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Generation Y Wollen die auch arbeiten?

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Arbeitnehmern entgegen kommen

Die beliebtesten Arbeitgeber der Ingenieure
Ein Prüfingenieur des TÜVs setzt eine TÜV-Plakette auf das Nummernschild eines Autos Quelle: dpa
Arbeiter setzen in einer Halle des Triebwerksherstellers MTU Maintenance ein Flugzeugtriebwerk instand Quelle: dapd
Ein Mann vor einem Zug der DB Quelle: dpa
Stefan Sommer, Vorsitzender des Vorstands der ZF Friedrichshafen AG Quelle: dpa
Leute sitzen in Google-Sitzsäcken Quelle: dapd
Der Schriftzug "Continental" steht auf einem Reifen Quelle: dapd
Tanklager der BASF in Ludwigshafen Quelle: obs

Ingo Kucz, der Familienvater, könnte so nicht leben. Doch mit Eva Krüger hat er eines gemeinsam: Kommt man diesen Arbeitnehmern entgegen, strengen sie sich weit über das verlangte Maß an. Gerade ist Krüger für einen Monat in Indien und arbeitet im Google-Büro in Hyderabad. Anschließend opfert sie eine Woche ihres Jahresurlaubs, um ein persönliches Projekt voranzubringen. Sie will das mobile Google-Betriebssystem Android so konfigurieren, dass es auch Blinde benutzen können. »Ich möchte die Chance, die ich bei Google bekommen habe, nutzen und was verändern«, sagt sie.

Inder und Chinesen sind viel ehrgeiziger

Auch in klassischen Industriebetrieben denken die Neuen oft so. »Früher wurde Leistung über Aufstieg honoriert«, sagt Wilfried Porth, der Personalvorstand von Daimler. Heute wird auch mit Sinnstiftung bezahlt. Die Jungen kämen nur, wenn sie etwas gestalten und die Welt verbessern könnten. Zum Glück hat Daimler das Elektroauto. Häufig erkundigten sich die Bewerber danach – sie wollen an der Umweltverträglichkeit des Automobils von morgen mitbasteln. Sie wollen die Welt doch noch vor dem Klimakollaps bewahren.

Man merkt Porth an, dass die Y-Generation ihm nicht geheuer ist. Die seien gar nicht mehr richtig mobil, findet er, oft schlügen sie einen Karrieresprung aus, weil der Partner nicht mitkommen mag oder weil sie an Aufstieg und Macht nicht richtig interessiert sind. Die jungen Chinesen und Inder, die er trifft, sind da ganz anders, »viel ehrgeiziger!«. Er könnte, sagt er, jedes Mal, wenn er in diesen Ländern sei, ganze Flugzeuge chartern, »so viele bestürmen mich, mitfliegen und mitarbeiten zu dürfen«. Wie viele Asiaten mit Führungstalent dann tatsächlich bei Daimler anfangen, möchte das Unternehmen aber nicht verraten. Fest steht in jedem Fall: So viele junge Ausländer können gar nicht einwandern, dass die gut ausgebildeten Mitglieder der Generation Y ihre Knappheit und damit ihre Macht verlieren könnten.

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    Zeit statt Geld zahlen

    In der Unternehmensberatung McKinsey herrschte immer eine Kultur der 16-Stunden-Tage. Doch inzwischen denkt man auch bei diesem begehrten Arbeitgeber um. »Oft wollen die Kandidaten wissen: Was ist für mich drin, was bringt mir das persönlich?«, sagt der für Neueinstellungen verantwortliche Recruiting-Chef Thomas Fritz – und dann kommen Fragen wie diese: Kann ich statt eines Dienstwagens auch ein Firmenfahrrad kriegen? Darf ich mit der Bahn fahren, statt zu fliegen? Die Berater sind im Schnitt um die 30 Jahre alt. Um an die Besten zu kommen, reichen sechsstellige Einstiegsgehälter nicht aus. Also zahlt McKinsey Zeit aus statt Geld. Die Firma wirbt mit dreimonatigen Auszeiten vom Job, und jeder sechste Berater hat das Angebot im vergangenen Jahr angenommen.

    Auch die alten Firmenriesen müssen sich für diese neue Generation aufrüschen. Das erste Wort, das dem Personalscout Jörg Leuninger zur Generation Y einfällt, ist: »selbstbestimmt«. Das erste Gefühl: »ein Schock«. Leuninger ist 41 Jahre alt, seine Firma noch mal gut hundert Jahre älter. Als er vor zwölf Jahren beim Chemiekonzern BASF anfing, erwartete man von ihm, dass er sich glücklich schätze, bei einem so tollen Arbeitgeber untergekommen zu sein. Vor drei Jahren kehrte der brave Soldat Leuninger von einer Dienstreise aus Shanghai zurück und geriet mitten hinein in eine Talentveranstaltung für Hochschulabsolventen. Da herrschte ein anderer Ton: »Die Studenten haben die Unternehmensstrategie offen und kritisch vor den anwesenden Vorständen und Bereichsleitern hinterfragt. Sie wollten wissen, wie nachhaltig die Chemie-Industrie wirklich ist.«

    Auf Work-Life-Balance setzen

    Heute ist es Leuningers Aufgabe, für das Unternehmen europaweit die besten Leute zu finden. Für sie baut der Saurier BASF vor den Konzerntoren nun ein Work-Life-Management-Zentrum: vier Häuser auf 5.500 Quadratmetern. Eine Kinderkrippe mit 250 Plätzen wird es darin geben, eine Beratung für soziale Fragen und die Pflege alter Eltern und – natürlich! – ein Fitnessstudio. Bleiben die jungen Talente der Firma treu, hat sich die Investition »im hohen zweistelligen Millionenbereich« rentiert.

    Auch Katharina Mick soll gehalten werden. Die 26-Jährige sagt von sich selbst, sie habe in ihrem Leben noch nie gebummelt: »Ich wollte immer, dass es vorangeht. Ich kann mir nicht vorstellen, keine Aufgabe zu haben.« Mick war sehr gut in der Schule, spielte obendrein Volleyball in der Verbandsliga, tanzte Ballett und übte Klavier. Jeden Tag stand etwas anderes auf der Freizeitagenda. Zum Schüleraustausch fuhr sie nach Holland, Frankreich, Russland und Amerika. »Meine Eltern haben mich in dieser Hinsicht immer unterstützt«, sagt sie. Das ist typisch für die Generation Y, sie übererfüllt die Wünsche ihrer Eltern und denkt nicht daran zu rebellieren. Protest sei dieser höchst konstruktiven Generation sowieso fremd, sagt der Soziologe Hurrelmann.

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