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Gefordert und überfordert Was treibt Manager in die Ausweglosigkeit?

„Ich war noch nie wirklich relaxed“: Der verstorbene Swisscom-Chef Carsten Schloter war ein Getriebener. Sein Suizid bewegt die Öffentlichkeit. Über die psychische Belastung von Managern – und Wege aus der Sackgasse.

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Dauernd gefordert und am Ende überfordert? Topmanager tauschen Lebenszeit gegen Geld. Quelle: © Creasource/Corbis

„Es kommt irgendwann ein Punkt, wo Sie das Gefühl bekommen, nur noch von einer Verpflichtung zur nächsten zu rennen. Das schnürt Ihnen die Kehle zu“, erzählte Carsten Schloter im Mai einem Journalisten der Schweizer Sonntagszeitung. Zwei Monate später ist der Swisscom-Chef tot – er wurde am Dienstag leblos an seinem Wohnort im Raum Freiburg gefunden. Die Polizei geht von einem Suizid aus. Der Manager hinterlässt drei kleine Kinder und eine Ehefrau, von der er getrennt lebte.

Die Gründe für seinen Selbstmord sind noch unklar, aber der 49-Jährige sprach ganz offen davon, dass er Mühe hatte, sich von der Arbeit abzugrenzen. Er war ein Getriebener. Einer, der nicht abstritt, dass er ein Workaholic ist und in Interviews erzählte, dass er sein Smartphone nicht abschalten kann, um ständig erreichbar zu sein. Schloter: „Ich stelle bei mir fest, dass ich immer größere Schwierigkeiten habe, zur Ruhe zu kommen, das Tempo herunterzunehmen.“

Zehn kurze Wege zum Burn-Out
6. Das VeränderungsmodellDas besagt diese Theorie: Auftauen, verändern, wieder einfrieren - das ist das Motto dieser Theorie. Kurt Lewin vergleicht sein Modell mit einem Eiswürfel, den man in einen Eiskegel verwandelt. Nach seiner Argumentation motiviert man durch den dreistufigen Prozess die Menschen dazu, dass sie den Wandel wollen. So wenden Sie diese Theorie an: Seien Sie sich darüber im Klaren, welche Veränderungen Sie vornehmen wollen und warum sie nötig sind. Danach steht die Gewinnung von Unterstützung im Mittelpunkt. Dabei heißt es geschickt sein: Diejenigen, die für das Geld zuständig sind, wollen finanzielle Gewinne sehen. Die Personalabteilung dagegen fordert positive Auswirkungen auf die Mitarbeiter. Aber unterschätzen Sie nicht die Macht der Kollegen: Sie müssen die Vorteile der Veränderung verstehen - das ist entscheidend für den Erfolg. Quelle: dpa
Umfangreiche Aufgaben ganz klein machen Quelle: Fotolia
Ausbeuterischer Arbeitgeber Quelle: Fotolia
Konkurrenzkultur Quelle: Fotolia
Soziale Vereinsamung Quelle: Fotolia
Zu wenig Freizeitaktivität Quelle: dpa
Grenzenlose Arbeit Quelle: dpa

Diese persönlichen Aussagen erscheinen jetzt in einem ganz anderen Licht. Es ist die Tragik vieler Topmanager, dass sie psychische Probleme als Schwäche interpretieren. Vor allem Führungskräfte sind Meister im Verbergen. Dabei leiden Männer genauso häufig wie Frauen unter Depressionen - die Hauptursache für einen Selbstmord. Etwa vier Millionen Menschen sind in Deutschland laut dem europäischen Fachverband European Depression Association an Depressionen erkrankt. Allerdings, das hat das Robert-Koch-Institut ermittelt, werden nur 20 Prozent der Männerdepressionen überhaupt erkannt, während die Quote bei Frauen gut 40 Prozent beträgt. Die Selbstmordrate bei Männern ist dreimal so hoch wie bei Frauen.

Warum ihr Leiden häufig nicht erkannt wird, weiß der Führungskräftecoach Gottfried Huemer. „Wenn zu mir zehn Männer kommen, die unter einem Burnout oder einer Depression leiden, befindet sich darunter maximal einer, der das weiß“, schildert Huemer aus seinem Praxisalltag. „Die anderen Klienten sind sehr sehr überrascht. Erst, wenn ich ihnen die Symptome schildere, geht ein Licht auf.“ Weil Männer Experten darin sind, ihre Gefühlswelt abzuschalten, drücken sich seelische Nöte häufig über den Körper aus. Das gehe relativ lange gut. Huemer: „Gerade habe ich jemanden in der Beratung, der zum dritten Mal einen Bandscheibenvorfall hat.“

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