George Michael ist tot Ein Leben wie eine Achterbahnfahrt

David Bowie, Prince, Rick Parfitt und jetzt auch noch George Michael. Im zu Ende gehenden Jahr starben Giganten des Pops und Rocks.

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George Michael - hier während seiner

George Michaels Leben war stets von Hochs und Tiefs geprägt. Selbst ganz zu Anfang seiner Karriere, als er in den 80er Jahren mit dem Popduo Wham! ebenso glatt und sauber wie seine Musik wirkte, rumorte es in ihm. Denn während er seine Rolle als Frauenschwarm nach außen perfekt spielte, haderte er damit, seine Homosexualität verstecken zu müssen. Musikalische Erfolge auf der einen Seite, private Skandale und Gesundheitsprobleme auf der anderen - seine Fans waren häufig in großer Sorge um ihn.

Jetzt starb der Popsänger, dessen Hit „Last Christmas“ in diesen Tagen überall zu hören ist, im britischen Ort Goring-on-Thames - genau am ersten Weihnachtstag. Er sei friedlich im Alter von 53 Jahren eingeschlafen, betonte sein Sprecher am Sonntag . Die Todesursache war auch am Montag noch unklar, sein Manager Michael Lippman sprach von Herzversagen. Eine Obduktion soll Klarheit schaffen. Die Polizei fand keine Hinweise auf Fremdverschulden.

Michael, stets braun gebrannt und blendend weiße Zähne, war ein Tausendsassa: Sänger, Produzent, Komponist - und eine Stilikone der 80er Jahre. Mit seinem Schulfreund Andrew Ridgeley gründete er die Band Wham! - und fuhr mit Hits wie „Wake Me Up Before You Go-Go“ einen Mega-Erfolg nach dem anderen ein. 1985 durften sie sogar als erste westliche Popgruppe in China spielen. Michael prägte eine ganze Generation. Auch als Solokünstler feierte der Musiker, der eigentlich Georgios Kyriakos Panagiotou hieß, große Erfolge. Er wurde vielfach ausgezeichnet, für sein Soloalbum „Faith“ bekam er einen Grammy.

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Doch trotz Millionen verkaufter Platten geriet Michaels Leben immer wieder ins Straucheln. Eine Lungenentzündung brachte den Superstar bereits 2011 in Wien dem Tode nahe. Wochen lag er auf der Intensivstation, Tage im Koma. Er kämpfte sich zurück ins Leben, verarbeitete seine Erfahrungen im Song „White Light“ und trat bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele in London 2012 auf.

Doch dann wieder ein Schock: Der Sänger fiel aus einem fahrenden Auto auf die Autobahn. Augenzeugen berichteten, Michael habe während der Fahrt die Tür geöffnet. Was genau passiert war, wurde aber nie richtig geklärt. Viele fragten sich: Was ist bloß mit ihm los?

Michael war mehrfach mit Drogen im Blut hinter dem Steuer unterwegs, musste deshalb seinen Führerschein abgeben, Sozialstunden ableisten und 2010 sogar acht Wochen ins Gefängnis. Er nannte die Strafe gerecht. Er habe seine „Karma-Rechnung“ bezahlt und wolle von vorn anfangen. Vorübergehend schienen sich die Wogen wieder zu glätten.

"Es war fast bizarr"

In die Schlagzeilen geriet er vor allem durch seine Begegnung mit der Polizei in den USA im Jahr 1998. Er hatte sich einem Polizisten in Zivil in Beverly Hills auf einer öffentlichen Toilette, die als Schwulentreff bekannt war, „unsittlich“ gezeigt. Das brachte ihm eine Geldstrafe und 80 Sozialstunden ein.

Michael lebte schon immer in Extremen - doch den Sympathien für ihn tat das keinen Abbruch. Rund um sein Haus im Norden Londons hatte sich zeitweise eine bunte Gemeinde von berühmten Freunden angesiedelt, darunter Model Kate Moss. Der Sänger hat fast sein ganzes Leben in London verbracht. Als Sohn eines griechischen-zypriotischen Einwanderers und einer Engländerin wurde er in der britischen Hauptstadt auch geboren.

Nach den großen Wham!-Erfolgen mit Ridgeley erlebte er in den 90er Jahren viele persönliche Schicksalsschläge - seine Mutter starb an Krebs, sein Lebensgefährte an den Folgen einer HIV-Infektion. Dies stürzte ihn in tiefe Krisen, wie er in einem Interview der Deutschen-Presse-Agentur erzählte: „So vielen Menschen, die ich liebte, passierten schreckliche Sachen. Es war fast bizarr.“

Trotz seiner Achterbahnfahrt im Leben blieb er stets ein Gigant im Musikgeschäft. Nur in letzter Zeit war es ein bisschen still um ihn geworden. Sein letztes Album „Symphonica“ veröffentlichte er 2014. Als sie von seinem Tod erfuhren, würdigten ihn zahlreiche Künstler in den sozialen Netzwerken. Elton John nannte ihn auf Instagram einen geliebten Freund und brillanten Künstler, der besonders großzügig gewesen sei. Michael spendete unter anderem für Kinder in Not.

Die US-Sängerin Madonna, selber 80er-Jahre-Ikone, postete: „Wieder ist ein großer Künstler von uns gegangen. Kann sich das Jahr 2016 jetzt nicht verpissen?“ Sie spielte damit auch auf den Tod weiterer Rock- und Popstars in diesem Jahr an wie Prince und David Bowie. Zuletzt war einen Tag vor George Michael der Status-Quo-Gitarrist Rick Parfitt an einer Infektion in Spanien gestorben.

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