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Generation Y im Interview "Der Job muss Sinn machen"

Philipp Riederle ist 18 Jahre alt, hat gerade sein erstes Buch veröffentlicht und berät Unternehmen wie Microsoft oder der Deutschen Bank. Gehalt und Status zählen für seine Generation wenig, sagt er und erklärt, was Unternehmen immer noch falsch machen.

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Philipp Riederle Quelle: Presse

WirtschaftsWoche: Thyssen Krupp, Google oder Audi – für welches dieser Unternehmen würden Sie am liebsten arbeiten?

Riederle: Da fallen mir zu jedem Unternehmen Pro- und Contra-Argumente ein. Ohnehin bin ich im Moment noch sehr unentschieden, was meinen weiteren Weg betrifft. Das Abi habe ich fast hinter mir und bevor ich mit einem Studium oder einer Ausbildung beginne, möchte ich mich ein oder zwei Jahre intensiv meiner Beratungsfirma widmen. Da ist während dem Abitur viel liegen geblieben.

Das selbstständige Arbeiten scheint Ihnen große Freude zu bereiten. Wie sieht für Ihre Generation das perfekte Arbeitsverhältnis aus?

Meiner Generation geht es nicht mehr so sehr um Gehalt und Status. Uns ist es wichtiger, dass wir uns selbst verwirklichen können und die richtige Balance zwischen Arbeiten und Freizeit finden ­– und das am besten selbstbestimmt. Meinem zukünftigen Chef sollte es egal sein, ob ich mit meinem Laptop am Schreibtisch sitze oder im Park liegend meine Arbeit erledige.

Das hört sich für mich an, als wollten Sie am liebsten als freier Mitarbeiter irgendwo anheuern.

Sein eigener Chef zu sein, ist verlockend. Aber ich glaube, dass sich auch die Arbeitswelt ändern wird. Zum Beispiel könnte ich mir vorstellen, dass angestellte Mitarbeiter sich auf bestimmte Projekte bewerben, um daran mitzuarbeiten, weil sie für das Thema brennen. Das würde natürlich ganze Konzernstrukturen durcheinander rütteln, aber es brächte auch viele Vorteile.

Zum Beispiel?

Die Mitarbeiter suchen sich ihre Projekte nach Interesse aus. Damit steigt die Motivation für die Arbeit. Außerdem haben sie mehr Abwechslung und erledigen nicht 30 Jahre den gleichen Job. Menschen die nach Mitternacht am produktivsten sind, könnten einfach nachts arbeiten oder wenn sie es wollen auch mit dem Laptop im Freibad. 

Ein ganz großer Teil Ihres Buches „Wer wir sind und was wir wollen“ beschäftigt sich mit Kommunikation. Warum ist das auch für die Arbeitswelt wichtig?

Kommunikation ist der Grundstein menschlichen Zusammenlebens. Meine Generation ist mit dem Internet, sozialen Netzwerken und Smartphones aufgewachsen und damit funktioniert die Kommunikation in drei Punkten radikal anders als zuvor. Erstens: Jeder kann jederzeit mit jedem in Kontakt treten. Zweitens: Wir haben durch das Internet Zugriff auf einen enormen Wissensschatz. Und drittens: Jeder kann publizieren.

Aber was hat das mit der Arbeitswelt zu tun?

Wir können uns auch beruflich viel mehr ausprobieren als früher. Ich habe mir zum Beispiel nur über Anleitungen aus dem Internet mein eigenes Aufnahmestudio gebastelt. Noch habe ich mich nicht dazu entschieden Toningenieur zu werden, aber wer weiß. Auch sich selbstständig zu machen, ist dank Internet einfacher geworden. Wenn jemand eine gute Idee hat, kann er sie im Netz publik machen, Geld dafür einsammeln und starten. Projektbezogenes Arbeiten wird ebenfalls dadurch erst in größerem Ausmaß möglich.

Was meinen Sie damit konkret?

Es gibt Unternehmen, die arbeiten bereits mit einem internen sozialen Netzwerk. Darüber können Mitarbeiter kommunizieren und sich auch in Projektgruppen organisieren. Habe ich ein solches Netzwerk, erreiche ich auch die Arbeitskollegen, die ich persönlich gar nicht kenne, aus deren Profil aber ersichtlich ist, dass sie als Experte für das Projekt hilfreich sein können.

Schließen solche Kommunikationswege die älteren Mitarbeiter nicht aus?

Das kommt auf die Unternehmenskultur an. Manchmal komme ich in Firmen, da rieche ich schon beim Betreten der Eingangshalle, dass es nicht einfach wird, dort irgendwas zu ändern. In anderen Unternehmen sind die über 50-Jährigen schon ganz heiß darauf, mit den jungen Leuten gemeinsam zu arbeiten und nochmal etwas Neues zu lernen.

Die Belange der Generation Y

Arbeiten im Park und Chillout-Bereich
Ein Testflug in einem zum Labor umgebauten Flugzeug Quelle: dpa
Ein Blick in eine Fabrikhalle von Stryker Quelle: Presse
Der Kid's Corner in einer Deutsche Bank Filiale Quelle: Presse
Ein Kreativ-Raum in einer Schweizer Google-Zweigstelle Quelle: Presse
Ein mann geht an einem IBM-Logo vorbei Quelle: AP
Ein Konzert bei einem BMW-Mitarbeiterfest Quelle: Presse
Telekomlogo an einer Scheibe Quelle: Reuters

Unternehmen müssen aber nicht nur intern ihre Kommunikation überdenken, sondern auch die Ansprache junger Talente. Was müssen Arbeitgeber der Generation Y bieten?

Das Wichtigste ist: Der Job muss Sinn machen. Meine Generation will keine Arbeit erledigen, die ihr unnütz oder sinnlos erscheint. Außerdem müssen die Unternehmen die flexiblen Arbeitsmodelle, über die wir zu Beginn gesprochen haben, anbieten.  

Und, tun sie das?

Bei einigen großen Konzernen existieren zwar theoretisch solchen Modellen, umgesetzt und ausgelebt werden sie allerdings nicht. Sie bieten flexible Arbeitszeiten an, aber wenn du nicht von acht Uhr morgens bis 16 Uhr im Büro bist, bekommst du nichts mit und dein Arbeitspensum wird vom Vorgesetzten als lasch eingeschätzt. Eltern wird versprochen, nach der Babypause wieder im gleichen Job einzusteigen. De facto funktioniert das aber häufig nicht.

Also doch keine schöne neue Arbeitswelt.

Noch nicht. Die alten Strukturen, die in Konzernen über Jahrzehnte gewachsen sind, lösen sich nicht einfach auf. Aber nach und nach verschwindet die ältere Generation und die Veränderung geht ihren natürlichen Gang. Außerdem müssen sich die Unternehmen an uns orientieren, denn der Fachkräftemangel ist nicht aufzuhalten.

In Arbeit
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Und genau da kommen Sie dann ins Spiel. Sie arbeiten ja auch mit Konzernen wie Microsoft, Bertelsmann oder der Deutsche Bank zusammen. Warum kommen die ausgerechnet auf einen 18-jährigen Schüler zu?

Naja, die Unternehmen wollen halt nicht nur von irgendwelchen älteren Beratern hören, dass Facebook total wichtig ist und sie sich eine Präsenz auf diesen Plattformen zu legen sollen. Sie wollen verstehen, wie meine Generation tickt. Und ich erkläre ihnen den Wertewandel und die Lebenswelt meiner Altersgenossen.

Nehmen diese gestandenen Manager Sie denn überhaupt ernst?

Ich muss denen natürlich erst mal zeigen, dass ich was kann und dass sie etwas von mir lernen können. Aber das geht meist ganz gut.

Welchen Vorstandsvorsitzenden würden Sie gerne mal beraten?

Ach, auf große Namen lege ich eigentlich keinen Wert. Im Zweifel ist es spannender mit einem engagierten Team bei einem Familienunternehmen zu arbeiten. 

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