberangriffen sieht, aber grundsätzlich verändert sich der Arbeitsmarkt für Frauen zum Positiven. Noch sind die Mehrheit der Ingenieure und Programmierer allerdings männlich, da kommt also noch einiges an Arbeit auf uns zu.

Gibt es Länder, die Sie als Vorreiter in Sachen Frauen in der digitalen Wirtschaft definieren können?
Marleen Och: Was ich bei dem Summit ganz deutlich gemerkt habe, ist, wie sich die digitale Bildung in den Ländern unterscheidet. Besonders Europa beziehungsweise Deutschland im Vergleich zu den anderen Ländern. Zu meiner Schulzeit – und das ist erst fünf Jahre her – haben wir noch nicht mal gelernt, wie man Excel bedient. Andere Teilnehmerinnen, die genauso alt sind wie ich, haben in der Schule drei verschiedene Programmiersprachen gelernt. Da hat Deutschland wirklich Nachholbedarf.

Heather Barnabe: Gerade für die Emerging Markets ist das typisch. Anders als die westlichen Nationen gibt es bei ihnen keine traditionelle Industrie, also adaptieren sie neue Trends viel schneller als beispielsweise die Deutschen, die sich auf ihre Tradition als Industriestandort verlassen. In Afrika beispielsweise sind viel mehr junge Leute am Programmieren interessiert – auch Frauen. Frauen haben natürlich ein Interesse an neuen Ideen und Entwicklungen. Nur gibt es in manchen Ländern große Hürden, dies auch umzusetzen. Sowohl im Bildungssystem, als auch in der Gesellschaft. Oft sind Mädchen für den Haushalt und die jüngeren Geschwister zuständig, da bleiben Bildung und Unternehmertum auf der Strecke.

Welche Lösung schlagen Sie für das Problem vor?
Marleen Och: Ich denke, man müsste schon in der Grundschule damit anfangen, technische und naturwissenschaftliche Fächer zu unterrichten. Ein sechsjähriges Mädchen glaubt nämlich nicht, dass sie dümmer oder schlechter in wissenschaftlichen Fächern ist, als ein Junge. Mit 16 glaubt sie es. Dann erst mit Förderprogrammen anzufangen, ist also viel zu spät. Hinzu kommt, dass in vielen Nationen Mädchen früher mit der Schule aufhören als Jungen. Eben weil sie Verpflichtungen in der Familie übernehmen müssen. Da wäre es doch gut, wenn sie in den wenigen Schuljahren auch technisches Verständnis vermittelt bekommen würden.

Heather Barnabe: Vor allem brauchen die jungen Frauen mehr positive Vorbilder. Wir alle stehen doch auf den Schultern der Frauen, die sich in der Vergangenheit für mehr Rechte eingesetzt haben. Deutschland ist da ein großartiges Beispiel. In meiner Heimat Kanada hat es noch nie eine demokratisch gewählte Premierministerin gegeben.

Marleen Och: Wir lernen doch von dem, was wir sehen. Wenn Frauen in meiner Umgebung einen Job haben, gehe ich auch arbeiten. Langfristig sollen Frauen aber nicht nur einen Job haben, sondern wirklich gleichberechtigter Teil des Arbeitsmarktes werden. Zu einer Diskussion darüber soll unser Kommuniqué die G20-Teilnehmer anregen.

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