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Gehalt Mit Anfang 50 ist das Maximum erreicht

Quelle: Getty Images

Wer in seinem Leben viel Geld verdienen möchte, sollte sich beeilen. Denn eine neue Studie zeigt, schon ab Anfang 50 sinken die Gehälter wieder. Mit einigen Ausnahmen.

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Dass unser Körper bereits mit Mitte 20 den Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit erreicht hat, haben die meisten von uns mittlerweile schmerzlich akzeptiert. Doch dass viele schon mit Anfang 50 auch beim Maximum ihres Gehalts angelangt sind, überrascht. Heißt es doch immer: Je länger jemand in einem Unternehmen ist und je mehr Erfahrungen er oder sie gesammelt hat, desto höher die Vergütung. 

Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Den anderen hat André Schaefer, Gehaltsexperte bei Stepstone, nun gemeinsam mit seinem Team bei einer Analyse von 250.000 Datensätze geborgen: Im Bundesdurchschnitt liegt das Maximalgehalt während eines Berufslebens bei 58.539 Euro, erreicht wird es mit 52 Jahren. Nie zuvor und nie mehr danach landet mehr Geld auf dem Konto.

Es gibt viele Menschen, die sich zwischen 50 und 60 etwas zurückziehen, sich weniger stressige Positionen suchen und dann auch entsprechend weniger verdienen“, sagt Schaefer. Außerdem würden gerade in den akademischen Berufen schon zwischen 30 und 40 große Gehaltssprünge gemacht und in den Fünfzigern seien die Möglichkeiten bereits ausgereizt.

Eine Erkenntnis, die nicht nur auf Deutschland zutrifft. Eine ähnliche Auswertung des US-amerikanischen Anbieters für Gehaltssoftware Payscale aus dem Jahr 2019 zeigt, dass auch in den USA in den Fünfzigern das Maximum erreicht ist. Und noch eine Parallele ist erkennbar: Sowohl in den USA als auch hierzulande steigt das Gehalt von Frauen schon mit knapp über 40 nicht mehr. Laut Stepstone erreichen Frauen in Deutschland schon mit 41 Jahren ihr Maximalgehalt. Bei Männern steigt es bis zu einem Alter von 52 Jahren an. 

Die Gründe hierfür sind vielfältig. Erstens treten bis heute vor allem Frauen beruflich kürzer, sobald sie eine Familie gründen. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung aus dem vergangenen Jahr zeigt ebenfalls, dass die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen ab einem Alter von 30 Jahren stark ansteigt. Auch die Wissenschaftler des DIW sehen in erster Linie die traditionellen Rollenmuster als Grund für diese Entwicklung. Der mittlere Lohn von Frauen stagniere ab der Geburt des ersten Kindes. 

Laut der Analyse von Stepstone hänge die Entwicklung aber auch mit einer anderen Frage zusammen: Personalverantwortung ja oder nein?  „Spätestens ab dem 40. Lebensjahr entscheiden sich viele Menschen dazu, ob sie Personalverantwortung übernehmen möchten oder nicht“, sagt Gehaltsexperte André Schaefer. „Es sind immer noch mehr Männer, die Führungspositionen übernehmen. Ihr Gehalt steigt damit noch weiter an.“

Bis 40 werden die Grundsteine gelegt

Das ist auch der Grund, warum die größten Gehaltssprünge zwischen 30 und 40 gemacht würden. In dieser Zeit würde häufig der Grundstein für die weitere Karriere gelegt. Es entscheidet sich, ob Menschen Führungspositionen übernehmen wollen, mit ihren aktuellen Aufgaben zufrieden sind oder Fortbildungen absolvieren, die ihnen den Umstieg auf einen neuen besserbezahlten Job ermöglichen.

Auch die Art der Abschlüsse entscheidet darüber, wann die Summe auf der Lohnabrechnung nicht mehr größer wird. Wer etwa eine Lehre absolviert hat, kann zwar damit rechnen, dass sein Gehalt bis zum Renteneintritt stetig steigt. Allerdings ist die Gehaltskurve auch ziemlich flach. Das liegt laut Stepstone-Experte Schaefer daran, dass viele Mitarbeiter mit einer Berufsausbildung nach Tarif bezahlt werden. „Hier spielt das Thema Betriebszugehörigkeit tatsächlich noch eine Rolle“, sagt er. Außertariflich Beschäftigte, die auch jenseits der 50 noch nennenswerte Zuwächse erwarten, müssten anders argumentieren, etwa für wichtige Projekte die Verantwortung übernehmen und diese dann in Gehaltsverhandlungen anführen. Auch Arbeitgeberwechsel brächten durchschnittlich in jedem Alter eine Gehaltssteigerung von acht Prozent. Ein Schritt, den mit zunehmendem Alter weniger Menschen wagen.

In Branchen, in denen besonders früh das Gehaltsmaximum erreicht ist, spielen meist Provisionsmodelle eine wichtige Rolle. In der Immobilienwirtschaft, dem Bankensektor und der Versicherungsbranche erreichen Mitarbeiter schon mit Ende 40 ihr höchstes Gehalt. Experte Schaefer vermutet, dass jüngere Mitarbeiter sich stärker von diesen finanziellen Anreizen treiben ließen und so eine höhere Motivation aufweisen. „Später sind andere Faktoren, wie Familienzeit, wichtiger und die Angestellten fahren einen Gang runter.“

Dennoch zeigen die Stepstone-Zahlen auch, dass es einige Berufe gibt, in denen in den letzten Jahren des Erwerbslebens noch mal ordentliche Aufschläge winken. Das gilt zum einen für Wissenschaftler, die aufgrund von Promotionen und Habilitationen erst sehr spät ins Berufsleben einsteigen. Sie erreichen das Gehaltsmaximum mit 65 und verdienen dann im Schnitt etwas mehr als 71.000 Euro pro Jahr. Manager steigen in ihren letzten Berufsjahren sogar auf bis zu 76.000 Euro auf. Diese Steigerungen hätten dann oftmals damit zu tun, dass sie für sehr viele Beschäftigte Personalverantwortung übernehmen würden, etwa wenn sie mit Ende 50 in die Geschäftsführung aufsteigen würden.

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