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Generation Y Wollen die auch arbeiten?

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Vertrauen in die Angestellten

Die falschen Gehaltserwartungen der Absolventen
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Wirtschaftswissenschaft

Dass sie auch als Erwachsene zu den Umworbenen gehört, hat Katharina Mick gemerkt, als sie in Karlsruhe Wirtschaftsingenieurwesen studierte. Sie bekam viele Angebote aus der Wirtschaft und entschied sich für ein Traineeprogramm bei BASF: Ihr gefallen die Werte des Unternehmens, sie kann früh gehen und Sport treiben, und außerdem arbeitet ihr Freund in der Nähe. Nun sitzt die High-Potential-Frau in der ältesten Kneipe Ludwigshafens an einem dunklen Holztisch vor gebratenen Serviettenknödeln. Hat sie sich ihr Leben so vorgestellt? »Ja«, sagt sie. Sie kann genau beschreiben, wie die ideale Firma für sie aussieht: »Vertrauen führt. Mitarbeiter arbeiten ohne Druck besser.« Mick glaubt nicht, dass sich »meine generelle Einstellung zu Arbeit und Freizeit einmal ändern wird. Auch wenn ich 40 oder 50 Jahre alt sein werde, sollte beides in einem ausgewogenen Verhältnis stehen.«

Viele haben keinen Schulabschluss

Wer so gefragt ist wie die Wirtschaftsingenieurin, kann sich solche Gedanken leisten. Reden wir also nur von Hochschulabsolventen, von Stipendiaten und Erben, also einer Elite, die erst von den Eltern verhätschelt wurde und jetzt von den Unternehmen gepampert wird?

Nein. Zwar hat etwa ein Fünftel der Generation Y heute keinen Schulabschluss und – laut Hurrelmann – sehr schlechte Berufsperspektiven. Unter den Verlierern sind auffällig viele junge Männer. Früher hätten die einen Job als Hilfsarbeiter gefunden, heute sitzen sie vor dem Fernseher oder Computer, weil niemand mehr Ungelernte brauchen kann. Da sieht der Soziologe ein Problem auf die Gesellschaft zukommen. Für alle anderen aber gilt: Sie wollen arbeiten – bloß anders.

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    Verspielen die Jungen den Wohlstand, den die Älteren aufgebaut haben?

    Auch Azubis werden umworben. Die Zahl der Schulabgänger ohne Abitur ist in den vergangenen sechs Jahren von über 700.000 auf rund 550.000 geschmolzen. Firmen in der Provinz fangen damit an, herausragenden Lehrlingen kleine Dienstwagen zu offerieren. Selbst die Auszubildenden haben jetzt ganz andere Erwartungen als früher, hat man auch beim Maschinenbauer Trumpf gelernt: Am ersten Arbeitstag bekommen sie jetzt Metallwürfel, 30 mal 30 Zentimeter, aus denen sie im Team etwas herstellen. Eine Currywurst-Schneidemaschine zum Beispiel, samt Marketingkonzept und Produktionsplan. Vor fünf Jahren noch hätten die Azubis an der Werkbank sitzen und fräsen wollen – jeder für sich allein. Heute wollen sie in der Gruppe arbeiten.

    Die Jungen haben die Durchlässigkeit des Bildungssystems kapiert. Im Vorstellungsgespräch fragen die angehenden Azubis nach ihren Karrieremöglichkeiten. Früher wurden sie technischer Meister, wenn es gut lief, heute wollen sie wissen, ob sie auch promovieren können, wenn sie als Mechaniker hier anfangen. Sie können.

    Die Haltung des »Ich achte darauf, dass ich bekomme, was mir guttut« ist nicht nur auf eine Elite beschränkt. Die Y-Generation ringt den Unternehmen die eigene Lebensqualität ab, auch weil die Arbeitgeber ihrerseits keine lebenslange Sicherheit mehr versprechen können und wollen. Früher war der Pakt: Ich stelle mich in euren Dienst, und ihr garantiert mir Stabilität und Aufstieg. Die Generation Y kündigt das Versprechen, weil sie das Prekäre der globalisierten Wirtschaft erkennt. Deshalb will sie jetzt auf ihre Kosten kommen.

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