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Generationenvertrag In der Pflicht

Der frühere NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers fordert von fitten Älteren mehr Einsatz. Denn 35 Jahre Arbeit gegenüber 50 Jahren in Ausbildung und Ruhestand seien ein Verhältnis, das kein System finanzieren könne.

Jürgen Rüttgers: „Wer aktiv an der Gesellschaft teilnimmt, statt sich zurückzuziehen, verbessert langfristig seine körperliche und geistige Gesundheit.“ Quelle: dpa

Die Fakten liegen für ihn auf dem Tisch: „Wir Älteren haben in den vergangenen 100 Jahren gut 30 Jahre mehr Lebenszeit geschenkt bekommen und in dieser Lebensphase erheblich mehr Freiheiten als je zuvor“, sagt Jürgen Rüttgers. Fast gebetsmühlenhaft wiederholt der frühere Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen seine Ansichten zu seinem Leib- und Magenthema: die alternde Gesellschaft.

Der 60-Jährige zieht daraus zwei Schlüsse: Weg vom starren Renteneintrittsalter. Und: „Ältere Menschen sollten in dieser Lebensphase als Teil der Gemeinschaft neue Aufgaben übernehmen.“ Denn 35 Jahre Arbeit gegenüber 50 Jahren in Ausbildung und Ruhestand seien ein Verhältnis, das kein System finanzieren könne. Zwischen der herkömmlichen Einteilung „Arbeitszeit“ und „Alter“ liegt nach Rüttgers Meinung das neue „Zwischenalter“ - die Phase nach dem Berufsaustritt, in dem ältere Menschen immer noch körperlich fit und intellektuell interessiert seien, sich gegen Bezahlung oder ehrenamtlich engagieren könnten.

Alt hilft jung

Der frühere Politiker hofft bei den neuen Alten auf Freiwilligkeit, staatlichen Druck trotz des Nutzens für die Sozialsysteme hält er für falsch. „Wer aktiv an der Gesellschaft teilnimmt, statt sich zurückzuziehen, verbessert langfristig seine körperliche und geistige Gesundheit.“ So seien ältere Leute – allen Unkenrufen zum Trotz – innovativ, gerade weil sie einen großen Erfahrungsschatz einbringen.

Solche Kandidaten könnten als Business Angels jungen Unternehmensgründern helfen, andere könnten Altengenossenschaften gründen. Dort stellen fitte Ältere erst ihre Arbeitskraft zur Verfügung, bekommen diese Stunden gutgeschrieben und können sie später, selbst hilfsbedürftig geworden, von der Genossenschaft anfordern. Und das Altersheim kann warten.

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