Gehälter Firmen planen maßvolle Gehaltserhöhungen

Im Durchschnitt wollen deutsche Unternehmen ihren Beschäftigten etwa drei Prozent mehr bezahlen. Aber das Gießkannenprinzip kommt immer weniger zur Anwendung.

Diese Branchen bekommen 2013 mehr Lohn
Vor dem Hintergrund der Schuldenkrise in Europa hat EU-Sozialkommissar Laszlo Andor höhere Löhne in Deutschland gefordert. Damit solle die heimische Nachfrage angeregt werden, sagte Andor der "Süddeutschen Zeitung". Zudem empfehle die EU-Kommission Deutschland, auf breiter Basis Mindestlöhne einzuführen. "Belgien und Frankreich beschweren sich schon über deutsches Lohndumping", sagte Andor. Wegen hoher Exportüberschüsse sei es nicht zu rechtfertigen, dass die Deutschen einen Lohnwettbewerb beibehielten. Länder mit Exportüberschüssen müssten sich wie Defizitländer anpassen, sagte der ungarische Politiker. "Wenn nicht, driftet die Währungsunion auseinander. Der Zusammenhalt ist schon halb verloren." Deutschland steht wegen der vergleichsweise zurückhaltenden Lohnabschlüsse in den vergangenen Jahren schon länger in der Kritik. Einige Politiker aus wirtschaftlich schwächeren Ländern argumentieren, dass eine höhere Binnennachfrage in der Bundesrepublik der Euro-Zone insgesamt helfen würde. Das ist Wasser auf die Mühlen der Gewerkschaften, die noch für mehr Geld für ihre Mitglieder kämpfen. Andere haben sich für 2013 bereits mehr Lohn erstritten. Quelle: dpa
LufthansaIm Tarifkonflikt um 33.000 Beschäftigte bei der Lufthansa haben sich die Fronten verhärtet. Die Gewerkschaft Verdi beriet über weitere Warnstreiks bei Europas größter Fluggesellschaft. Termine wurden zunächst nicht genannt. Am Vortag hatte Lufthansa in der dritten Verhandlungsrunde ein erstes Angebot vorgelegt, das von der Gewerkschaft als „Skandal“ und „Provokation“ bezeichnet worden war. Die Gewerkschaft fordert 5,2 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, der Konzern will aber nur zwischen 2,7 und drei Prozent mehr zahlen - und dann für die nächsten 29 Monate Ruhe vor neuen Tarifverhandlungen haben. Quelle: dpa
Deutsche PostAuch die Mitarbeiter der Deutschen Post wollen mehr Lohn. Es kam in mehreren Bundesländern zu Warnstreiks, die Briefkästen blieben leer. Bislang sind zwei Verhandlungsrunden über Löhne und Gehälter ohne Ergebnis geblieben. Die Gespräche sollen nun am 25. April fortgesetzt werden. Verdi verlangt für die rund 132.000 Tarifbeschäftigten eine lineare Erhöhung der Einkommen um sechs Prozent, mindestens aber 140 Euro mehr im Monat. Die Post hat bislang noch kein Angebot vorgelegt. Quelle: dpa
StahlbrancheGenauso ungemütlich sind die Tarifverhandlungen für die Arbeitgeber der Stahlbranche: Die IG Metall verstärkt vor der zweiten Tarifrunde für mehr als 1,5 Million Metaller in Bayern und Baden-Württemberg den Druck auf die Unternehmen. „Wer jetzt die Vorlage eines anständigen Lohnangebotes hinauszögert, bettelt förmlich nach Warnstreiks“, sagte Bayerns IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler. Er erwarte für die Verhandlungen am 19. April in München für die rund 770.000 Beschäftigten im Freistaat ein verhandlungsfähiges Angebot und keine Provokationen. Zwei Stunden später startet auch in Ludwigsburg für die rund 740.000 Metaller in Baden-Württemberg die zweite Runde der Verhandlungen. Offen ist nach wie vor, ob und wo die Arbeitgeber ein Angebot vorlegen werden und welcher der beiden Tarifbezirke in dieser Runde die Funktion des Pilotbezirks übernimmt. Auf dem Tisch liegt die Forderung der IG Metall nach einer Lohnerhöhung von 5,5 Prozent. Die Arbeitgeber lehnen das bisher ab, stattdessen fordern die Verbände einen Abschluss mit möglichst langer Laufzeit und vor allem mit „Augenmaß“. Quelle: dpa
FloristenDie Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hatte dagegen bereits Erfolg: Ab Mai bekommen 30.000 Floristen 2,8 Prozent mehr Lohn. Das Gehaltsplus gilt allerdings nur für die Arbeitnehmer in den alten Bundesländern. Quelle: dpa
TelekomBei der Telekom bescherten die Tarifgespräche den Angestellten 2,1 Prozent mehr Lohn. Bei einer Inflation von rund 1,5 Prozent stiegen die Löhne real also nur um 0,6 Prozent. Quelle: dapd
ÄrzteÄrzte an Unikliniken bekommen seit dem ersten März 2,6 Prozent mehr Geld. Die Kollegen an den städtischen Kliniken bekommen ebenfalls 2,6 Prozent mehr, allerdings rückwirkend ab erstem Januar 2013. Quelle: dpa
Coco ColaDie Mitarbeiter von Coca Cola Deutschland bekommen im Jahr 2013 3,5 Prozent mehr Gehalt als im Vorjahr. Was den prozentualen Anstieg anbelangt, gehört das Unternehmen damit bislang zu den spendabelsten Arbeitgebern. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
AbgeordneteZum ersten Januar sind auch die Diäten der Bundestagsabgeordneten gestiegen und zwar um 3,7 Prozent. Im Schnitt verdienen Abgeordnete seit dem rund 8.300 Euro. Wie viel die Spitzenpolitiker verdienen, erfahren Sie übrigens hier. Quelle: AP
Hotel- und GaststättengewerbeDen prozentual höchsten Anstieg konnten die Mitarbeiter in Hotels und Gaststätten für sich erstreiten. Vier Prozent mehr Geld bekommen Hotelfachleute und Gastronomen. Quelle: dpa
Öffentliche Verkehrsmittel2,5 Prozent mehr Geld bekommen die Fahrer von Bussen und Bahnen in Baden-Württemberg seit dem ersten April. Das gilt allerdings nur für Beschäftigte von privaten Unternehmen. Quelle: dpa/dpaweb
Öffentlicher DienstBei den Kollegen aus dem öffentlichen Dienst in Bund und Kommunen gab es dagegen nur 1,4 Prozent mehr Lohn. Angestellte der Länder bekamen 2,65 Prozent mehr. Quelle: dpa

Wenn die Gehälter ein Indiz für die wirtschaftliche Entwicklung sind, dann scheint in Deutschland, Österreich und der Schweiz alles rund zu laufen. Rund 90 Prozent der Unternehmen in Österreich und sogar 94 Prozent der Betriebe in der Schweiz und in Deutschland haben für 2013 ganz normale Gehaltsanpassungen oder die nach Gesetz oder Tarif vorgesehenen Gehaltssteigerungen eingeplant und zum Teil auch schon umgesetzt. Mitarbeiter in Österreich und Deutschland können sich wie im Vorjahr über durchschnittlich drei Prozent mehr freuen. Die Schweizer mit durchschnittlich zwei Prozent (Vorjahr: 2,3 Prozent) etwas weniger.

Das ist das Ergebnis der Studie "Salary Budget Planning Report EMEA" der Personalberatung Towers Watson. Sie basiert auf Erhebungen im Februar und März 2013.

Was Berufseinsteiger verdienen
Wer Sprach- und Kulturwissenschaften studiert hat, der verdient beim Einstieg rund 32.864 Euro. Quelle: dapd
Wer beruflich mit Farben, Rastern etc. zu tun hat, der bekommt seine Tätigkeit relativ moderat vergütet. Der Einstiegsgehalt im Bereich Grafik/Design beträgt 33.166 Euro. Quelle: Fotolia
Studenten Gesellschafts- und Sozialwissenschaften können sich auf ein Einstiegsgehalt von etwa 34.287 Euro einstellen. Quelle: dpa
Wer beruflich den Lehren des großen Psychoanalytikers Sigmund Freud nachgeht, bezieht als Psychologe ein Einstiegsgehalt von 40.099 Euro. Quelle: dpa
Studenten der Wirtschaftswissenschaften dürfen sich sogar über ein Einstiegsgehalt von 43.309 Euro freuen. Quelle: dpa
Die von vielen gefürchtete Welt der Zahlen und Formeln wird sogar noch besser vergütet. Mathematiker/Informatiker beziehen ein Einstiegsgehalt von 45.529 Euro. Quelle: dpa/dpaweb
Studenten der Rechtswissenschaften bekommen bei ihrem Berufseinstieg etwa 46.468 Euro Gehalt. Quelle: dpa
Das Einstiegsgehalt für Naturwissenschaftler (Biologie, Chemie, Physik) liegt nominell in der Top-3 der Gehälter. Im Durchschnitt wird der Berufsstart mit 48.116 Euro vergütet. Quelle: dpa
Ingenieurwissenschaftler bekommen ihren Berufseinstieg mit 49.141 Euro vergütet. Quelle: dpa/dpaweb
Wie schon im Vorjahr führen auch diesmal die Mediziner die Gehaltsskala an. Ihr Einstiegsgehalt liegt bei 49.465 Euro. Quelle: dpa

"Dass fast alle Unternehmen einen regulären Gehaltsanpassungsprozess durchführen, bedeutet auch, dass sie mit stabilen Geschäftsaussichten rechnen", erklärt Paul Fabiszak von Towers Watson. "Zeichnen sich hingegen Auftragsrückgänge oder Krisenperspektiven ab, werden Gehaltserhöhungen meist verschoben oder ganz ausgesetzt. Dies ist derzeit jedoch nur bei sechs bis acht Prozent der Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz der Fall."

Die Schweizer erhalten zwar nominal die niedrigsten Gehaltsanpassungen, allerdings können sie sich trotzdem über die höchste Kaufkraftsteigerung freuen - angesichts einer Inflationsrate von nur 0,3 Prozent. Auch in Deutschland (Inflationsrate 1,8 Prozent) und Österreich (2,2 Prozent) übertreffen die durchschnittlichen Gehaltssteigerungen den Kaufkraftverlust. In Großbritannien dagegen übersteigt die Inflation mit 3,2 die Gehaltssteigerungen von durchschnittlich drei Prozent und sorgt für sinkende Reallöhne.

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Bessere Mitarbeiter bekommen höhere Gehälter

Dass die Durchschnittsgehälter steigen, heißt allerdings längst nicht, dass jeder mehr bekommt. 84 Prozent der deutschen Unternehmen reservieren nach dem Motto "das Beste für die Besten" einen Teil oder sogar das ganze Gehaltserhöhungsbudget für diejenigen, die sie als ihre so genannten Leistungsträger ansehen. "Dieser Trend zeigt sich besonders ausgeprägt in der Finanzbranche. Fast alle Banken in Deutschland und der Schweiz sowie 100 Prozent der Banken in Österreich belohnen vorranging ihre Leistungsträger", weiß Fabiszak.

Mit Blick auf die Gehaltserhöhungen unterscheiden sich Produktionsmitarbeiter aber im Schnitt kaum von Direktoren: Für beide Gruppen sind in Deutschland und Österreich drei Prozent Gehaltssteigerung eingeplant. "Ein höherer Platz in der Unternehmenshierarchie bringt nicht unbedingt Vorteile bei der Gehaltsanpassung", so Fabiszak. "Die Leistung des jeweiligen Mitarbeiters gibt den größten Ausschlag."

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