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Generation Y Wollen die auch arbeiten?

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Generation Weichei

Beliebteste Arbeitgeber der Wirtschaftswissenschaftler
Die Euroskulptur vor der Europäischen Zentralbank Quelle: dapd
Puddingpulver-Tüten der Dr. Oetker GmbH Quelle: dpa/dpaweb
Das Logo von SAP an der Konzernzentrale Quelle: dpa
Ein Label von Hugo Boss Quelle: dapd
Nivea-Dosen Quelle: AP
Die Türme der Deutschen Bank Quelle: dapd
Fahnen mit der Aufschrift BASF Quelle: dpa

Als Chefin müsse man heute viel mehr kommunizieren, einbinden und überzeugen als früher, sagt Meike Niedbal, Kuczs Vorgesetzte bei der Bahn. Sie ist selbst erst 35 und hat drei kleine Kinder. »Die Mitarbeiter erwarten, dass ich mich in sie hineinversetze. Ich verstehe auch, wenn Ingo mal früher wegmuss, um seine Tochter abzuholen.«

Nicht jeder Chef hat so viel Verständnis für diese Berufseinsteiger, die sich schon im Bewerbungsgespräch nach Sabbaticals, Eltern-, Teil- und Auszeiten erkundigen. Personalchefs halten sie oft für Luxusgeschöpfe, die sich aufs Erbe freuen, statt selbst anzupacken. Auch Medien lästern über die »Generation Weichei«, der es keine Firma mehr recht machen könne.

Trotz Anforderungen hoher Fleiß

Dass die Generation Y weniger leistet, geben Untersuchungen allerdings nicht her: In der Shell-Jugendstudie von 2010 standen die Tugenden Fleiß und Ehrgeiz bei den Jungen besonders hoch im Kurs. Mehr junge Leute denn je machen Abitur oder einen mittleren Abschluss, und sie studieren kürzer, zielgerichteter und effizienter. Die Uni-Gammler, die sich nach 20 Semestern zum ersten Mal eine Prüfungsordnung ansehen, scheinen ausgestorben wie der Archaeopteryx. »Null Bock« ist heute ein Fremdwort. Die Lebensläufe der Nachwuchskräfte sind prall voll von Praktika, Kursen, Auslandsaufenthalten und sozialen Engagements. Die Ys fordern nicht nur ihre Arbeitgeber, sie verlangen auch sich selbst einiges ab.

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Standort erkennen

    Das führt zu einer Mischung aus Engagement und Selbstoptimierung, aus Verspieltheit und Ernst. Dieser Trend entfaltet sich in der Hamburger ABC-Straße aufs Eindrucksvollste. Am Haus Nummer 19 leuchten sechs knallbunte Buchstaben: Google. Hinter der Fassade verbirgt sich die Deutschland-Zentrale der weltgrößten Suchmaschine. 350 Leute arbeiten hier, im Schnitt sind sie 35 Jahre alt. Google, das ist der obere Rand der Generation Y. Hier hat sie sich ihr eigenes Biotop erschaffen, eine Mischung aus Disneyland und Management.In Riesenstrandkörben finden Videokonferenzen statt. In nachgebauten Flugzeugkabinen Besprechungen. Es gibt Gänge, die sehen aus wie U-Bahnhöfe. Und im Pool kann man in Schaumstoffwürfeln baden. Dreimal die Woche kommt ein Masseur, im Fitnessstudio findet Yoga, Hip-Hop oder Boxen statt. Alles während der Arbeitszeit. Alles kostenlos. Zum vierten Mal in Folge wählten internationale Hochschulabsolventen Google zum beliebtesten Arbeitgeber der Welt.

    Nicht nur fürs Sitzen bezahlen

    »Wenn ich mich wohlfühle, profitiert davon die Firma«, sagt Eva Krüger. Die 27-Jährige hat Medien- und Kommunikationswirtschaft studiert und anschließend im Online-Marketing beim Hamburger Verlag Gruner+Jahr gearbeitet. Heute hilft sie Kunden aus der Modebranche, ihre Werbeanzeigen bei Google zu platzieren. Sie selbst sieht aus wie ein Modestatement: Kastenbrille, orangefarbene Fingernägel, Bluse über löchriger Jeans. Und doch: »Wir sind hier kein Vergnügungspark. Wir alle haben unsere Ziele, die wir uns quartalsweise stecken und die wir auch erreichen wollen«, sagt Krüger. »Aber ich werde hier nicht fürs Sitzen bezahlt, sondern für meine Kreativität.« Alle bei Google entfalten großen Ehrgeiz, denn wer seine Ziele verfehlt, ist auch wieder schnell raus aus der bunten Leistungsidylle. Deshalb tanzt und boxt wohl auch niemand im Fitnessraum, als an diesem Freitagnachmittag die ZEIT vorbeischaut.

    Auch Eva Krüger ist immer im Dienst. »Work is not a job«,sagt sie und schwärmt vom »Google-Spirit« und dieser erfreulichen »Ja-Mentalität« um sie herum. Ihr Job ist für sie Teil ihrer Persönlichkeit. Deshalb kann Krüger auch nicht sagen, wie viele Stunden pro Woche sie arbeitet oder wo genau die Grenze zwischen Arbeit und Leben verläuft. Im Büro führt sie private Gespräche, und im Privatleben beantwortet sie Mails von Kunden. Bleibt die Frage, ob einer mit 40 oder 50 auch noch in Schaumstoffwürfeln sitzen möchte und ob die knallbunte Spielewelt des knallharten Weltkonzerns nicht ein geschicktes System der Selbstausbeutung darstellt, das den ewigen Kindern der Generation Y ein ewiges Kinderzimmer vorgaukelt – während ihnen gleichzeitig die Kreativität literweise abgezapft wird.

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