Generation Y Doch keine Lust auf Work-Life-Balance?

Eine Studie zeigt: Die Deutschen legen wert auf Jobgarantie und gute Bezahlung - und das in jedem Alter. Was ist also aus der Work-Life-Balance der Generation Y geworden?

Vorbilder der Studenten: Vater, Mutter und Angela Merkel
Was den Studenten persönlich besonders wichtig ist73 Prozent der Befragten gaben an, dass Familie für sie an erster Stelle steht - gefolgt von Freunden und einem hohen Lebensstandard. Freizeit und Sport halten 17 Prozent für besonders wichtig. Der berufliche Erfolg hat nur bei 15 Prozent einen hohen Stellenwert. Damit blieben soziale Faktoren weiterhin deutlich wichtiger als Karriere und Geld. Quelle: Fotolia
Studentendemo Quelle: dpa/dpaweb
Foto junger Mann zeigt Daumen hoch Quelle: Fotolia
Foto Eltern im Kreis, Ansicht von unten Quelle: Fotolia
Foto von Angela Merkel Quelle: AP
Junger Mann mit fragendem Gesicht Quelle: Fotolia
Handschlag zwischen Chef und seinem neuen Angestellten Quelle: Fotolia

Nach zahlreichen Büchern, Studien, Interviews und natürlich auch Medienberichten dachte man, sie zu kennen: Die Generation Y. Also all diese jungen Menschen, die jetzt "so um die 30" Jahre alt sind. Sie wollen Sinnhaftigkeit im Job, ihre Kollegen mögen, gefördert werden, einbezogen werden, sie wollen mobil und flexibel arbeiten und viel Freizeit haben. Dafür ist ihnen Geld, Prestige und Karriere nicht so wichtig. Lieber noch ein gutes Gespräch mit dem CEO bei einem Soja-Latte im Begegnungsraum. Und gerade jetzt, wo sich alle darauf eingestellt haben, diesen verwöhnten Fachkräften und Fachidioten Tablet, Gratis-Kakao und Home-Office zu geben, damit sie sich wohlfühlen, ploppen immer mehr Studien auf, dass die Generation Y doch gar nicht so anders tickt als alle anderen.

Zum Beispiel wollen auch die jungen Leute nicht ewig schlecht bezahlt werden - und wenn die Arbeitsatmosphäre noch so schön ist. "Was die Einstellung zum Gehalt angeht, hat sich nicht so viel geändert", sagt Thomas Haussmann, Vergütungsexperte bei der Personalberatung Korn Ferry Hay Group. "Heute ist vielleicht der Fokus auf die Work-Life-Balance größer und die Karriereorientierung nicht mehr so stark wie noch vor 20 Jahren. Aber grundsätzlich halte ich die Unterschiede doch eher für überzeichnet." Auch eine aktuelle Arbeitsmarktstudie von Orizon belegt: Geld schlägt Liebe.

Darauf legen junge Arbeitnehmer bei der Wahl ihres Arbeitnehmers Wert

Für die Studie fragte das Marktforschungsinstitut Lünendonk 2123 Arbeitnehmer und Arbeitsuchende in Deutschland nach den fünf wichtigsten Faktoren, die einen Arbeitgeber besonders attraktiv machen. Im Vergleich zu 2014 hat der Wunsch nach guter Bezahlung den Wunsch nach Sicherheit überholt – ganze 65,5 Prozent der Befragten wählten das Gehalt als ihre persönliche Nummer eins.

Dann sagte noch vor Kurzem Nicolai Andersen, Partner und Leiter Innovation bei der Wirtschaftsprüfung Deloitte: "Die Generation Y ist nicht mehr bereit, sich lange an ein Unternehmen zu binden."

In Arbeit
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In der Arbeitsmarktstudie des Personalunternehmens Orizon steht die Arbeitsplatzsicherheit jedoch auf Platz zwei. Insgesamt gaben 56,4 Prozent der Befragten aus der sogenannten Generation Y an, dass eine gute Bezahlung sehr wichtig sei, Sicherheit nannten 56,1 Prozent. Erst dahinter kommen flexible Arbeitszeiten, Nähe von Arbeitsplatz zu Wohnsitz und abwechslungsreiche Tätigkeiten.

Was ist denn da los, möchte man fragen. "Einerseits sind die Generationen nicht so unterschiedlich, wie uns Schlagworte wie Generation Y glaubhaft machen wollen. Bestimmte Grundwerte sind in allen Altersgruppen wichtig", sagt Orizon-Geschäftsführer Dieter Traub. "Andererseits zeigen sich bei den Jungen doch neue Wertvorstellungen, die die klassischen Werte nicht gänzlich ablösen, aber gleichwertig neben ihnen stehen."

Vielleicht sollte man einfach damit aufhören, ganze Bevölkerungsgruppen über einen Kamm zu scheren und zu erwarten, dass sich alle Gruppenmitglieder gleich verhalten.

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