WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Generation Y Die Jugend will gerne führen

Es gibt mal wieder eine neue große Umfrage über die jungen mehr oder weniger Erwachsenen von heute. Sie wollen nicht zu viel arbeiten - und führen. Fragt sich nur, wer geführt wird?

Vorbilder der Studenten: Vater, Mutter und Angela Merkel
Was den Studenten persönlich besonders wichtig ist73 Prozent der Befragten gaben an, dass Familie für sie an erster Stelle steht - gefolgt von Freunden und einem hohen Lebensstandard. Freizeit und Sport halten 17 Prozent für besonders wichtig. Der berufliche Erfolg hat nur bei 15 Prozent einen hohen Stellenwert. Damit blieben soziale Faktoren weiterhin deutlich wichtiger als Karriere und Geld. Quelle: Fotolia
Studentendemo Quelle: dpa/dpaweb
Foto junger Mann zeigt Daumen hoch Quelle: Fotolia
Foto Eltern im Kreis, Ansicht von unten Quelle: Fotolia
Foto von Angela Merkel Quelle: AP
Junger Mann mit fragendem Gesicht Quelle: Fotolia
Handschlag zwischen Chef und seinem neuen Angestellten Quelle: Fotolia

Die Generation Y sollte vielleicht endlich mal umbenannt werden. Wie wäre es mit „Generation Everything“. Das würde zu den Vorstellungen vom Leben, die die Bevölkerungskohorte der zwischen 1984 und 1996 Geborenen, in Umfragen offenbaren, zumindest ganz gut passen.

Die so genannte Work-Life-Balance (zu deutsch: Arbeits-Freizeit-Balance) ist ihnen angeblich wichtiger als Geld und Status. „Keinen Job zu haben, ist ihnen lieber als ein Job, den sie hassen“, schreiben die Autoren der „Millennial-Studie“, der angeblich bislang größten unabhängigen Studie über diese Altersgruppe, für die das Beratungsunternehmen Universum, das INSEAD Emerging Markets Institute (EMI) und die HEAD Foundation weltweit mehr als 16.000 Studierende und junge Berufstätige in 42 Ländern befragten.

81 Prozent der befragten jungen Deutschen wollen eine Arbeit, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bietet. Nur für 19 Prozent ist ein hohes Gehalt wichtiger. Überstundenausgleich ist für 60 Prozent besonders wichtig.

Bis dahin klingt das nach einer Generation, die als Antwort auf die völlig überzogenen Ökonomisierungsentwicklungen der jüngsten Zeit die Muße und Bescheidenheit wieder entdeckt haben. Doch davon kann keine Rede sein. Im Gegenteil. Denn die Autoren stellen ebenso fest, dass die Unter-30-Jährigen „ehrgeizig“ seien und daran glaubten, „ihre Karriere selbst gestalten zu können“. Für etwa die Hälfte der Befragten in Deutschland (48 Prozent) ist eine Führungsrolle sehr wichtig oder wichtig.

Demgegenüber ist für 29 Prozent eine Führungsaufgabe kein wichtiges Karriereziel. Die Millennials „wollen führen und suchen die Herausforderung.“ Dass das mit dem Wunsch nach viel Freizeit möglicherweise nicht gut zusammenpasst, scheint dabei keine Rolle zu spielen.

 

So soll unser Traumjob sein
BetriebsklimaEine gute Arbeitsatmosphäre ist das wichtigste Kriterium der deutschen Arbeitnehmer bei der Firmenwahl. Zwei Drittel gaben in der repräsentativen Umfrage " Beruf und Karriere 2014" der CreditPlus Bank AG. an, dass ein gutes Klima unverzichtbar ist. Das angenehme Arbeitsklima ist aber nicht - wie man meinen könnte – vor allem der jungen Generation Y wichtig. In der Gruppe der 18 bis 24-Jährigen wird darauf am wenigsten Wert gelegt (60 Prozent). Erst nach einigen Berufsjahren wächst der Wunsch nach harmonischer Zusammenarbeit, besonders ausgeprägt ist er in der Altersgruppe 25 bis 34 Jahre (70 Prozent). Quelle: Fotolia
Work-Life-BalanceDas Gleiche gilt für die flexiblen Arbeitszeiten: Auch hier sprechen nur 43 Prozent der Jungen von einem wichtigen Kriterium. Dagegen sagen 60 Prozent der älteren Umfrageteilnehmer, dass ihnen die Work-Life-Balance besonders wichtig ist. So viel also zum Bild der jungen Generation, der ihre flexible Zeiteinteilung wichtiger ist, als die Karriere. Allerdings: Insgesamt steigt die Bedeutung der individuellen Zeitgestaltung über alle Altersgruppen hinweg an: Waren sie 2013 noch 49 Prozent der Deutschen wichtig, achten jetzt 56 Prozent auf flexible Arbeitszeiten bei ihrem Arbeitgeber. Quelle: Fotolia
KarriereAufstiegsmöglichkeiten sind heute weniger wichtig als noch 2013. Anstatt 40 Prozent geben nur noch auf 35 Prozent an, darauf großen Wert zu legen. Doch dieser Trend wird stärker durch Frauen als durch Männer getrieben, wie eine Betrachtung nach Geschlecht zeigt. Männern sind auf Aufstiegschancen und ein hohes Gehalt sehr wichtig (jeweils 42 Prozent). Bei Frauen liegen die Werte deutlich darunter (hohes Gehalt: 35 Prozent; Aufstiegschancen: 27 Prozent). Quelle: Fotolia
FamilienfreundlichkeitBeide Geschlechter legen aber in gleichem Maße Wert auf Sozialleistungen und Familienfreundlichkeit (jeweils 34 Prozent). Quelle: Fotolia
WeiterbildungGefragt, was sie für ihre berufliche Weiterentwicklung am liebsten tun würden, nennen die meisten Arbeitnehmer Auslandserfahrungen: 27 Prozent möchten einmal außerhalb Deutschlands arbeiten, vor allem in der Gruppe der 18-24-Jährigen ist dieser Wunsch ausgeprägt (38 Prozent). Einen Sprachkurs wollen ebenfalls fast 27 Prozent absolvieren, um mit internationalen Kunden und Kollegen besser kommunizieren zu können. Quelle: dpa
Selbstständig und verschuldetFür 23 Prozent ist die Selbstständigkeit ein erstrebenswertes Ziel. Dieser Wert ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken (2013: 26 Prozent). Um sich die Karrierewünsche erfüllen zu können, würden 42 Prozent der Arbeitnehmer einen Kredit aufnehmen. Quelle: dpa

Hauptmotivation für die Übernahme einer Führungsrolle sind die Chance, sich mit Themen von strategischer Bedeutung für die Unternehmen zu befassen, und Einfluss auf das Unternehmen zu nehmen (jeweils 40 Prozent). Ein hohes Gehalt steht für 36 Prozent der Befragten im Vordergrund.

Nun kann man von einer Umfrage, die von Institutionen gemacht wurde, die Firmen zu besonders guten Mitarbeitern verhelfen wollen, nicht erwarten, dass sie eine kritische Bestandsaufnahme ihrer Ergebnisse leistet. Sonst müsste man zu dem Ergebnis kommen, dass die Millennials offensichtlich ziemlich viele Flausen im Kopf haben, die vermutlich nicht von selbst dorthin gelangt sind.

Stattdessen rät Petter Nylander, Vorstandsvorsitzender von Universum: „Die Unternehmen, die auf die Bedürfnisse der Millennials eingehen, werden vorn liegen, wenn es darum geht, sie für sich zu interessieren, sie einzustellen und im Unternehmen zu halten.“

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Mit nur ein ganz klein wenig Sarkasmus müsste man den Arbeitgebern, die die jungen Leute von heute als Arbeitnehmer von morgen haben wollen, einfach nur raten: Schmeichelt ihnen, versprecht ihnen goldene Zeiten mit viel Freizeit, „Verantwortung“ und garantiertem Aufstieg.

Verschweigt ihnen vor allem, dass zu jeder Führungskraft stets eine größere Gruppe Geführter gehört, und dass die Aussicht, geführt zu werden, auch in naher Zukunft sehr viel größer bleiben wird, als selbst zu führen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%