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Gehaltsentwicklung Mit 60 sind alle Millionäre – theoretisch

Gehalt: Mit 60 sind alle Millionäre – theoretisch Quelle: Fotolia

Wie viel verdienen Fach- und Führungskräfte eigentlich über den Verlauf ihres Lebens? Und wie wirken sich Unterbrechungen auf das Lebensgehalt aus? Eine neue Studie gibt Aufschluss.

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Wie viel verdienen Männer und Frauen in Deutschland eigentlich im Laufe ihres Berufslebens? Für die sogenannte Gehaltsbiografie, die das Portal karriere.de herausgegeben hat, wurde das auf Basis der Daten von rund 85.000 Frauen und knapp 132.000 Männern ausgerechnet. Dabei wird deutlich, wie sich die Jahresgehälter durchschnittlich erhöhen, wann sie stagnieren und was am Ende unter dem Strich herauskommt.

Die Summen sehen zunächst einmal beeindruckend aus: Würde das meiste Geld nicht jeden Monat für Miete, Lebensmittel, Betreuungskosten, Auto und Urlaub gebraucht – die Deutschen wären spätestens mit 60 Jahren alle Millionäre. Führungskräfte gehen mit durchschnittlich 3.668.176 verdienten Euro in die Rente, Fachkräfte mit 1.837.717 Euro. Umgelegt auf alle Beschäftigten verdient jeder im Laufe des Lebens durchschnittlich rund zwei Millionen Euro.

Die Studienautoren machten in der Auswertung auch die entscheidenden Faktoren für die Höhe und Entwicklung des Gehalts aus: Positiv wirken sich ein hoher Bildungsabschluss, Eintritt in große Unternehmen, die Wahl der richtigen Branche und Aufstieg in Positionen mit Personalverantwortung aus. Es gibt außerdem regionale Unterschiede bei den Gehältern und Nachfragehöhen nach bestimmten Fachgebieten, die zumindest phasenweise zu höheren Gehältern führen.

Entwicklung des Gehalts von Fachkräften

Gehaltsentwicklung bei FachkräftenBerufseinsteigerinnen und -einsteiger beginnen ihre Karriere als Fachkraft ohne leitende Funktion. Im Alter von 20 Jahren beträgt das durchschnittliche Jahreseinkommen 30.100 Euro. Mit 60 Jahren erreichen Fachkräfte im Durchschnitt ein Gehalt von 50.700 Euro. Das Einkommen über alle Altersgruppen hinweg beläuft sich auf durchschnittlich 45.300 Euro. Stand: August 2019 Quelle: Gehaltsbiografie 2019, gehalt.de Quelle: gehalt.de

Die Phase, in der Beschäftigte sich eines stetig steigenden Einkommens erfreuen können, beginnt direkt nach dem Einstieg. 20-Jährige verdienen – wenn nicht noch in Ausbildung oder Studium – etwas mehr als 30.000 Euro. Fünf Jahre später sind es im Durchschnitt bereits 37.400 Euro und weitere fünf Jahre später, mit 30 Jahren, 45.200 Euro. Bis zum 40. Lebensjahr sind weitere 10.000 Euro Steigerung drin; 40-Jährige verdienen im Schnitt 55.600 Euro pro Jahr. Danach passiert allerdings nicht mehr viel: Bis 60 steigert sich das Jahresdurchschnittseinkommen nochmals um rund 3000 Euro – also 250 Euro pro Monat. Zwischen einem (frühen) Berufseinstieg und dem 60. Lebensjahr verdoppelt sich das Einkommen also beinahe.

Wie bei allen Durchschnittswerten lohnt sich auch hier ein differenzierter Blick. Fachkräfte verdienen insgesamt weniger als Führungskräfte und haben bereits mit 35 die größte Steigerung beim Gehalt hinter sich. Mit 25 verdienen sie rund 37.000 Euro, mit 30 erreichen sie 44.200 Euro Jahresgehalt. Bis 35 kommen noch einmal gut 4000 Euro hinzu – danach pendelt sich das Jahresgehalt bei um die 49.000 Euro ein, mit einer leichten Steigerung auf 50.660 bis zum 60. Geburtstag. Durchschnittlicher Jahresverdienst einer Fachkraft über den gesamten Zeitraum umgelegt sind 45.341 Euro.

Entwicklung des Gehalts von Führungskräften

Gehaltsentwicklung bei FührungskräftenFührungskräfte mit 25 Jahren verdienen im Durchschnitt 62.800 Euro und steigern ihr Gehalt im Alter von 60 Jahren auf rund 128.700 Euro pro Jahr. Dies ergibt einen Gehaltszuwachs von rund 105 Prozent. Führungskräfte unter 25 Jahren kommen sehr selten vor, so dass hier zu wenige Daten vorliegen, um eine valide Gehaltsaussage treffen zu können. Stand: August 2019 Quelle: Gehaltsbiografie 2019, gehalt.de Quelle: gehalt.de

Führungskräfte steigen direkt mit höheren Gehältern ein, wenn sie denn so jung bereits in Führungspositionen kommen. Die Skala beginnt bei einem Alter von 25 Jahren mit einem Jahreseinkommen von mehr als 62.800 Euro. Bis Führungskräfte 50 Jahre alt sind, kennen ihre Gehälter nur eine Richtung – und zwar nach oben. 30-Jährige erhalten schon 79.400 Euro, 35-Jährige fast 93.000 Euro. Mit 40 Jahren sind Führungskräfte im sechsstelligen Bereich angelangt und verdienen im Durchschnitt 105.000 Euro jährlich. Mit 45 sind es 119.000 Euro, danach flacht die Kurve deutlich ab. 60 Jahre alte Führungskräfte verdienen knapp 129.000 Euro jährlich. Der durchschnittliche Jahresverdienst, wenn jemand über die gesamte Erwerbsbiografie hinweg Führungskraft ist, beträgt 104.573 Euro – mehr als doppelt so viel wie bei Fachkräften.

Frauen verdienen ihr ganzes Leben lang weniger

Frauen verdienen in ihrem ganzen Berufsleben stets weniger als Männer. Die Entgeltlücke steigt dabei stetig an. Im Alter von 20 Jahren beträgt sie bei Fachkräften 12 Prozent, steigt bis Mitte 30 auf 22 Prozent, ab 40 sind es schon 26 Prozent und mit 60 satte 31 Prozent. Die Entgeltlücke ist laut Studie nicht bereinigt, das heißt, Faktoren wie Bildung und Berufserfahrung seien nicht berücksichtigt worden.

In der Gruppe der Führungskräfte sind die Unterschiede ähnlich, nur dass es hier um weitaus höhere Beträge geht. Sind es bei den 35- bis 40-Jährigen 15 Prozent, steigt die Entgeltlücke bis 45 auf 24 Prozent. Ein Mann in Führungsposition verdient dann 122.000 Euro, eine Frau nur 93.500 Euro – das macht fast 30.000 Euro Unterschied oder rund 2500 Euro im Monat. Die Kluft schließt sich auch bis zum Fast-Rentenalter von 60 Jahren nicht mehr. Auch hier handelt es sich zwar um unbereinigte Werte, also beeinflusst von den Verdiensten in unterschiedlichen Branchen. Festzuhalten ist aber, dass männliche Führungskräfte insgesamt deutlich mehr verdienen als ihre Kolleginnen.

Nun verläuft kein Erwerbsleben so konstant – wenige fangen mit 20 an zu arbeiten, hinzu kommen mögliche Aufstiege von Fach- in Führungspositionen und zurück, familienbedingte Unterbrechungen, Teilzeitphasen, Arbeitslosigkeit und mehr. Gehalt.de hat mithilfe einiger Szenarien versucht, zu verdeutlichen, welche Werdegänge zu einem höheren Lebenseinkommen führen und welche nicht. So steht ein KfZ-Mechatroniker, der mit 30 seinen Meister macht und mit 40 zum Meister mit Personalverantwortung befördert wird, am Ende seines Berufslebens mit 2,5 Millionen verdienten Euro da. Ein Geselle dagegen, der nie seinen Meister gemacht und nie eine höhere Position erlangt hat, verdient fast eine Million weniger, bis er 60 ist.

Ein Controller, der stetig aufsteigt, mit 40 Jahren eine leitende Position erlangt und dann als Führungskraft in ein Großunternehmen wechselt, verdient im Modell insgesamt fast 3,6 Millionen Euro. Ein Controller, der nur die ersten zwei Karriereschritte gemacht hat – von der Junior- auf die Intermediate- und dann auf die Senior-Stelle – erreicht bis zum 60. Geburtstag lediglich rund 2,4 Millionen Euro.

Im dritten Beispiel geht es um eine Einzelhandelskauffrau in drei Szenarien: Eine Beschäftigte, die nie aufsteigt, aber immer Vollzeit arbeitet, landet mit 60 bei einem Lebenseinkommen von 1,25 Millionen Euro. Im zweiten Szenario wird sie mit 31 Jahren Mutter, geht in Elternzeit und kehrt anschließend in Teilzeit (30 Stunden) zurück. Ihr 75-Prozent-Gehalt wird erst mit 35 Jahren anteilig angepasst; sie erhält nun 23.500 Euro pro Jahr. Mit 45 Jahren arbeitet sie wieder Vollzeit, verdient nun 32.000 Euro – das sind gerade mal 1500 Euro pro Jahr mehr als sie mit 30 verdient hat. Mit 60 wird sie 1,14 Millionen Euro verdient haben.

Drittes Szenario: Eine Einzelhandelskauffrau ohne Kind, die sich zur Fachwirtin weiterbildet, später nebenbei noch BWL studiert, zur Einkaufsleiterin mit Personalverantwortung aufsteigt und obendrein mit 45 Jahren in eine größeres Unternehmen wechselt, lässt die beiden anderen Kolleginnen beim Lebenseinkommen weit hinter sich: Sie verdient im Laufe ihres Erwerbslebens 2,9 Millionen Euro und mit 60 Jahren pro Jahr das Vierfache der anderen, nämlich 123.600 Euro.

Die kinderlose Einzelhandelskauffrau und die mit Kind und Teilzeitphase verdienen also ähnlich, wenngleich die Mutter etwa zehn Prozent Einbuße hinnehmen muss. Die Frau, die sich weitergebildet hat und aufgestiegen ist, sticht dagegen deutlich hervor.

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