Generation Y Von wegen superflexibel

Die Berufseinsteiger unter 30 Jahren verändern die Arbeitswelt, heißt es. Studien zeigen aber: Das ist alles Quatsch. Die Jungen unterscheiden sich kaum von den Älteren.

Vorbilder der Studenten: Vater, Mutter und Angela Merkel
Was den Studenten persönlich besonders wichtig ist73 Prozent der Befragten gaben an, dass Familie für sie an erster Stelle steht - gefolgt von Freunden und einem hohen Lebensstandard. Freizeit und Sport halten 17 Prozent für besonders wichtig. Der berufliche Erfolg hat nur bei 15 Prozent einen hohen Stellenwert. Damit blieben soziale Faktoren weiterhin deutlich wichtiger als Karriere und Geld. Quelle: Fotolia
Studentendemo Quelle: dpa/dpaweb
Foto junger Mann zeigt Daumen hoch Quelle: Fotolia
Foto Eltern im Kreis, Ansicht von unten Quelle: Fotolia
Foto von Angela Merkel Quelle: AP
Junger Mann mit fragendem Gesicht Quelle: Fotolia
Handschlag zwischen Chef und seinem neuen Angestellten Quelle: Fotolia
Was für die Karriere wichtig istNahezu alle Befragten halten Berufserfahrung und Praktika für eine Voraussetzung, um Karriere zu machen. Fast genauso wichtig sind für die angehenden Absolventen Kontakte. Gute Noten halten 85 Prozent für wichtig.  Drei Viertel sehen Auslandserfahrung als unerlässlich an. Quelle: Fotolia
Erwartete Wochenarbeitszeit41 Prozent rechnen damit, zwischen 41 und 45 Stunden wöchentlich zu arbeiten. 38 Prozent gehen von 35 bis 40 Stunden aus. Nur ein Fünftel hält mehr als 45 Stunden für realistisch. Quelle: Fotolia
So lange wollen die Studenten für ihren ersten Arbeitgeber tätig sein42 Prozent wollen nach drei bis vier Jahren zum ersten Mal den Arbeitgeber wechseln. Jeder Vierte schon nach maximal zwei Jahren. Dieses Ergebnis signalisiert eine hohe Wechselbereitschaft. Jeder Zehnte hingegen ist auf eine langfristige Bindung von mehr als zehn Jahren aus. Quelle: Fotolia
Das erwarten Studenten von ihrem zukünftigen ArbeitgeberAm wichtigsten ist ihnen Jobsicherheit, gefolgt von möglichen Gehaltssteigerungen und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Statussymbole wie der Dienstwagen werden nur von vier Prozent ausdrücklich gewünscht. Quelle: Fotolia
Das ist angehenden Absolventen im Arbeitsalltag besonders wichtigFast alle Befragte gaben an, dass ihnen der Führungsstil des zukünftigen Arbeitgebers besonders wichtig sei. Ähnlich wichtig stufen sie die Möglichkeit zur Weiterbildung und eine ausgeprägte Feedback-Kultur ein.    Quelle: Fotolia

Sie wollen flexibel arbeiten, feste Arbeitsplätze sind ihnen weniger wichtig als ihre persönliche Freiheit. Eine sinnvolle Tätigkeit ist ihnen wichtiger als die Karriere. Sie wollen ständig Feedback vom Chef, eine ausgeglichene Work-Life-Balance und mögen es, wenn sie ihre eigenen Tools wie Smartphone, Tablet oder Laptop mit zur Arbeit bringen können. Generation Y werden die jüngeren Beschäftigten unter 30 Jahren genannt. In den vergangenen Jahren wurde sehr viel über sie geschrieben und diskutiert. Arbeitgeber müssten dieser Generation einiges bieten, vor allem weil Fachkräfte in Deutschland knapp würden, heißt es.

Darauf legen junge Arbeitnehmer bei der Wahl ihres Arbeitnehmers Wert

Gewerkschaftsstudien haben diese Thesen noch nie belegt. Stattdessen zeichnen Untersuchungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes eher ein Bild einer prekär beschäftigten Generation, die sich den Einstieg auf dem Arbeitsmarkt hart erkämpfen muss. Die vielfach nur Leiharbeit, Minijobs, unfreiwillig Teilzeit und befristete Verträge bekommt. Und die deshalb den Zeitpunkt für die Familiengründung immer weiter aufschiebt.

So zeigt etwa eine Studie im Auftrag von IBM, dass für die Jungen finanzielle Sicherheit und Arbeitsplatzsicherheit die maßgeblichen Faktoren bei der Wahl des Arbeitgebers sind. Von einem Wunsch, super flexibel zu arbeiten, kann nicht die Rede sein.

Auch der DGB-Index Gute Arbeit für junge Beschäftigte zeigt, wie sehr sich die jungen Beschäftigten nach einem sicheren Job sehnen, in dem sie ein ausreichendes Einkommen erwirtschaften. 37 Prozent der unter 30-Jährigen haben ein atypisches Beschäftigungsverhältnis und gerade einmal 28 Prozent der unter 35-Jährigen verdienen in Deutschland mehr als 2.500 Euro brutto – das sind Gehälter, von denen man nicht annähernd eine Familie ernähren kann. Jeder Fünfte macht sich ständig Sorgen um seine berufliche Zukunft. Jeder Dritte schleppt sich aus Sorge um den Arbeitsplatz sogar krank zur Arbeit.

Der Survival-Guide für Berufseinsteiger

Dabei ist es den meisten egal, ob ihr Arbeitsplatz sie mit Sinn erfüllt. Die Berufsanfänger möchten zwar wissen, warum sie eine Tätigkeit ausüben sollen – aber kündigen, nur weil sie auf ihrem Arbeitsplatz nicht unmittelbar zum Weltfrieden beitragen können, würden sie nicht, zeigt die IBM-Untersuchung. Viel wichtiger ist der jungen Generation, überhaupt erst einmal den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu finden.

Und auch wenn sich die meisten gute Arbeitsbedingungen wünschen, nehmen sie widrige Umstände zunächst in Kauf. Dreiviertel der jungen Beschäftigten leiden unter Stress am Arbeitsplatz, weil zu viel Arbeit in zu kurzer Zeit zu verrichten ist, Personal fehlt und die Anforderungen kaum zu bewältigen sind, zeigt der DGB-Index. Jeder Dritte schafft es kaum, in der Freizeit richtig abzuschalten.

In Arbeit
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Auch dass die junge Generation sich keine klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit wünscht, gehört ins Reich der Mythen. Laut DGB arbeiten zwei Drittel der unter 30-Jährigen zwar mehr als arbeitsvertraglich vereinbart, oft auch nach Feierabend, am Wochenende und im Urlaub – allerdings hat das selten den Grund, dass die Arbeit so viel Spaß macht. Auch hier ist die Sorge um die Verlängerung des Arbeitsvertrags ausschlaggebend.

Und dass sie ständig die Aufmerksamkeit des Chefs benötigten und immerzu Feedback haben möchten, ist außerdem nicht der Fall. In ihrem Bedürfnis nach Anerkennung unterscheiden sich die jungen Beschäftigten nicht von den Älteren. Tatsächlich aber kommt Lob bei vielen zu kurz. Jeder Dritte Unter-30-Jährige gibt an, entweder sehr selten oder nie Anerkennung vom Arbeitgeber erhalten zu haben.

Letztlich zeigt sich, dass die angeblich so fordernde Generation der jungen Beschäftigten die Arbeitswelt kaum verändert – sie passt sich vielmehr an.

Dieser Artikel ist zuerst auf Zeit Online erschienen.

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